18.08.12

Taliban-Offensive

Blutigster Monat für US-Truppen in Afghanistan

Der Juli war der bisher blutigste Monat für US-Truppen in Afghanistan. Auch die Zahl der Selbstmorde von US-Soldaten liegt auf Rekordniveau. Für Barack Obama sind das doppelt schlechte Nachrichten.

Foto: EPA
Afghanistan
In Afghanistan starben allein im Juli insgesamt 40 US-Soldaten

An jedem Tag des Jahres 2012 ist ein US-Soldat in Afghanistan gewaltsam ums Leben gekommen. Nach der Ermordung von zwei US-Soldaten am Freitag stieg die Zahl auf 221. Der Juli war mit 40 getöteten US-Soldaten bisher der blutigste Monat.

In den Sommermonaten nehmen die Anschläge stark zu, während sie im Winter wegen der Kälte zurückgehen. Die steigende Zahl der Gefallenen ist für Präsident Barack Obama, der die US-Truppen in dem "gerechten" Afghanistankrieg 2011 auf den Höchststand von 103.000 Mann bringen ließ und das Thema im Wahlkampf weitgehend vermeidet, besonders schlechte Nachrichten. Bis Oktober soll die Truppenstärke der USA auf 68.000 Mann abgebaut sein.

Nicht minder beunruhigend müssen auf den Präsidenten und das Pentagon die beispiellos hohe Zahl von aktiven Soldaten und Reservisten wirken, die sich das Leben nehmen. Im Juli starben 38 US-Soldaten durch eigene Hand, fast so viele wie in Afghanistan; seit Jahresbeginn wurden 187 Fälle von Suizid in den Streitkräften registriert.

Über die Ursachen für diesen historischen Höchststand wird in militärischen Fachkreisen debattiert. Für eine nationale Diskussion reicht die bestürzende Tatsache, dass das Zivilleben für Amerikas Soldaten ähnlich tödlich ist wie der Krieg in Afghanistan, offenbar noch nicht aus.

Taliban: Afghanische Sicherheitskräfte unterwandert

Am Freitag hatten Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte das Feuer auf Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf eröffnet. Im ersten Fall tötete ein Polizist in der westafghanischen Provinz Farah zwei US-Soldaten. Auch der Angreifer wurde erschossen.

In der südafghanischen Provinz Kandahar hat ein weiterer Angehöriger der afghanischen Sicherheitskräfte auf Isaf-Soldaten geschossen, aber niemanden getötet. Der Angreifer wurde verwundet.

Taliban-Chef Mullah Omar hatte in seiner am Freitag verbreiteten Botschaft zum bevorstehenden Ende des Fastenmonats Ramadan mitgeteilt, die Aufständischen hätten die afghanischen Sicherheitskräfte erfolgreich unterwandert. Mullah Omar rief Soldaten und Polizisten auf, sich den Aufständischen anzuschließen.

Die Zeit sei reif, "weil der Tag nicht fern ist, an dem die Invasionsarmee des Feindes aus Afghanistan fliehen wird". Angriffe von Afghanen in Armee- oder Polizeiuniform auf ausländische Soldaten haben deutlich zugenommen.

Der Kommandeur der multinationalen Isaf-Truppe in Afghanistan, US-General John Allen, ordnete daher an, dass ausländische Soldaten jetzt immer geladene Waffen tragen müssen. Allen habe den Befehl, ständig geladene Waffen zu tragen, bereits vor einigen Tagen gegeben, berichtete der TV-Sender CNN unter Berufung auf informierte US-Beamte in Kabul.

Der Sender NBC meldete ebenfalls unter Berufung auf eine nicht namentlich genannte Quelle eine weitere Vorsichtsmaßnahme: Demnach müssen US-Soldaten bei Treffen mit bewaffneten afghanischen Sicherheitskräften mindestens von einem "Schutzengel" bewacht werden. Dieser solle mit geladener Waffen bereitstehen, um sofort schießen zu können.

Quelle: mit dpa
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