23.06.12

"Royal Dragon"

Rollschuhkellner in Bangkoks Riesenrestaurant

Hier kann man sich verfahren: Das Restaurant "Royal Dragon" in Bangkok ist so riesig wie eine Kleinstadt – die Kellner servieren den Gästen die Speisen auf Rollschuhen.

Von Kolja Nolte
Foto: royal-dragon.com

Die Kellner auf Rollschuhen im Restaurant „Royal Dragon“ in Bangkok
Die Kellner auf Rollschuhen im Restaurant "Royal Dragon" in Bangkok

Das Kostüm steht Jom wie eine zweite Haut. Es geht ihm bis zu den Knöcheln, die Ärmel weit, auf der Brust und an den Armen sind chinesische Drachen aufgestickt. Während er im fahlen Licht vor dem großen Spiegel in der Garderobe sitzt, zieht er ein letztes Mal behutsam seinen Lippenstift nach. Dann schlüpft er in seine Rollschuhe.

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, Jom sei ein Darsteller der asiatischen Version des Musicals "Starlight Express". Aber Jom ist kein Darsteller, sondern Kellner im "Royal Dragon". Und das "Royal Dragon" wiederum ist eines der größten Restaurants der Welt, was den 28-Jährigen dann irgendwie doch wieder zu einem Darsteller macht.

Denn es ist so groß, dass die Kellner den bis zu 300 Meter langen Weg von der Küche bis zum Essbereich nicht zu Fuß zurücklegen, sondern auf Rollschuhen fahren.

Das Restaurant ist so große wie eine Kleinstadt

Seit sechs Jahren arbeitet der Transvestit im "Royal Dragon" im Bangkoker Stadtteil Bang Na, rund 6000 Kilometer hat er seitdem auf seinen acht Rollen zurückgelegt. Was seit der Eröffnung 1991 ganz pragmatische Gründe hatte, ist mittlerweile zum Markenzeichen des Rollschuhrestaurants geworden. Das andere Markenzeichen, das ist die Größe: Es ist so riesig wie eine Kleinstadt.

Allein der Servicebereich umfasst eine Fläche von 16.000 Quadratmetern und ist auf einem künstlich angelegten See gebaut. Drum herum befinden sich insgesamt 23 private Räume, die mit Klimaanlage und Karaoke-System ausgestattet sind.

Dazu kommen öffentliche Essbereiche im zweiten Stock, es gibt mehrere Pavillons und sogar einen eigenen Hochzeitssaal. Alles in allem finden bis zu 5000 Gäste in diesem Rekordrestaurant Platz.

Die 740 Quadratmeter große Küche ist aufgeteilt in die Kochrichtungen Chinesisch, Koreanisch, Japanisch und natürlich Thai. 82 Köche und Küchenhilfen arbeiten hier, die mithilfe von 24.533 Tellern und 17.282 Gabeln und Messern eines der 400 verschiedenen Gerichte zubereiten – zu Spitzenzeiten sogar bis zu 3000 Portionen stündlich.

Solche Zahlen beeindruckten auch die Juroren des "Guinnessbuchs der Rekorde", sie nahmen das "Royal Dragon" 1992 als größtes Restaurant der Welt auf.

Stolz auf den Titel

Darauf ist das Riesenrestaurant bis heute stolz: Im Eingangsbereich, in der Broschüre und auf der Website wird noch immer der Rekord gezeigt, obwohl veraltet – seit 2008 ist das mit 6000 Sitzplätzen ausgestattete "Damascus Gate" in Syrien weltgrößtes Restaurant und das "Royal Dragon" nur noch auf dem zweiten Platz.

Die Glasvitrine im Eingangsbereich ist mit weiteren Auszeichnungen gefüllt. 1993 zeichnete die Asian Fisheries Society das "Royal Dragon" als Restaurant mit der größten Auswahl an Meeresfrüchten weltweit aus. Nicht ohne Grund: Bei der letzten Zählung 1995 verbrauchte das Restaurant fast eine Tonne Meeresfrüchte – pro Tag.

Dass es aber im "Mang Gorn Luang", so der thailändische Name, um mehr geht als nur ums Essen, wird spätestens am frühen Abend klar.

