01.07.12

Kampfjet F4

Zweifel an türkischer Version des Fliegerabschusses

Bei den Verbündeten der Türkei sind viele Fragen zum Abschuss des Kampfjets offen. Die heftige türkische Reaktion könnte dem Zweck dienen, eigene Fehlentscheidungen beim Einsatz der F4 zu kaschieren.

Foto: DPA
Türkischer Phantom F4 Jet
Ein türkischer Kampfjet (Archivbild). Die abgeschossene Maschine könnte anders als von der Türkei dargestellt so nahe am syrischen Flugraum verweilt sein, um die Abwehr zu testen

Eine gute Woche ist es nun her, dass ein türkisches Kampfflugzeug von der syrischen Flugabwehr abgeschossen wurde. Seither wurde eine Nato-Krisensitzung einberufen, verlegte die Türkei zusätzliche Panzer, Artillerie und Flugabwehrraketen an die Grenze, marschierten auf der anderen Seite syrische Truppen auf. Die Türkei hat den Abschuss "in internationalen Gewässern" einen "feindseligen Akt" genannt und lautstark Vergeltung angekündigt.

Aber stimmt es? Die Syrer, die es nicht wagen dürfen, die Türkei feindseliger Akte zu bezichtigen, obwohl im türkischen Antakya und mit türkischer Ermutigung das Nervenzentrum der "Freien Syrischen Armee" den Kampf der Rebellen gegen die syrische Regierung organisiert, hatten angegeben, das Flugzeug sei weit innerhalb des syrischen Luftraums von einem konventionellen Flakgeschütz mit nur 2,5 Kilometer Reichweite getroffen worden.

Kein Hinweis für Wahrhaftigkeit der türkischen Angaben

Im Westen wächst der Zweifel an der Wahrhaftigkeit der türkischen Behauptungen. Gleich drei Presseberichte in angelsächsischen Medien stellten in den letzten Tagen drei verschiedene Aspekte der türkischen Verlautbarungen in Frage.

Das "Wall Street Journal" zitierte "hochrangige amerikanische Geheimdienstkreise" mit der Feststellung, es gebe keinen Hinweis für die Wahrhaftigkeit der türkischen Darstellung; vielmehr deuteten alle Erkenntnisse auf amerikanischer Seite darauf hin, dass das Flugzeug tatsächlich sehr nahe an der Küste von einer Flakkanone getroffen worden sei. Das bedeute, dass der Jet sehr langsam und tief geflogen sei.

In einem Bericht der International Herald Tribune wurden mehrere amerikanische und "verbündete" Offizielle dahingehend zitiert, dass die Darstellung der Türkei fragwürdig sei, die Mission des Flugzeugs sei nicht gegen Syrien gerichtet gewesen.

Warum die F4 so lange so nahe am syrischen Flugraum verweilte, angesichts der Spannungen zwischen beiden Ländern, und ob es in Wirklichkeit nicht um einen Versuch gegangen sei, die Reaktionen der syrischen Luftabwehr zu testen, das seien offene Fragen, denen man nachgehe, hieß es im Bericht. Aber auf der politischen Ebene wolle man "die Darstellung eines Nato-Verbündeten nicht anzweifeln".

Türken drangen bei Nato auf Militäraktion

Die Nato hatte den Abschuss am Dienstag verurteilt, nachdem die Türkei eine Krisensitzung nach Artikel 4 der Nato-Charta beantragt hatte. Der Artikel bezieht sich auf "Konsultationen" in einer Krisensituation. Aber im Vorfeld hatte der türkische Vizepremier Bülent Arinc von der Möglichkeit gesprochen, die Türkei könne auch "Artikel 5" ins Spiel bringen, also eine militärische Reaktion im Bündnisfall.

Das hatte er rasch zurückgezogen, und es blieb auch tatsächlich bei "Konsultationen". Ein Bericht des britischen "Guardian" zitierte aber kürzlich namentlich nicht genannte Nato-Kreise mit der Angabe, die Türken hätten sehr wohl versucht, auf der Sitzung eine Militäraktion in die Diskussion zu bringen. Sie hätten "ohne vorherige Absprache" plötzlich über die Einführung einer Flugverbotszone über Syrien reden wollen, hieß es im Bericht. Sie seien damit aber erfolglos geblieben.

Im Licht dieser Berichte stellt sich die Frage, ob die verbal laute türkische Reaktion – der bislang auf dem Boden kaum Taten folgten – nicht vor allem dazu dienen soll, erhebliche Fehlentscheidungen beim Einsatz der F4 zu kaschieren.

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