21.09.12

Ernergie

BDI-Chef Keitel warnt Politik vor Blackout-Gefahr

Politik und Wirtschaft dürfen die Gefahr von Stromausfällen nicht unterschätzen, mahnt BDI-Präsident Keitel. Auch die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende sei "noch längst nicht gesichert".

Foto: M. Lengemann
Ja
BDI-Präsidient Hans-Peter Keitel wird zum Endes des Jahres sein Amt nach vier Jahren aufgeben, sein Nachfolger wird Ulrich Grillo

BDI-Präsident Hans-Peter Keitel hat Politik und Wirtschaft davor gewarnt, die Gefahr von Stromausfällen zu unterschätzen. Im vergangenen Winter sei Deutschland "nur knapp regionalen Versorgungsengpässen entgangen", sagte Keitel der Berliner Morgenpost.

"Im Interesse einer verlässlichen Stromversorgung müssen wir Vorkehrungen treffen. Wir müssen Ersatzkapazitäten vorhalten und notfalls Strom aus dem Ausland beziehen."

Keitel betonte: "Viele unterschätzen, dass es auch unterhalb des Blackouts kritische Situationen für Unternehmen gibt – etwa Frequenz- und Spannungsschwankungen, die sich im Bereich von Millisekunden abspielen." So etwas könne in manchen Betrieben die Produktion lahmlegen und enorme Kosten verursachen.

Energiewende "noch längst nicht gesichert"

Die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende sei "noch längst nicht gesichert", warnte Keitel. "Bisher haben wir ja nur Kernkraftwerke abgeschaltet." Der BDI-Präsident forderte Umweltminister Peter Altmaier (CDU) auf, seinen Worten Taten folgen zu lassen.

"Er hat in seinen ersten 100 Tagen zugehört und Vertrauen geschaffen", so Keitel. "Wir hoffen, dass er jetzt liefert." Wesentlich mehr Arbeit als Ankündigungen mache es, das Zehn-Punkte-Programm des Umweltministers umzusetzen. "Gerade die Energiekosten dürfen nicht weiter steigen."

Keitel forderte "mehr Ehrlichkeit beim Strompreis". Ein Großteil gehe auf politische Entscheidungen zurück, sagte er und verwies auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Die Umlage werde sich entgegen allen Beteuerungen weiter erhöhen.

Es sei "dringend notwendig, das EEG und den ungesteuerten Zubau erneuerbarer Energien grundlegend auf den Prüfstand zustellen". Das Gesetz müsse sich "marktwirtschaftlicher organisieren lassen"

Blackouts per Gesetz verhindern

Die Bundesregierung will die Energiekonzerne per Gesetz zwingen, auch unrentable Kraftwerke im Winter am Netz zu lassen, um einen Blackout zu verhindern.

Im vergangenen Winter hatte das deutsche Energieversorgungssystem angesichts einer mehrwöchigen extremen Kältewelle nach Angaben der Netzbetreiber an seiner Leistungsgrenze gearbeitet. Nur durch das Anzapfen auch ausländischer Kraftwerke und -netze habe die Sicherheit der Versorgung in Deutschland gewährleistet werden können. An zehn Tagen mussten auch Reservekraftwerke in Deutschland und Österreich angefahren werden.

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