25.08.12

Steuerparadiese

Blog veröffentlicht Romneys Steueroasen

Bei einer Spendengala schwadroniert der US-Republikaner vom Sinn globaler Steueroasen. Welche er selbst nutzt, veröffentlicht ein Blog in Form hunderter Unterlagen zu Mitt Romneys Abgabepraktiken.

Wenige Tage vor seiner Nominierung bleiben die Steuerpraktiken des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney Reizthema in den USA. Das New Yorker Blog "Gawker" (übersetzt: Gaffer) stellte 950 angebliche Finanzunterlagen des Multimillionärs ins Internet.

Sie sollen belegen, dass Romney sein auf 250 Millionen Dollar geschätztes Vermögen auf legale Weise mit einem unübersichtlichen Netz von Investitionen über Jahre an den US-Steuerbehörden vorbeigelenkt hat.

Die Bilanzberichte und Vermögensaufstellungen betreffen hauptsächlich Romneys 1984 gegründete Investmentfirma Bain Capital sowie deren Tochterfirmen. Viele Dokumente weisen auf Anlagen auf den Cayman Inseln oder in Luxemburg hin.

Großkonzerne profitierten von Oasen

Nach dem Material zieht der ehemalige Gouverneur von Massachusetts selbst 13 Jahre nach seinem Ausscheiden aus der Firma weiter Gewinne. Er soll mehrfach riskant spekuliert haben. Einige der veröffentlichten Details hatte bereits das Magazin "Vanity Fair" im Juli publiziert.

Romneys Steuern sind seit längerem Thema im US-Wahlkampf. Präsident Barack Obama hatte seinen Rivalen mehrfach aufgefordert, seine Unterlagen transparent zu machen. Romney lehnt dies bislang ab.

Er erklärte wiederholt, er habe nie weniger als 13 Prozent Steuern bezahlt. Das ist prozentual deutlich weniger, als Millionen Arbeitnehmer in den USA zahlen müssen. Dort werden nämlich Kapitaleinkommen geringer besteuert als Einkünfte aus Arbeit.

4,1 Millionen Dollar an die Kirche gezahlt

Romney will wegen seiner Abgaben an die Mormonen keine weiteren Steuerunterlagen vorlegen. "Unsere Kirche veröffentlicht nicht, wie viel man spendet", erklärte er dem Magazin "Parade" einem Vorabbericht der Sonntagausgabe zufolge. Dies sei Privatsache.

Als Mormone ist Romney angehalten, zehn Prozent seines Einkommens an die Kirche zu spenden. Nach den vorliegenden Daten überwies er in den vergangenen zwei Jahren 4,1 Millionen Dollar an die Kirche, was 9,7 Prozent seines Einkommens entspricht. Eine Kirchensteuer gibt es in den USA nicht.

Um Romneys Steuerpraxis geht es auch um ein Wahlkampf-Video, das für Kontroversen bis hin in die Schweiz gesorgt hat. In dem Streifen, den eine private Organisation produzierte und ins Internet stellte, tanzt eine junge Frau als "Romney Girl" im Dirndl um einen Mann, der Romney darstellen soll.

Sie singt zu den Tönen des 1997er Pop-Hits "I'm a Barbie Girl" und bezieht sich dabei auf Vorwürfe, nach denen der Multimillionär Teile seines Reichtums in Schweizer Banken gebunkert haben soll, um Steuern zu sparen.

Verschwörungstheorien um Obama

Romney selbst fachte derweil die Debatte über sein Vermögen mit Kommentaren über die segensreiche Wirkung von Steueroasen weiter an. Den Großkonzernen gehe es gut, unter anderem deshalb, weil es noch immer Steueroasen gebe, in denen sich die Unternehmen der Abgabenlast entziehen können, sagte Romney.

Doch damit nicht genug, ließ Romney sich auf einer Wahlveranstaltung zu einer Bemerkung über Obamas Geburtsort hinreißen. Bei einem Auftritt im Bundesstaat Michigan sagte er scherzhaft, er sei bislang von niemandem nach seiner Geburtsurkunde gefragt worden. Beobachter sehen darin eine Anspielung auf die Verschwörungstheorien um die Herkunft von Präsident Barack Obama.

Die Leute wüssten, dass er und seine Frau in Michigan geboren und aufgewachsen seien, sagte Romney weiter. Rund 10.000 seiner Anhänger, die zu der Veranstaltung in der Stadt Commerce gekommen waren, nahmen die Bemerkung mit Gelächter und Applaus auf.

Obamas Wahlkampfteam reagierte empört auf den Kommentar. Romney schließe sich "den schrillsten Stimmen" in seiner Partei an, sagte Sprecher Ben LaBolt.

Quelle: dpa/dapd/AFP/Reuters/cc
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