Russland
Frauen von Pussy Riot in Straflager verlegt
Die verurteilten Musikerinnen der russischen Band Pussy Riot sind in Arbeitslager verlegt worden. Dort herrschen brutale Bedingungen.
Die wegen ihres Protests gegen Kremlchef Wladimir Putin zu zwei Jahren Haft verurteilten Mitglieder der Moskauer Band Pussy Riot sind in weit entfernte Straflager verbannt worden. Die beiden jungen Mütter sollen Berichten zufolge ihre international kritisierte Haftstrafe Hunderte Kilometer von ihren Familien entfernt absitzen.
Das Untersuchungsgefängnis in Moskau habe den Abtransport bestätigt, sagte Verteidiger Mark Fejgin am Montag. Allerdings gebe es noch keine offizielle Bestätigung, wohin die Putin-Gegnerinnen kämen. Selbst die Familien hätten erst von der Verlegung erfahren, als sie den Frauen Pakete ins Gefängnis hatten bringen wollen. Russlands Arbeitslager sind für ihre extrem harten Bedingungen bekannt. Bürgerrechtler warnten vor unmenschlichen Haftbedingungen und brutalen Misshandlungen durch Mitgefangene.
Nadeschda Tolokonnikowa (22), die eine vierjährige Tochter hat, komme in ein "Höllenlager" in der Teilrepublik Mordwinien, mehr als 420 Kilometer südöstlich von Moskau. Das berichtete über Twitter die Künstlergruppe Woina, bei der Tolokonnikowas Ehemann Mitglied ist. Die Teilrepublik ist dafür bekannt, dass es dort so viele Strafanstalten wie sonst nirgends in Russland gibt. Bandkollegin Maria Aljochina (24), Mutter eines fünfjährigen Sohnes, müsse die Strafe in der Stadt Perm am Ural etwa 1150 Kilometer östlich der Hauptstadt verbüßen, schrieb Woina.
Aufschiebung der Haft abgelehnt
Die Anwälte der beiden Frauen hatten in der vergangenen Woche einen Antrag gestellt, die Verbüßung der Strafen auszusetzen, bis die Kleinkinder der beider Verurteilten 14 Jahre alt sind. Ein Moskauer Gericht lehnte eine Verhandlung dieser Frage ab.
Die Anwälte hatten zudem versucht, einen Verbleib der beiden Verurteilten in einem Moskauer Gefängnis zu organisieren. Die Verschickung ins Straflager wurde jedoch weder aufgeschoben noch aufgehoben. Gemäß der Praxis im russischen Strafvollzug erfahren Anwälte und Familienangehörige erst nach einer Verlegung von Gefangenen offiziell, wo sich diese jetzt genau befinden. Die Überstellung erfolgt in der Regel in speziellen Bahnwaggons und kann mehrere Tage dauern.
Im Februar hatte die Punkband hatten mit einem "Punkgebet" in der russisch-orthodoxen Hauptkirche in Moskau gegen Wladimir Putin demonstriert, der damals für das Präsidentenamt kandidierte. Im August waren zunächst drei Bandmitglieder wegen Rowdytums aus religiösem Hass zu je zwei Jahren Zwangslager verurteilt worden. Das Urteil sorgte international für Empörung. Im Berufungsverfahren war Jekaterina Samuzewitsch als einziges Band-Mitglied überraschend auf Bewährung freigekommen.
















