16.10.12

Zweites TV-Duell

Obama plant Revanche nach dem Debattendesaster

Beim zweiten TV-Duell muss der US-Präsident dringend punkten, denn sein Herausforderer Romney holt in Umfragen rasant auf. Es gibt gute Gründe, weshalb es für Obama diesmal besser ausgehen könnte.

Quelle: dapd
16.10.12 1:02 min.
US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney stehen sich zum zweiten Mal in einem TV-Duell gegenüber. Diesmal dürfen die Wähler selbst den Kandidaten auf den Zahn fühlen.

Energisch, schlagfertig, zukunftsweisend, einfühlsam in die Nöte der Wähler: So will und so muss Barack Obama heute Abend um 21 Uhr US-Ostküstenzeit (3 Uhr Mittwochfrüh MEZ) beim zweiten TV-Duell mit Mitt Romney auftreten, der seinerseits alles tun wird, das zu verhindern.

Der republikanische Herausforderer gab sich bei der ersten Runde am 3. Oktober in Denver erstmals seit anderthalb Jahren als gemäßigter, ausgleichender Konservativer: Er debattierte den lustlos und gereizt wirkenden Präsidenten vor 67 Millionen Zuschauern überraschend eindeutig an die Wand.

Mitt Romney streicht seither in den Umfragen den Lohn ein. Es war allein der aggressiven, die Demokraten begeisternden Vorstellung Joe Bidens am 11. Oktober in der Debatte der Stellvertreter mit Paul Ryan zu verdanken, dass dem Abwärtstrend Einhalt geboten wurde.

Mitt Romney hat das Kriegsglück

Doch das Gespann Romney-Ryan hat das "momentum", das Kriegsglück. Hatte Obama in nationalen Erhebungen über Wochen knapp geführt und regional, etwa in den 13 Schlüsselstaaten (Swing States), deutlich vorne gelegen, schrumpfte der Vorsprung nach dem Debattendesaster fast auf Null. Eine Gallup/ USA Today Umfrage vom Montag sieht Mitt Romney in den Swing States unter "wahrscheinlichen Wählern" gar mit fünf Punkten in Führung; unter registrierten, also entschlossenen Wählern, führt Romney 49 zu 47 Prozent.

Zugelegt hat der Republikaner vor allem bei einer entscheidenden Gruppe, die bisher klar Obama bevorzugte: Frauen. Es scheint, dass viele Frauen den "runderneuerten Romney" sympathisch und überzeugend fanden, den Bill Clinton ironisch lächelnd in einer Rede umarmte: "Da ist er wieder, der alte gemäßigte Mitt: Wo warst Du nur all die letzten Jahre?"

Obama bereitet Revanche seit Tagen vor

"Ich hatte einen schlechten Abend", gestand Präsident Obama Tage nach Denver. Nun bereitet er sich seit drei Tagen in einem Ferienresort nahe Williamsburg in Virginia mit seinem Romney-Double John Kerry und wenigen Getreuen auf die Revanche vor. Es laufe "großartig", behauptet der Präsident. Am Nachmittag wird er nach New York fliegen.

Aus der anderen Richtung, aus einer tagenlagen Klausur in Vermont, kommt Mitt Romney, gewiss nicht minder gut vorbereitet. Während Barack Obama am Sonntag unangekündigt ein nahegelegenes Wahlkampfbüro der Demokraten besuchte, Pizza zustellte und einige Werbeanrufe bei Wählern übernahm, konnte sich Mitt Romney ganz auf sein Training konzentrieren. Für ihn spielt, wie zuvor, US-Senator Rob Portman in den Übungsdebatten den Präsidenten.

Eine Wiederholung von Denver kann es heute in der Hofstra University im Staat New York schon deshalb nicht geben, weil dort (noch unentschiedene) Bürger die Fragen stellen werden. Es heißt, dieses "Townhall"-Format liege Barack Obama mehr als ein Wortgefecht von Podium zu Podium.

Spöttisch grinsen ist nicht erlaubt

Sicher ist, dass beide Kandidaten auch unangenehme Fragen mit der Höflichkeit beantworten werden, die Amerikas Souverän gebührt. Fragen ignorieren, dem Gegner ins Wort fallen, spöttisch grinsen – allesamt höchst unterhaltsame Merkmale der temperamentvollen Biden-Ryan-Debatte – verbieten sich. Alle Themen, von der Außenpolitik bis zur Schwulenehe, von der Staatsverschuldung bis zur Abtreibung, sind in den anderthalb Stunden möglich.

Offen und ungewöhnlich spannend ist die Rolle der CNN-Moderatorin Candy Crawley. Nach dem Willen der beiden Wahlkampfteams, die im Juli alle Einzelheiten des Abends miteinander (ohne Crawley) aushandelten, hat die Moderatorin kein Recht auf Nachfragen. Sie nimmt die Zeit und erteilt das Wort, nichts weiter.

Candy Crawley aber denkt nicht daran, sich an Vorgaben zu halten, die sie nie gebilligt oder gar unterzeichnet hätte: "Ich werde bei beiden Kandidaten nachhaken, wenn es der Sache dient."

Die Debattenvereinbarung zwischen Obama und Romney im Wortlaut: http://thepage.time.com/2012/10/15/the-2012-debates-memorandum-of-understanding-between-the-obama-and-romney-campaigns/

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