27.09.2012, 13:24

Japan Sektenführerin wegen Ritualmorden gehängt

Foto: Handout / picture alliance / dpa

Die 65-jährige Sachiko Eto und ihre Anhänger haben im Rahmen von Teufelsaustreibungen ihre Opfer erschlagen. Sie wurde nun wegen sechsfachen Mordes hingerichtet. Ihre Tochter sitzt in der Todeszelle.

Eine wegen sechsfachen Mordes verurteilte Sektenführerin ist in Japan gehängt worden. Die 65 Jahre alte Sachiko Eto und ihre Anhänger hatten Ritualmorde begangen, wie das Justizministerium mitteilte. Bei Teufelsaustreibungen schlugen sie ihre Opfer tot und Eto versteckte die Leichen in ihrem Haus.

Ihre Tochter und ein weiteres Mitglied der Sekte wurden wegen der 1995 begangenen Morde zu lebenslanger Haft verurteilt, aber bislang noch nicht hingerichtet.

Todeskult in Japan

Eto war Anfang der 90er Jahre einem Kult beigetreten und sich darin vor allem Teufelsaustreibungen gewidmet. Während des Prozesses hatte ihr Rechtsbeistand immer wieder darauf hingewiesen, dass seine Mandantin wegen verminderter Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig sei. Folgerichtig plädierte die Verteidigung auf Freispruch und Einweisung in eine Nervenheilanstalt. Doch das Gericht verhängte wegen der Schwere der Tat die Todesstrafe.

Damals im Juni 1996 stürmte die Polizei Etos Haus, nachdem dort eine Frau während einer religiösen Zeremonie geschlagen worden war, aber entkommen konnte. Sie alarmierte die Behörden und bat sie, nach ihrem Ehemann zu suchen, der zuletzt in Etos Haus gesehen worden war. Wie sich später herausstellte, war der Ehemann unter den Todesopfern der Kultführerin.

Anschlag der Aum-Sekte

Im März des gleichen Jahr hatte es den Giftgas-Anschlag der Aum-Sekte auf die Tokioter U-Bahn gegeben. Durch den Anschlag starben insgesamt 13 Menschen, es gab etwa 1000 Verletzte, 37 davon schwer. 5000 meldeten sich in Krankenhäusern. Etos Sekte hatte aber mit der Aum-Sekte nach Angaben der Polizei keine Verbindungen.

Japan ist einer der wenigen Industriestaaten, die noch immer die Todesstrafe verhängen und auch vollstrecken. Menschenrechtsorganisationen machen immer wieder die mangelnde Transparenz im Justizsystem geltend. Umfragen zufolge wird die Todesstrafe in der japanischen Gesellschaft aber kaum diskutiert. Immer wieder bestätigt, dass Todesurteile als Höchststrafe grundsätzlich befürwortet wird.

131 Todeskandidaten

In Japan hat es im vergangenen Jahr erstmals seit rund zwei Jahrzehnten keine Hinrichtungen gegeben, in diesem Jahr allerdings schon sieben. Seit einem Jahr ist in Tokio die Regierung von Ministerpräsident Yoshihiko Noda an der Macht. Justizminister Makoto Taki hatte erst im August zwei Exekutionen angeordnet. Das Justizministerium erklärte, dass derzeit noch 131 Verurteilte in Todeszellen sitzen. In Japan wird die Todesstrafe immer durch Hängen vollstreckt.

Zusammen mit Eto wurde auch der wegen Mordes verurteilte 39-jährige Yukinori Matsuda hingerichtet. Er hatte während eines Raubüberfalles 2003 zwei Menschen getötet.

(AP/al)
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