09.11.12

Sattar Beheshti

Iranischer Blogger stirbt im Gefängnis

Sattar Beheshti hat mit seinem Blog für die Meinungsfreiheit im Iran gekämpft. Jetzt ist er tot, gestorben in Haft. Er soll krank gewesen sein. Spekuliert wird, dass er durch Folter gestorben ist.

Foto: privat

Der iranische Blogger Sattar Beheshti ist kurz nach seiner Festnahme im Gefängnis gestorben
Der iranische Blogger Sattar Beheshti ist kurz nach seiner Festnahme im Gefängnis gestorben

Der iranische Blogger Sattar Beheshti hat sich in seinem Blog für mehr Meinungsfreiheit in seiner Heimat eingesetzt, seine politischen Ansichten unumwunden geäußert – allen Einschüchterungsversuchen der Regierung zum Trotz. "Deine Mutter wird bald schwarz tragen, weil du deine große Klappe nicht hältst", habe man ihm gedroht, schreibt der 35-Jährige in seinem Blog. Diese Drohung ist jetzt traurige Wirklichkeit geworden.

Am Mittwoch wurde Beheshtis Mutter laut "Reporter ohne Grenzen" über den Tod ihres Sohnes, der am 30. Oktober inhaftiert wurde, informiert. Er soll im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis zu Tode gefoltert worden sein – so der Vorwurf von anonymen Zeugen.

Beheshti soll in der iranischen Blogger-Szene nicht sehr bekannt sein, berichtet die Journalistin Golnaz Esfandiari in ihrem Blog. Das macht für die iranische Internetpolizei allerdings keinen Unterschied. Sie inhaftierten Beheshti wegen "Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit in sozialen Netzwerken und Facebook" und brachten ihn ins Teheraner Kahrizak-Gefängnis. Das könnte laut Esfandiari auf die Verschärfung von Kontrolle durch die Netzpolizei hindeuten.

Verhör im Ewin-Gefängnis

Oppositionelle Websites berichten, dass Beheshti bei einem Verhör im Evin-Gefängnis, wo er laut BBC eine Nacht verbrachte, gestorben sei. Der Familie wurde als offizielle Todesursache mitgeteilt, dass Beheshti krank gewesen sei.

Seine Schwester beteuert laut der oppositionellen Website Kaleme allerdings, dass ihr Bruder zuvor keinerlei gesundheitliche Probleme gehabt hätte. Die offiziellen Stellen hätten nur mit ihrem Mann Kontakt aufgenommen. Er war laut BBC Persia auch das einzige Familienmitglied, das an Beheshtis Beerdigung teilnehmen durfte, die kurz nach dem Bekanntwerden seines Tode stattfand. Man habe Beheshtis Familie gezwungen, ihn schnell zu beerdigen und sie unter Druck gesetzt, nicht die Medien zu informieren, beklagt "Reporter ohne Grenzen".

Beschwerde an die Gefängnisleitung

Ein politischer Gefangener aus dem Evin-Gefängnis hat laut Kaleme berichtet, dass Beheshti grausam gefoltert wurde. Kein Teil seines Körpers sei mehr heil gewesen. Ein anderer anonymer Informant sagte BBC, dass Beheshti mit der "chicken"-Methode gefoltert worden sei. Dabei wird man an zusammengebundenen Händen an die Decke gehängt.

Im Internet kursiert zudem ein handgeschriebener Brief, der von Beheshti stammen soll und in dem er sich bei der Gefängnisleitung der Abteilung 350 des Evin-Gefängnis über die Schläge beschwert, die ihm während seines Verhörs erteilt wurden. Zwei Insassen könnten seine Verletzungen bezeugen.

Untersuchung des Falls gefordert

"Reporter ohne Grenzen" fordern von der iranische Regierung, die genauen Umstände des Todes des Bloggers aufzuklären. Auch die französische und britische Regierung sollen Teheran zur weiteren Untersuchung des Falls aufgerufen haben.

Die unmenschlichen Verhältnisse im Evin-Gefängnis wurden in den letzten Wochen auch an andere Stelle erneut deutlich: Neun Insassinnen des Evin-Gefängniss hatten mit einem Hungerstreik auf den brutalen Umgang mit den Gefangenen aufmerksam gemacht.

Auch die Sacharow-Preisträgerin und Anwältin Nasrin Sotudeh, die hier ihre mehrjährige Haftstrafe wegen "Angriffen auf die nationale Sicherheit" absitzen muss, isst seit dem 17. Oktober nicht mehr, um gegen die grausamen Haftbedingungen zu protestieren.

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