16.10.12

Betrugsvorwürfe

Schwedischer Lutschtabak bringt EU-Kommissar Dalli zu Fall

EU-Kommissar Dalli verliert nach Betrugsvorwürfen sein Amt. Besonders pikant: Die Affäre dreht sich um die europäische Tabakgesetzgebung.

Foto: dapd

Zurückgetreten: EU-Gesundheitskommissar John Dalli
Zurückgetreten: EU-Gesundheitskommissar John Dalli

Nach Vorwürfen ist EU-Verbraucherkommissar John Dalli mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Die EU-Anti-Betrugsbehörde Olaf hatte gegen den 64-jährigen Malteser ermittelt.

Die Vorwürfe drehten sich um eine mögliche Einflussnahme der Industrie auf die geplante EU-Tabakgesetzgebung, für die Dalli als Gesundheits- und Verbraucherschutzkommissar zuständig ist. Dalli selbst weist alle Vorwürfe zurück.

Es ist ein äußerst seltener Fall, dass ein Mitglied der EU-Kommission sein Amt wegen Betrugsverdacht aufgeben muss. Für Schlagzeilen sorgte 1999 die Kommission unter dem Präsidenten Jacques Santer, die wegen Korruptionsvorwürfen komplett zurücktreten musste. Das derzeitige Kollegium von Präsident José Manuel Barroso hat 27 Mitglieder und hatte Anfang 2010 seine Arbeit aufgenommen. Das Mandat geht bis 2014.

Es ist nicht das erste Mal, dass Dalli nach einer Affäre sein Amt verlässt. 2004 trat er aufgrund von Korruptionsvorwürfen als Außenminister zurück. Dalli kehrte vier Jahre später als Sozialminister an den Kabinettstisch zurück.

Lutschtabak aus Schweden löst Affäre aus

Die Olaf-Ermittlungen wurden von einer Beschwerde des schwedischen Tabakherstellers Swedish Match ausgelöst. Ein maltesischer Unternehmer hatte der Firma angeboten, für Geld Kontakte zu Dalli herzustellen, um damit die EU-Tabakgesetzgebung zu beeinflussen, schrieb die EU-Kommission. Dabei sei es insbesondere um eine Art Lutschtabak (den schwedischen Snus) gegangen. Das Angebot wurde nicht in die Tat umgesetzt. "Es kam nicht zu einer Transaktion zwischen der Firma und dem Unternehmen und es wurde kein Geld gezahlt", betonte die EU-Kommission.

Die Olaf-Behörde habe bei der Untersuchung keine Belege für ein Fehlverhalten des EU-Kommissars aufgedeckt. Die EU-Kommission schrieb: "Der Olaf-Bericht hat keinen überzeugenden Beweis für die direkte Beteiligung von Herrn Dalli gefunden, geht aber davon aus, dass er über diese Ereignisse informiert war."

Malta muss neuen Kommissar benennen

Maltas Regierung wurde aufgefordert, einen neuen Kommissar zu benennen. Präsident Barroso habe entschieden, dass der für die Verwaltung zuständige EU-Kommissar Maros Sefkovic vorübergehend die Aufgaben Dallis übernimmt, so die EU-Behörde. Bei der Sitzung des Gremiums am morgigen Mittwoch werde die EU-Kommission über den Fall beraten. Wie aus der Behörde verlautete, sollen vorher keine weiteren Details bekanntgegeben werden.

Die Ermittlungen seien inzwischen an die Behörden aus Dallis Heimatland übergeben worden – die dortige Justiz müsse nun entscheiden, wie weiter verfahren werde.

Quelle: dpa/bee
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