19.07.12

Anschlag

Israel will mit dem Iran "die Rechnung begleichen"

Nach dem Anschlag auf israelische Touristen in Bulgarien hat Israel seine Rhetorik gegenüber dem Iran verschärft

Quelle: Reuters
19.07.12 2:33 min.
Die Hinweise auf einen Selbstmordanschlag auf einen Bus in Bulgarien verdichten sich. Das sagte der bulgarische Innenminister am Donnerstag. Israel macht den Iran für den Anschlag verantwortlich.

Israel hat nach dem blutigen Selbstmordanschlag auf Landsleute in Bulgarien dem Iran gedroht. Izchak Aharonowitsch, Minister für Innere Sicherheit, sagte am Donnerstag, es bestehe "kein Zweifel" daran, dass der Iran hinter der Tat am Flughafen der Schwarzmeerstadt Burgas stehe. Man werde mit den Verantwortlichen "die Rechnung begleichen", sagte er laut der israelischen Nachrichtenseite ynet. Bei dem Anschlag am Flughafen von Burgas waren sieben Menschen getötet und mehr als 30 verletzt worden.

Aus Teheran kam hingegen ein scharfes Dementi. Im iranischen Staatsfernsehen hieß es, die Vorwürfe Israels seien "lächerlich" und nur darauf bedacht, Stimmung gegen den Iran zu machen. Auch die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Organisation im Libanon nannte die Vorwürfe aus Jerusalem in einer offiziellen Reaktion lächerlich.

Bei dem Anschlag seien insgesamt fünf Israelis, ein bulgarischer Busfahrer sowie der mutmaßliche Selbstmordattentäter getötet worden, sagte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman. Nach seiner Darstellung hat Israel "zuverlässige Informationen" über die Drahtzieher der blutigen Tat. "Hisbollah steht hinter dem Anschlag, in enger Zusammenarbeit mit den iranischen Revolutionsgarden", sagte Lieberman dem Rundfunk. Beweise dafür hat die Regierung bislang nicht öffentlich gemacht.

Attentäter hatte gefälschte US-Ausweise

Die Mitglieder der israelischen Reisegruppe waren am Mittwoch kurz vor dem Selbstmordanschlag auf dem Flughafen des beliebten Touristenortes gelandet. Sicherheitskameras hätten einen langhaarigen Mann in Sportkleidung aufgenommen, der sich vor der Explosion etwa eine Stunde lang am Ort des Anschlags aufgehalten habe, berichtete die bulgarische Nachrichtenagentur Novinite. Seine Leiche habe schwerste Verletzungen aufgewiesen. Er habe gefälschte US-Ausweise bei sich gehabt. Die bulgarischen Behörden gingen daher davon aus, dass es sich bei dem Mann um den Selbstmordattentäter handelte.

Bei der Explosion wurden auch 37 Menschen verletzt, davon drei lebensgefährlich. Die Schwerverletzten wurden zunächst in einem Militärflugzeug in ein Krankenhaus in der etwa 400 Kilometer entfernten Hauptstadt Sofia gebracht. Ein israelisches Militärflugzeug flog am Donnerstag von Burgas mit mehr als 30 verletzten Israelis an Bord in Richtung Heimat, wie die Armee mitteilte.

Außenminister Westerwelle "entsetzt und bestürzt"

Auch der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sagte dem Rundfunk, für den Anschlag seien Mitglieder der libanesischen Hisbollah-Miliz verantwortlich. Den Auftrag hätten sie von Israels Erzfeind Iran erhalten.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) reagierte "entsetzt und bestürzt" auf die Nachrichten aus Burgas. "Ich verurteile den tödlichen Anschlag auf israelische Touristen in Bulgarien auf das Schärfste. Die Täter müssen gefunden und für diese schreckliche Tat zur Rechenschaft gezogen werden", erklärte Westerwelle in Berlin.

Auch Israels Verbündeter USA verurteilte den Anschlag. Präsident Barack Obama sprach Netanjahu am Telefon sein Beileid aus. Zugleich sagte Regierungssprecher Jay Carney, Obama habe den "abscheulichen Angriff, der unschuldige Israelis und Bulgaren getötet und verletzt hat", scharf verurteilt.

"Terrorismus in all seinen Formen kann niemals hingenommen oder gerechtfertigt werden", erklärte auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel. Zuvor hatte bereits die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton die Tat verdammt: "Ich bin zutiefst schockiert über die Szenen am Flughafen von Burgas(...)."

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