20.07.12

Nach Kirchenauftritt

Pussy Riot müssen noch Monate lang in U-Haft bleiben

Ein Gericht hat die U-Haft für die Putin-kritische Frauenband Pussy Riot bis Anfang 2013 verlängert. Amnesty International protestiert.

Foto: DPA

Jekaterina Samutsewitch, eines von drei angeklagten Mitgliedern der Punk-Band "Pussy Riot", muss während der Verhandlung in einem Gitterkäfig sitzen.

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Zum Auftakt des Prozesses gegen drei Mitglieder der regierungskritischen Frauen-Punkband Pussy Riot hat ein russisches Gericht die Untersuchungshaft um ein halbes Jahr verlängert. Die seit März inhaftierten Musikerinnen blieben auf Antrag der Staatsanwaltschaft bis Januar 2013 in Haft, sagte eine Gerichtssprecherin am Freitag. Ihnen drohen wegen eines "Punk-Gebets" gegen Präsident Wladimir Putin bis zu sieben Jahre Haft.

Der 22-jährigen Nadeschda Tolokonnikowa, der 29 Jahre alten Jekaterina Samuzewitsch und der 24-jährigen Marina Alechina wird "Rowdytum" vorgeworfen. Obwohl sie seit mehr als vier Monaten in Untersuchungshaft sitzen, wurden sie am Freitag erstmals einem Gericht vorgeführt. Dabei wurden sie in den für Angeklagte in Russland vorgesehenen Käfig gesperrt. Vor dem Gerichtssaal spielten sich tumultartige Szenen ab, weil unzählige Journalisten sich in den Gängen drängten. Vor dem Gerichtsgebäude forderten Dutzende Demonstranten die Freilassung des Trios. "Russland wird zu einem totalitären Staat", klagte Stanislaw Samuzewitsch, der Vater einer der Angeklagten.

"Politischer Prozess"

Ursprünglich war erwartet worden, dass das Gericht den Termin für den formellen Beginn der Verhandlungen festsetzt und entscheidet, ob diese öffentlich oder hinter verschlossenen Türen stattfinden. Letztlich gab das Gericht nur dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Verlängerung der Untersuchungshaft bis zum 12. Januar 2013 statt, wie Sprecherin Darja Ljach mitteilte. Die nächste Anhörung sei auf nächsten Montag angesetzt worden.

"Das ist ein politischer Prozess", sagte einer der Anwälte der Band, Mark Feigin. Er warf den Behörden vor, die Gruppe aus politischen Motiven zu unterdrücken. Ihr Fall wird vor demselben Gericht im Stadtteil Chamowniki verhandelt wie im Jahr 2010 der zweite Prozess gegen den Ex-Ölmagnaten und Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski. Seine Haftstrafe war damals bis 2016 verlängert worden. Er sah politische Gründe hinter der Verurteilung.

Die Punkband Pussy Riot hatte im Februar in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau ein "Punk-Gebet" gegen Putin gesungen, der damals als Ministerpräsident vor seiner Rückkehr in den Kreml stand. Darin hieß es: "Maria, Mutter Gottes – verjage Putin!" Die Band hatte in den vergangenen Monaten mehrere spontane Protestkonzerte abgehalten, unter anderem auf dem Roten Platz. Die Inhaftierung der Band-Mitglieder ist höchst umstritten. Mehr als hundert russische Schauspieler, Regisseure und Musiker forderten vergangenen Monat ihre Freilassung. Amnesty International erklärte, ihre Protestaktion erfülle "allenfalls den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit". Es sehe so aus, als solle an den Musikerinnen ein Exempel statuiert werden. AFP

Im Käfig Erstmals standen die Mitglieder von Pussy Riot vor Gericht dapd/Misha Japaridze

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