Dschungelhafte Trommeln setzen um 18.30 Uhr ein, ein Sprecher kündigt zuerst auf Thai, dann auf Chinesisch, Englisch und schließlich Koreanisch den Höhepunkt an.

Eine kleine Flamme flammt hoch oben in der Ferne auf, und plötzlich fliegt Jom in seinem Kostüm an einer Seilbahn einmal quer über das Restaurant, in der rechten Hand einen dampfenden Topf haltend. Am anderen Ende angekommen, nimmt ihm ein Rollschuhkellner die Bestellung ab, und Jom fliegt wieder zurück.

Abwechslungsreiches Showprogramm

Das Ganze ist Teil des Unterhaltungsprogramms und wiederholt sich jeden Abend um 19.30, 20 und 21.30 Uhr. "Wir wollen nicht einfach nur ein großes Restaurant sein", erklärt Restaurantmanager Siriporn Rattawut die Geschäftsphilosophie. "Wir wollen den Gästen auch eine einmalige Show bieten." Traditionelle Thai-Tänze auf einer Bühne direkt zwischen den beiden Essbereichen ergänzen das Showprogramm.

Sobald aber ein Restaurant mehr Sehenswürdigkeit ist als Restaurant, wird es auch für den Pauschaltourismus interessant. Und so sind es vor allem Reisegruppen aus China und Südkorea, die ein wenig am Charme des originellen Ensembles kratzen.

Gleich mehrere Reiseveranstalter haben das "Royal Dragon" inzwischen fest im Programm, im Stundentakt fahren Reisebusse auf dem asphaltierten Parkplatz vor.

Die sind aber in der Regel genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen sind: "Besonders Chinesen lassen sich nicht sehr viel Zeit beim Essen", erklärt Rattawut. "Sobald sie aufgegessen haben, gehen sie meistens gleich wieder."

Besonders beliebt ist das "Royal Dragon" auch für größere Geschäftsessen, Hochzeiten oder auch Geburtstage. Wer das nötige Kleingeld hat, kann sich den 1300 Sitzplätze großen Open-Air-Bereich mieten – oder direkt die ganze Anlage mit Riesenshow: Feuerwerk, Beleuchtung, Soundsystem und Bühnenprogramm.

Eine Form der öffentlichen Unterhaltung, die zu Jom und seinem Showtalent gut passt. Obwohl Transvestiten von der thailändischen Gesellschaft akzeptiert werden, ist es für sie dennoch nicht leicht, eine geregelte Arbeit zu finden. Zu groß die Sorge von Unternehmen, der manchmal auffällige Look könnte Gäste oder Kunden abschrecken.

17.282 Messer und Gabeln waschen vor dem Feierabend

So enden nicht wenige der "Ladyboys" in berüchtigten Rotlichtmilieus wie Bangkoks Patpong 2 oder der Walking Street in Pattaya – oder aber wie Jom im "Royal Dragon". "Das Restaurant ist nicht nur bloß Kellnern, sondern auch Show", sagt Jom, der es liebt, im Mittelpunkt zu stehen: "Für mich die perfekte Mischung."

Um 2 Uhr hat auch der letzte Gast sein Glas geleert, die Lichter gehen aus, es ist Feierabend im "Royal Dragon". Nur einer kann noch nicht nach Hause: Jom. 17.282 Messer und Gabeln waschen sich schließlich nicht von allein.

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  • Anfahrt

    Der einfachste Weg: Mit dem Taxi direkt zum Royal Dragon Restaurant. Der günstigste: Mit der BTS Skytrain zur Haltestelle Udom Suk und von da aus drei Haltestellen mit der Buslinie 46. Das Restaurant liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

  • Restaurant

    Royal Dragon Restaurant, 35/222 Moo 4, Bang Na Trad Road, Bangkok, täglich geöffnet; Montag bis Donnerstag 11 Uhr bis 14 Uhr, 17 Uhr bis 2 Uhr morgens, Freitag bis Sonntag durchgehend von 11 Uhr bis 2 Uhr früh www.royal-dragon.com

  • Auskunft

    Thailändisches Fremdenverkehrsamt, Telefon 069/138 13 90, www.thailandtourismus.de

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