26.06.12

Gad Beck gestorben

Er war Jude und schwul und Widerstandskämpfer

Gad Beck entkam den Deportationen der Nazis und unterstützte Untergetauchte. Später ging er nach Israel und kämpfte für die Rechte der Schwulen. Jetzt ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.

Foto: gad-beck.de
Gad Beck
Seit 1941 im Untergrund aktiv: Gad Beck (1923-2012)

"Und enger wurde unser Bund, als Karlos überall Gefallen fand" – der Satz steht in einem Notizbuch, das Gad Beck 1999 dem Holocaust Museum in Washington überließ. Das Heft trägt den Titel "Erinnerst Du Dich" und ist Gad Beck gewidmet – von seinem Geliebten Manfred Lewin, der 1943 nach Auschwitz transportiert worden war und dort mit seiner Familie umgebracht wurde.

Gerhard Beck – wie Gad Beck ursprünglich hieß – und Lewin hatten sich über eine Aufführung von Friedrich Schillers "Don Karlos" kennen und lieben gelernt. Das Drama, das dem Kampf um die Freiheit gewidmet ist, gab den Takt ihres Lebens vor. Die beiden jungen Juden in Berlin, ausgegrenzt und stigmatisiert vom NS-Regime, schlossen sich der "Hechaluz" an, die im Untergrund für die jüdische Besiedlung Palästinas arbeitete und auch sonst im Widerstand aktiv war.

Gerettet in der Rosenstraße

Im Zuge der "Fabrikation" 1943 wurde Beck als "jüdischer Mischling" zusammen mit seiner Zwillingsschwester Margot und seinem Vater im Sammellager in der Berliner Rosenstraße inhaftiert. Dank der Proteste der Frauen in der Rosenstraße wurden die Gefangenen wieder freigelassen. Vergeblich versuchte Beck noch, Lewin zu retten. Nur das Notizbuch blieb ihm.

Anschließend gründete er die Gruppe "Chug Chaluzi", zu der auch der spätere Quizmaster Hans Rosenberg gehörte und die sich um die Versorgung von untergetauchten Juden kümmerte. Kurz vor Kriegsende wurde die Gruppe verhaftet, konnte aber von der Roten Armee aus dem Jüdischen Krankenhaus befreit werden.

1947 wanderte Beck nach Palästina aus. Er kehrte 1979 nach Berlin zurück und übernahm die Leitung der Jüdischen Volkshochschule. 1995 veröffentlichte er seine Erinnerungen "Und Gad ging zu David". Immer wieder trat er für die Rechte von Homosexuellen ein. Mit einer israelischen Flagge beteiligte er sich auch an der Parade zum Christopher Street Day.

"Freiheit des Erzählens"

Carsten Does und Robin Cackett haben in ihrem Dokumentarspiel "Freiheit des Erzählens" 2006 das Leben von Gad Beck in Zusammenarbeit mit diesem nachgezeichnet. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass manche von Becks Erinnerungen das Bedürfnis der Zuhörerschaft erfüllen wollen, "auf der Suche nach dem Dramatisch-Spektakulären ... Geschichte auf besondere Weise erzählt" zu bekommen.

Gleichwohl steht Gad Beck für einen lange vergessenen Zweig des Widerstands gegen das NS-Regime. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist er am Sonntag kurz vor seinem 89. Geburtstag in einem Berliner Altersheim gestorben.

Quelle: bas
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