Vatileaks
Kammerdiener bittet Benedikt XVI. um Verzeihung
In einem persönlichen Brief soll der ehemalige Kammerdiener des Papstes Fehler zugegeben und um Verzeihung für den Raub vertraulicher Dokumente aus den päpstlichen Gemächern gebeten haben.
In der Enthüllungsaffäre "Vatileaks" hat sich der verdächtigte Kammerdiener des Papstes einem Medienbericht zufolge bei Benedikt XVI. entschuldigt und Reue gezeigt. Der aus der Untersuchungshaft in den Hausarrest entlassene Paolo Gabriele habe in seinem persönlichen Brief an den Papst Fehler eingestanden und um Verzeihung gebeten, schreibt der "Corriere della Sera" unter Berufung auf den Verteidiger Gabrieles, Carlo Fusco. Er versichere in dem Brief auch, keine Komplizen gehabt zu haben. Unbestätigte und vom Vatikan heftig dementierte Berichte hatten zuvor von mehreren Helfern gesprochen.
Der Ende Mai festgenommene Gabriele wird verdächtigt, vertrauliche Dokumente aus den päpstlichen Gemächern entwendet zu haben, die dann publik wurden. In den nächsten Tagen soll entschieden werden, ob der Kammerdiener wegen schweren Raubes vor Gericht kommt oder nicht. Wird er schuldig gesprochen, dann droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe.
Seinem Mandanten sei von den Ermittlern keinesfalls vorgehalten worden, Teil eines Plans gemeinsam mit anderen Vertrauten Benedikts gewesen zu sein, erklärte der Anwalt. Sein Brief sei den Kardinälen übergeben worden, die die "Vatileaks"-Affäre untersuchen.
Vatikan missbilligt Medienberichte zu Enthüllungen
Am Vortag hatte der Vatikan seine "tiefe Missbilligung" mehrerer Medienberichte zum Ausdruck gebracht, die Vertraute von Papst Benedikt XVI., seine Sekretärin Ingrid Stampa und zwei Kardinäle, mit dem Enthüllungsskandal im Vatikan in Verbindung gebracht hatten. In einer am Montag im Radio Vatikan verbreiteten Erklärung dementierte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi Berichte unter anderem der Zeitung "La Repubblica", die drei hätten in der sogenannten Vatileaks-Affäre, die seit Wochen den Vatikan erschüttert, etwas mit der Weitergabe heikler Dokumente an die Öffentlichkeit zu tun.
Lombardi erklärte, dass eine Befragung durch die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission noch niemanden zum Verdächtigen mache. Die drei Personen seien auch nicht "von ihren Aufgaben entbunden" worden, wie es in den Medienberichten hieß. Auch die Sekretärin des Papstes, Stampa, wehrte sich in einer Erklärung gegen die "schwerwiegenden Verdächtigungen einer Mittäterschaft von Seiten einiger Vertrauter des Papstes".
In den vergangenen Monaten waren immer wieder interne Dokumente aus dem Vatikan an italienische Medien weitergegeben worden, in denen es unter anderem um Korruption, Geldwäsche und Kindesmissbrauch ging.
Die vom Papst eingesetzte Kommission aus Kardinälen, die den Enthüllungsskandal untersuchen sollte, hat ihre Befragungen inzwischen abgeschlossen und Benedikt XVI. am Wochenende einen Bericht vorgelegt. Zum Inhalt des Berichts wurde bislang aber noch nichts bekannt gegeben.















