19.08.12

Bevölkerungsstatistik

Chinas Gesellschaft altert plötzlich rapide

Einst lebte ein Viertel der Menschheit in China. Doch die rapide Urbanisierung und die Ein-Kind-Politik haben eine stille Revolution eingeleitet, die das Sozialgefüge gefährlich umkrempelt.

Von Johnny Erling
Foto: Maxppp
China
"Nur" noch etwas weniger als ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt in China

Die Einwohner Chinas machen ein Viertel der Menschheit aus. Das war einst griffiger Titel ungezählter Bücher und Aufsätze. Allerdings stimmt er nicht mehr.

Weniger als ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt heute im Reich der Mitte. Mit 1347 Milliarden Chinesen sind es 19,5 Prozent. 2002 lag der Anteil der Chinesen noch bei 20,3 Prozent.

Pekings staatliche Geburtenplanung, rapide Urbanisierung und steigender Wohlstand haben die Gesellschaft schneller und fundamentaler verändert, als sich alle Planer vorstellen konnten. Den Wandel können sie im Zeitraffer von nur einer Dekade ablesen, stellte nun das Staatliche Amt für Statistik der Volksrepublik China im Vergleich mit 2002 fest.

Stillen Revolution der Demografie

Der Anteil der bis zu 14-jährigen Chinesen an der Bevölkerung ist auf heute 16,5 Prozent gefallen. 2002 zählten sie noch 22,4 Prozent. In Metropolen wie Peking und Shanghai ist wegen der Ein-Kind-Politik die Zahl der Jungen auf unter zehn Prozent gefallen. Im Gegenzug stieg dafür der Anteil der Rentner über 65 Jahre auf 9,1 Prozent. 2002 waren es erst 7,3 Prozent.

Bevölkerungswissenschaftler sprechen von einer stillen Revolution der Demografie, die das Sozialgefüge umkrempelt. Die berühmte Großfamilie ist passé. In einer Durchschnittsfamilie leben pro Haushalt heute 3,02 Personen (2002 waren es 3,39). In Großstädten sind es weit unter drei Personen.

Verstädterung und Landflucht stellen auch das traditionelle Bauernreich auf den Kopf. Jeder zweite Chinese wohnt heute in einer Stadt. Ende 2011 wurden 690,79 Millionen Städter in China gezählt, 51,27 Prozent der Bevölkerung. In nur zehn Jahren nahm ihre Zahl um 188,67 Millionen Personen zu – um doppelt so viele Menschen, wie in ganz Deutschland leben.

Die Statistiker nennen die neuen Daten einen Warnruf an die Politik. Pekings Regierung, die sich mit niedrigeren Wachstumsraten ihrer Wirtschaft bescheiden muss, steht in den kommenden zehn Jahren vor gigantischen Herausforderungen: Zu viele Alte, zu wenig Junge und immer mehr Städter.

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