17.07.12

Damaskus

Assads Armee setzt Helikopter und Panzer gegen Rebellen ein

Die Kämpfe in Damaskus weiten sich offenbar aus. Die Armee soll Teile der Stadt mit Kampfhubschraubern unter Beschuss genommen haben.

Foto: DPA
Unrest Damascus
Die syrischen Streitkräfte haben in Damaskus offenbar Kampfhubschrauber eingesetzt

Die syrischen Streitkräfte haben bei Gefechten gegen Rebellen in der Hauptstadt Damaskus nach Angaben von Aktivisten Kampfhubschrauber eingesetzt. Bei Kämpfen in den Bezirken Kadam und Hadschar al Aswad in der Nacht auf Dienstag hätten die Hubschrauber mit schweren Maschinengewehren gefeuert, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Nach dreitägigen schweren Gefechten sei es am Dienstag in Damaskus zunächst ruhig gewesen. Die amtliche syrische Nachrichtenagentur berichtete am Dienstag, syrische Truppen seien weiterhin auf der Jagd nach "terroristischen Elementen" in der Hauptstadt. "Syrische Truppen versuchen mit Hilfe von Panzern, das Viertel Al-Tadamon zu stürmen", sagte der Aktivist Haytham al-Abdallah aus Damaskus am Dienstag.

Auf dem Platz Sabaa Bahrat, wo die syrische Zentralbank ihren Sitz hat, wurde demnach mit Schnellfeuerwaffen geschossen. Die Augenzeugen sagten, Mitglieder der Sicherheitskräfte seien mit Kalaschnikows in der Hand über den Platz gerannt. Auch auf der nahegelegenen Bagdadstraße wurde demnach geschossen.

Wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London mitteilte, nahm die Armee in der Nacht auch das Viertel Kabun im Osten der Stadt unter Beschuss. Im Viertel Midan nahe dem Stadtzentrum schlugen demnach Mörsergranaten ein. Gefechte gab es den Angaben zufolge auch in den Stadtteilen Assali, Hadschar und al-Aswad.

Die Aufständischen brachten nach Angaben der Beobachtungsstelle unterdessen auch die Stadt Talbisse an der Grenze zum Libanon unter ihre Kontrolle. Sie kontrollierten mittlerweile alle Posten der Sicherheitskräfte in der Stadt, die zuvor lange unter Beschuss gestanden hatte.

Zuvor hatten die Aufständischen in Syrien eine landesweite Offensive ausgerufen. Die Kommandozentrale der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) in Homs rief zu Angriffen auf alle Sitze der Sicherheitskräfte auf. In Damaskus wird bereits seit Sonntag gekämpft. Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden am Montag landesweit fast 150 Menschen getötet, darunter mehr als 80 Zivilisten. Mit 33 toten Zivilisten gab es die meisten Opfer in der Protesthochburg Hama.

Syrisches Konsulat in Kasachstan teilweise abgebrannt

Das syrische Konsulat in Kasachstan ist unterdessen einem Medienbericht zufolge von Unbekannten mit Molotow-Cocktails attackiert worden und teilweise abgebrannt. Wie der örtliche Fernsehsender KTK am Dienstag berichtete, wurden die zweite und dritte Etage von Syriens einziger diplomatischer Vertretung in dem zentralasiatischen Land zerstört.

"Das dritte Stockwerk ist komplett verschwunden, komplett, da ist nichts von übrig", sagte ein Mitarbeiter des Konsulats in Almaty dem Sender. Das Botschaftspersonal vermutet demnach, dass die Angreifer Molotow-Cocktails auf das Konsulat geworfen und es so entzündet haben. Die Mitarbeiter gingen KTK zufolge von einer Verbindung zum Konflikt in Syrien aus, wo nach Angaben der Opposition seit März 2011 mehr als 17.000 Menschen getötet wurden.

Der ehemalige syrische Botschafter im Irak, Nawaf Fares, hält einen Einsatz von Chemiewaffen gegen die Opposition für möglich. Unbestätigten Berichten zufolge seien solche Waffen in der Stadt Homs bereits anwendet worden, sagte Fares dem britischen Rundfunksender BBC. Außerdem erklärte er, die Regierung von Präsident Baschar Assad habe Bombenangriffe in Abstimmung mit der Al-Kaida organisiert.

Auf die Frage, ob Assad Chemiewaffen einsetzen könnte, sagte Fares der BBC in Katar: "Es gibt Informationen, unbestätigte Informationen natürlich, dass chemische Waffen in der Stadt Homs teilweise eingesetzt wurden." Assad gebärde sich wie ein verwundetes Tier, das in die Ecke gedrängt worden sei.

Politiker sagte sich von Assad los

Überraschend war Fares' Äußerung, wonach sunnitische Mitglieder der Al-Kaida mit dem Regime kooperieren, das von der Minderheit der Alawiten dominiert wird. Es gebe genügend Beweise in der Geschichte, dass Feinde bei gemeinsamen Interessen zusammenarbeiteten, erklärte er. Die Al-Kaida suche Bewegungsmöglichkeiten und Unterstützung, während die Regierung das syrische Volk terrorisieren wolle.

Fares ist der prominenteste Politiker, der sich seit Beginn des Aufstands von Assad losgesagt hat. Er hatte führende Positionen in der Baath-Partei und bei den Geheimdiensten inne und war Gouverneur in mehreren Provinzen. Fares hatte Assad in der vergangenen Woche die Gefolgschaft gekündigt und angekündigt, er wolle künftig die Opposition unterstützen.

Quelle: AFP/dapd/dpa/nbo
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