07.08.12

Russland

Staatsanwalt fordert drei Jahre Haft für Pussy Riot

Wegen Rowdytums aus religiösem Hass sollen die drei jungen Frauen für jeweils drei Jahre ins Lager. Dabei wollte Präsident Putin doch Gnade.

Quelle: Reuters
07.08.12 1:51 min.
Im Prozess gegen Pussy Riot hat die Staatsanwaltschaft nun drei Jahre Haft gefordert. Die drei Musikerinnen müssen sich wegen einer spektakulären Protestaktion vor Gericht verantworten.

Im umstrittenen Moskauer Prozess gegen die Punkband Pussy Riot hat die Staatsanwaltschaft jeweils drei Jahre Haft wegen Rowdytums aus religiösem Hass für die drei Angeklagten gefordert. Die Frauen hätten die Gefühle von Gläubigen absichtlich und grob verletzt, sagte der Staatsanwalt am Dienstag vor dem Chamowniki-Gericht. Ihr Vergehen, ein gegen den damaligen Ministerpräsidenten Wladimir Putin gerichtetes Lied in einer Kirche zu singen, sei so "schwer", dass sie "von der Gesellschaft isoliert" werden müssten und es einen "echten Entzug von Freiheit" geben müsse, fügte der Staatsanwalt hinzu. Mit dem beantragten Strafmaß blieb die Anklage unter der Höchststrafe von sieben Jahren Lagerhaft.

Die Schuld von Maria Aljochina (24), Nadeschda Tolokonnikowa (22) und Jekaterina Samuzewitsch (29) sei erwiesen, sagte der Staatsanwalt bei der live im Internet übertragenen Sitzung. Die Musikerinnen hatten ihr etwa einminütiges Punkgebet gegen Kremlchef Wladimir Putin und Patriarch Kirill in der wichtigsten russischen Kathedrale als politische Aktion verteidigt.

Die Frauen – zwei von ihnen Mütter kleiner Kinder – hatten die Vorwürfe als absurd und unrechtmäßig zurückgewiesen. Sie hätten die Gefühle russisch-orthodoxer Christen mit der Aktion am 21. Februar 2012 nicht verletzen wollen. Der russische Präsident Putin hatte zuletzt angemahnt, die Frauen dafür nicht zu hart zu bestrafen. Man solle die drei jungen Frauen "nicht zu streng bestrafen", aber das Urteil sei "natürlich Sache des Gerichts", hatte der Politiker während eines Besuchs der Olympischen Spiele in London gesagt.

Menschenrechtler und unabhängige Juristen sowie die russische Opposition sprechen von einem beispiellosen Justizskandal in der jüngeren Geschichte des Landes. Der Prozess stehe für politisch-religiöse Willkür wie im Mittelalter, hieß es in Kommentaren. Die Frauen sind von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International als politische Gefangene anerkannt.

Am Montag hatte sich Pop-Star Madonna während ihrer Russland-Tour für eine baldige Freilassung der Frauen von Pussy Riot ausgesprochen. "Ich bin für die freie Meinungsäußerung und hoffe, dass die Richter Nachsicht zeigen", sagte die Sängerin.

Quelle: dpa/dapd/AFP/sei
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Eine Sambatänzerin beim Festumzug des Karnevals der Kulturen der Welt teil
09:56Umzug in Kreuzberg
Karneval der Kulturen - So feierte Berlin seine Vielfalt

Pfingsten ist die Zeit der Berliner Version des Karnevals: Am Sonntag zeigte sich Kreuzberg besonders bunt - beim großen Umzug. Rund 700.000 Menschen feierten mit. Das Fest in Bildern und Videos. mehr...

title
19.05.13Wiederaufstieg
Blau-weißer Feiertag - Hertha beendet Saison mit Punkterekord

Hertha BSC beendet die Saison mit einem 1:1-Unentschieden im Berlin-Brandenburg-Derby gegen Energie Cottbus. Mit 76 Zählern stellt das Team von Trainer Jos Luhukay einen neuen Punkterekord auf. mehr...

Sonne in Berlin
19.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Montag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Montag, den 20. Mai. mehr...


Die Füchse sind in Europa dabei
11:05Handball
Füchse Berlin spielen nächste Saison in Europa mit

Die Füchse haben sich für den Europacup qualifiziert. Durch den Pokalsieg der Rhein-Neckar Löwen ist den Berlinern ein EHF-Startplatz sicher. Und es gibt noch Chancen auf die Champions League. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Straßenfest

Karneval der Kulturen 2013

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote