Niederlande
Die Einsamkeit des blondierten Populisten Wilders
In den Niederlanden laufen Geert Wilders vor den Neuwahlen im September die Anhänger davon. Der autokratische Führungsstil des Islamhassers schlägt immer mehr Mitglieder seiner Partei in die Flucht.
Wenn Geert Wilders in einer Sendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens Rede und Antwort steht, dann muss seine Not wirklich groß sein. Sonst lässt sich kaum erklären, warum der blondierte Anführer der rechtspopulistischen PVV ausgerechnet seinen Erzfeinden ein Interview gewährt. Bekanntermaßen hasst er den gebührenfinanzierte Rundfunk, den er als einen Hort der Linken ansieht.
Was Wilders antreibt, ist die Sorge um die schwindende Anhängerzahl seiner Partei, deren Zerfall der umstrittene Politiker unbedingt vermeiden will. Vor Augen dürfte ihm dabei das Beispiel der Liste Pim Fortuyn stehen, die einst mit ähnlichen Zielen wie die PVV angetreten war. Nach der Ermordung ihres Spitzenkandidaten vor zehn Jahren offenbarten sich die tiefen Risse, die das Bündnis des Islamhassers Fortuyn durchzogen.
Geert Wilders scheint die Zersetzungskraft, die eine heterogene Gruppe entwickeln kann, zu fürchten und scheint deshalb auf absolute Kontrolle zu setzen. Ob das jedoch der Weg ist, seine Partei zusammenzuhalten, scheint fraglich. Immer mehr PVV-Mitglieder klagen in letzter Zeit über die absolutistische Dominanz von Wilders, der demokratische Prozesse in seiner Partei nicht dulden will. Und die Alleinherrschaft hat Folgen: Aus Frust laufen immer mehr Abgeordnete nicht nur auf kommunaler Ebene, sondern auch im Haager Parlament davon.
Einmann-Fraktion im Haager Parlament
Einer der bekanntesten PVV-Flüchtlinge ist Hero Brinkman. Der ehemalige Polizist galt wegen seiner großen Beliebtheit bei den Wählern immer als die Nummer zwei in der Partei und nur deshalb hat Wilders dessen Treiben wohl so lange toleriert. Brinkman wollte die islamkritische Partei demokratisieren, immer wieder sprach er sich für weniger einseitige Stellungnahmen gegen die Muslime aus. Öffentlich kritisierte er auch die umstrittene Meldestelle für Gastarbeiter aus Osteuropa, die Wilders ersann.
Dann wurde es ihm offenbar zu bunt, Brinkman kehrte der PVV den Rücken und verblieb als Einmann-Fraktion im Haager Parlament. Damit stürzte er die liberal-konservative Regierung von Premier Mark Rutte, die von Wilders toleriert wurde, in eine Krise.
In der vergangenen Woche taten es ihm drei Abgeordnete gleich und traten ebenfalls aus der Fraktion aus. Für noch mehr Schwund sorgt Geert Wilders selbst, in dem er drei weiteren Abgeordneten vor den anstehenden Neuwahlen im September den sicheren Listenplatz entzog. Es wird vermutet, dies könnte mit diversen Verurteilungen jener Politiker zu tun haben, die der PVV bei den Wahlen ein Imageproblem bescheren könnten.
Auch inhaltlich orientiert sich der Frontmann neu. Statt zum Kampf gegen den Islam aufzurufen, macht Wilders nun Stimmung gegen den Euro. Mit niederländischem Steuergeld wird kein zahlungsunfähiges Land aus Südeuropa gerettet, wenn es nach dem Rechtspopulisten geht. Den von den Regierungschefs der Euroländer beschlossene Rettungsschirm ESM nennt er ein 'Diktat aus Brüssel'. Er plädiert für die Wiedereinführung des holländischen Guldens. Dem griechischen Botschafter im Haager Diplomatenviertel hat er symbolisch und vor laufenden Kameras schon mal einige Drachmen geschenkt.
Ein Verein, dessen einziges Mitglied Geert Wilders heißt
Wilders will nicht, dass die reichen Niederländer für die ärmeren Mittelmeerländer bürgen müssen. Er hat verstanden, dass sich die holländischen Wähler darum große Sorgen machen. Auch deshalb hat die PVV eine Studie in Auftrag gegeben, die herausfinden soll, inwiefern die Niederlande tatsächlich vom Euro profitiert haben.
Wenn es jedoch um die Finanzen seiner eigenen Partei geht, da schweigt der sonst so sprachgewaltige Limburger aus der Grenzstadt Venlo. Im Grunde ist die PVV gar keine politische Partei, sondern ein Verein, dessen einziges Mitglied Geert Wilders heißt. Das ist in Holland erlaubt, und so muss der 48-Jährige seine Geldgeber nicht nennen.
Über die Finanzierung des Vereins ist jüngst viel spekuliert worden. Brinkman erzählte Journalisten, dass Geert Wilders Koffer voller Geld aus Amerika in Empfang nehme. ,,Es ging um hunderttausende Euros. Wilders sagte, dass es in einem Fall 75.000 um Dollar Bargeld ging", so Brinkman. Das neokonservative David Horowitz Freedom Center organisierte zum Beispiel eine Spendengala für Wilders. Auch die Islamkritiker Daniel Pipes und Robert Spencer sind bekannt dafür, Geld für Wilders einzutreiben.
Die Zeitschrift "Vrij Nederland" wusste zu berichten, dass Wilders, der als junger Student im Kibbuz gearbeitet hatte und als bedingungsloser Freund Israels gilt, viel Geld von jüdischen Organisationen aus den Vereinigten Staaten empfängt. In den Rechenschaftsberichten seiner Partei ist davon allerdings nichts zu lesen.
Brinkman sagt, dass Teile der PVV einen Krieg mit Iran befürworteten, "weil das im Interesse unserer Geldgeber ist". Der Abweichler begründet seine Offenheit mit der Furcht, in seiner Heimat könnten ausländische Gruppierungen zu viel Einfluss bekommen: ,,Eine niederländische Partei muss dem niederländischen Interesse dienen, und nicht jenem Israels oder der USA."















