01.08.12

Syrien

Amnesty wirft Assad Tötung von Demonstranten vor

Die humanitäre Lage in der syrischen Stadt Aleppo spitzt sich zu. Laut Amnesty International schießen Soldaten selbst auf friedliche Demonstranten. Auch Unbeteiligte und Kinder seien Opfer der Gewalt.

Foto: AFP
Rauch in den Straßen von Aleppo: Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe gegen das Regime von Baschar al-Assad
Rauch in den Straßen von Aleppo: Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe gegen das Regime von Baschar al-Assad

Im Kampf um Aleppo gehen die syrischen Streitkräfte offenbar auch gegen friedliche Demonstranten mit brutaler Gewalt vor. Dutzende junger Männer, aber auch einige Kinder sowie ältere Personen seien von Regierungstruppen oder verbündeten Milizen erschossen worden, teilte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in der Nacht zum Mittwoch mit.

"Einige der Opfer waren Zuschauer, die gar nicht an den Demonstrationen teilgenommen hatten", hieß es in einem neuen Bericht. Die Familien der Toten seien genötigt worden, in Stellungnahmen zu versichern, dass ihre Angehörigen von "bewaffneten terroristischen Gruppen" getötet wurden.

Die humanitäre Lage in der Stadt spitzte sich unterdessen weiter zu. Aktivisten berichteten von schwindenden Lebensmittelvorräten und einer allenfalls noch sporadisch vorhandenen Energieversorgung.

Die seit elf Tagen anhaltenden Gefechte zwischen Regierungstruppen und Rebellen trieben am Dienstag weitere Scharen von Bewohnern in die Flucht. Kampfhubschrauber des Regimes setzten den Beschuss von Rebellenhochburgen unvermindert fort.

Unterschiedliche Darstellungen auf beiden Seiten

In einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Sana hieß es, die Regierungstruppen verfolgten "Überreste einer bewaffneten terroristischen Gruppierung" und hätten diesen schwere Verluste zugefügt. Die Rebellen widersprachen jedoch der Darstellung und berichteten von einzelnen Geländegewinnen in umliegenden Gebieten.

Unterdessen übte der Generalsekretär der Arabischen Liga scharfe Kritik an der Gewalt. "Die Massaker in Aleppo und anderen Orten Syriens kommen Kriegsverbrechen gleich und sind nach internationalem Recht strafbar", erklärte Nabil Elarabi nach einem Treffen im Kairoer Hauptquartier der Liga.

Sorge vor einem Zustrom ausländischer Extremisten

Derweil wuchs im Westen die Sorge vor einem Zustrom ausländischer Extremisten nach Syrien, wie ein mit geheimdienstlichen Ermittlungen vertrauter Diplomat mitteilte. Kämpfer aus Tschetschenien, dem Jemen, Libyen, dem Irak, Afghanistan und Pakistan hätten sich den Rebellen angeschlossen, um gegen das Assad-Regime in den Heiligen Krieg zu ziehen.

Die Extremisten kämen über den Irak und Libanon ins Land. Der Bürgerkrieg in Syrien dürfte sich aus Sicht der meisten Beobachter noch lange hinziehen, sagte der Diplomat weiter.

Quelle: dapd/mcz
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