15.09.12

China

Rätselhafte Rückkehr des Vizepräsidenten Xi Jinping

Zwei Wochen lang war der Vizepräsident und designierte Nachfolger von Hu Jintao verschwunden. Nun taucht er wieder auf, umgeben von hochrangigen Funktionären. Eine Erklärung bleibt China schuldig.

Foto: REUTERS

Als wäre nichts gewesen: Chinas Vizepräsident Xi Jinping (M.) auf dem Campus der Agraruniversität
Als wäre nichts gewesen: Chinas Vizepräsident Xi Jinping (M.) auf dem Campus der Agraruniversität

Der Anlass, den Pekings Regie wählte, um den seit zwei Wochen verschollenen Kronprinzen der Partei Xi Jinping wieder auftauchen zu lassen, war betont unauffällig gewählt. Der 59-Jährige, um dessen Verschwinden weltweit Gerüchte vom Sportunfall, Herzinfarkt bis zum Autounfall rankten, besuchte in scheinbar bester Laune und körperlicher Verfassung die Agraruniversität Peking.

Zum Nationalen Tag für die Popularisierung der Wissenschaften, der 2012 ausgerechnet den Themen Gesundheit, Nahrungsmittel-Sicherheit und Unfallvermeidung gewidmet ist, zeigte er sich der Öffentlichkeit.

Chinas Staatsfernsehen CCTV sendete den Auftritt in ihren Hauptnachrichten Samstagabend (Ortszeit) erst als viertwichtigste Nachricht, zeigte Xi aber in langen Sequenzen. Er lief, gestikulierte, schüttelte Hände, inspizierte Mais-Versuchsfelder, hielt Reden und verlangte von der Nation, besser auf Nahrungsmittel-Sicherheit zu achten, und von seinen Landsleuten, auf ihre Gesundheit aufzupassen.

Seit 1. September wie vom Erdboden verschwunden

Seine eigene schien offenbar in Ordnung zu sein. Auf dem Mitte Oktober erwarteten 18. Wahlparteitag soll er schließlich zum Parteichef der Kommunistischen Partei gekürt werden.

Er wäre damit der mächtigste Mann Chinas und einer der großen Player der Weltpolitik. Ab kommenden März soll Xi beim großen Revirement von Staatsführung und Regierung auf dem Volkskongress zugleich das Amt des Staatspräsidenten übernehmen.

Chinas Propaganda inszenierte die Rückkehr des seit 1. September nicht mehr öffentlich aufgetretenen Parteifunktionärs, der ohne Erklärung eine Reihe protokollarisch vereinbarter Treffen absagen ließ, darunter mit US-Außenministerin Hillary Clinton, dem Präsidenten Singapurs oder Dänemarks Ministerpräsidentin als fröhlichen Spaziergang Xis durch die Landwirtschafts-Universität.

Fit und fest im politischen Sattel

Begleitet wurde er von einer ungewöhnlich hochrangigen Entourage an Parteiprominenz. Peking wollte demonstrieren, dass Xi nicht nur gesund ist, sondern auch weiterhin fest im politischen Sattel sitzt. Mit ihm kam ein halbes Dutzend Politbüromitglieder, darunter der Organisationschef der Partei, Li Yuanchao, Propagandachef Liu Yunshan oder Staatsrätin Liu Yandong.

Sie alle gelten als Kandidaten für den neunköpfigen Ständigen Politbüro-Ausschuss, die künftige Innere Führung Chinas unter Xi Jinping. Erstmals zeigte sich mit Xi auch wieder der in einen Skandal um seinen Sohn verwickelte ehemalige ZK-Bürochef Ling Jihua. Er war jüngst auf ein niedrigeres Amt versetzt worden. Sein Sohn war im März im Ferrari tödlich verunglückt. Die Nachricht darüber wurde monatelang verheimlicht.

Weder "Xinhua" noch das Staatsfernsehen gaben am Sonnabend eine Erklärung, warum Xi zwei Wochen von der Bildfläche verschwunden war. Ebenfalls gibt es noch keinen amtlich verkündeten Termin, wann der große Wahl-Parteitag in Peking einberufen wird. 2270 Delegierte, die die 82 Millionen Parteimitglieder vertreten, sind in allen 31 Provinzen bereits gewählt worden.

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