01.08.12

Kuba

Der mysteriöse Tod von Oppositionsführer Payá

Oswaldo Payá, Bürgerrechtler und scharfer Kritiker der Machthaber in Havanna ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Anhänger und seine Familie glauben, dass beim Crash nachgeholfen wurde.

Foto: REUTERS
Ofelia Acevedo
Oswaldo Payás Ehefrau Ofelia Acevedo, legt in Havanna eine Rose auf den Sarg ihres verstorbenen Mannes.

Vor der Kirche warten Sicherheitskräfte. Im Gotteshaus selbst haben Anhänger von Oswaldo Payá Sardinas Bilder des verstorbenen Oppositionsführers mitgebracht. Kerzen brennen, Havannas Kardinal Jaime Ortega verliest eine Botschaft von Papst Benedikt XVI. Er nennt den Tod des 60-jährigen Bürgerrechtlers und Trägers des Sacharow-Preises des Europaparlaments einen "tragischen Vorfall". Gut eine Woche ist es her, dass Payá starb. Die Emotionen, die sein unerwartetes Ende aufgewühlt hat" wogen noch immer hoch.

Viele glauben, Kubas Machthaber hätten den unbequemen Kritiker Payá gewaltsam aus dem Weg geräumt. Beweise dafür gibt es bislang keine, aber Indizien, die Zweifel an der offiziellen Version vom Unfalltod wecken. Die Situation ist angespannt. Am Rande der Trauerfeier für Payá klicken Handschellen; rund 50 Oppositionelle werden vorübergehend festgenommen. Der Bürgerrechtler Guillermo Farinas berichtet anschließend, die Polizei habe sie geschlagen.

Payá, Vorsitzender der verbotenen Partei "Christliche Befreiungsbewegung" (MCL), war am 22. Juli auf einer Landstraße außerhalb des ostkubanischen Bayamo mit dem Auto gegen einen Baum geprallt. Im gleichen Fahrzeug saß der MCL-Jugendvorsitzende Harold Cepero Escalante. Auch er starb. Payás Angehörige sind überzeugt, dass jemand seine Finger im Spiel hatte: "Wir glauben, dass es kein Unfall war", sagte Payas Bruder Carlos dem US-Sender CNN.

"Sie wollten meinen Vater töten"

Die Tochter des Verstorbenen, Rosa Maria, wurde noch deutlicher: "Sie wollten meinen Vater töten." Was die Familie stutzig machte: Schon drei Wochen zuvor gab es einen Unfall. Ein Lastwagen rammte in Havanna Payás VW-Bully. Der Kleinbus kippte um; Payá blieb unverletzt. Auch jetzt, sagen die Angehörigen, sei ein anderer Wagen beteiligt gewesen.

Für die kubanischen Behörden gibt es einen Schuldigen am Tod des Regimekritikers. Angel Carromero, Spanier und an jenem Tag am Lenkrad, soll das Unglück durch massiv überhöhte Geschwindigkeit verschuldet haben. Ihm drohen nach kubanischem Strafrecht bis zu zehn Jahre Gefängnis. Mitarbeiter der spanischen Botschaft, so die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, hätten ihren Landsmann bislang nicht persönlich sehen können. Immerhin werde er von einem Anwalt unterstützt.

Diplomatisch brisant ist die Sache allemal: Carromero ist Vizesekretär der Jugendorganisation der kubakritischen konservativen spanischen Volkspartei. Auch Jens Aron Modig, Vorsitzender des schwedischen Christdemokratischen Jugendverbandes, war mit im Auto und überlebte ebenfalls leicht verletzt. Was er über den Unfall weiß, ist weder seiner Familie noch der schwedischen Botschaft genau bekannt. Den Diplomaten wird nach eigenen Angaben der Zugang zu Modig verwehrt. Klar ist nur: Beide Ausländer haben ihre Erklärung des Vorfalls geändert.

Heimliche SMS zwischen Spanier und Schweden

Unmittelbar nach dem Unglück schickten Carromero und Modig SMS-Nachrichten, wonach ein anderer Wagen versucht habe, sie von der Straße zu drängen. Bei einer von kubanischen Behörden organisierten Pressekonferenz erklärten sie hingegen, sich nicht an ein zweites Fahrzeug erinnern zu können.

Die mysteriösen Umstände seines Todes machen Payá noch populärer. Kubas bekannteste Bürgerrechtsgruppierung, die "Frauen in Weiß", widmete ihm ihren sonntäglichen Protestmarsch nach dem Gottesdienst. In den wenigen regierungskritischen Blogs, die auf der Insel zu lesen sind, loben die Autoren Payás Einsatz für die Demokratie. Auch Havannas Kardinal Jaime Ortega würdigte die Verdienste des Verstorbenen. Indirekt rief er zur Fortsetzung der christlich motivierten politischen Arbeit Payás auf: "Die Teilnahme am politischen Leben der Nation ist ein Recht und eine Pflicht für jeden christlichen Laien."

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