Adrian Nastase
Rumäniens Ex-Premier – Rätsel um Suizidversuch
Was steckt hinter dem spektakulären Selbstmordversuch des rumänischen Ex-Premiers? Adrian Nastase war zu zwei Jahren Haft verurteilt worden, dürfte aber ohnehin nur einen Bruchteil davon verbüßen.
Die Gesetzeshüter verhinderten Schlimmeres. Rumäniens Ex-Premier Adrian Nastase hatte die 9-mm-Pistole auf sich selbst gerichtet und nur weil ein Polizist eingriff, verfehlte die Kugel die Halsschlagader.
Der Grund für den missglückten Selbstmordversuch: Zwei Tage vor seinem 62. Geburtstag war der langjährige Chef der sozialdemokratischen Partei PSD vom Obersten Gerichtshof wegen illegaler Parteienfinanzierung in letzter Instanz zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden.
Wenige Stunden nach dem Spruch hatten zwei Justizbeamte Nastase zuhause aufgesucht, um ihm das Urteil offiziell zuzustellen und ihn zur Verbüßung seiner Strafe abzuholen. Der Juraprofessor bat darum, noch einige Bücher mitnehmen zu dürfen. Dann versuchte er plötzlich, sich zu erschießen.
Mit Verletzungen an Hals und Schulter wurde der einst mächtigste Mann des Karpaten-Staates vor laufender Kamera kurz vor Mitternacht in ein Notfallkrankenhaus in der Hauptstadt Bukarest eingeliefert. Seine Schussverletzungen wurden nach Auskunft der Ärzte erfolgreich operiert.
Von 2000 bis 2004 hatte der vormalige Außenminister die Regierungsgeschäfte in Bukarest geführt. Seine Amtszeit war zwar von politischer Stabilität und kräftigem Wirtschaftswachstum, aber auch von Gängelung der Medien und ungenierter Selbstbereicherung geprägt.
Vorwürfe aus dem Wahlkampf im Jahr 2004
Nastase ist der erste frühere Regierungschef eines postkommunistischen Landes, der wegen Korruption zu einer Haftstrafe verurteilt worden ist. Rumäniens Oberstes Gericht hatte Nastase für schuldig erklärt, in seinem erfolglosen Präsidentschaftswahlkampf 2004 durch Teilnahme-Gebühren für eine Schein-Konferenz 1,6 Millionen Euro an illegalen Parteispenden eingetrieben zu haben.
Jahrelang hatte Brüssel den EU-Neuling vergeblich zu einer entschlosseneren Verfolgung von Korruption auf höchsten Entscheidungsebenen von Staat und Wirtschaft gemahnt. Das Urteil gegen Nastase wird im In- und Ausland als Meilenstein in der rumänischen Justiz-Geschichte gewertet.
Nastase selbst sieht das freilich anders. Während seines Verfahrens hatte er immer wieder über einen "politischen Prozess" geklagt: Der konservative Staatschef Traian Basescu wolle ihn mit Hilfe der Antikorruptionsbehörde DNA und der Justiz aus dem Weg schaffen. Als "unmenschlich" geißelte der frühere Präsident Ion Iliescu den blutig verlaufenen Inhaftierungsversuch seines Parteifreundes und Vertrauten.
Premierminister Victor Ponta, der ans Krankenbett des Amtsvorgängers eilte, äußerte die Hoffnung, dass sich Nastase bald wieder erholen werde. Ponta, selbst unter Plagiatverdacht, gilt als Zögling seines Doktorvaters Nastase.
Zwar scheint der umstrittene Präsident Basescu seinen immer wieder gerne erklärten Kampf gegen die Korruption tatsächlich ausschließlich gegen politische Gegner und nicht gegen die schwarzen Schafe in den eigenen Reihen zu führen.
"Nastase der sieben Häuser"
Doch ein Unschuldslamm ist der nun verurteilte Ex-Premier, der wegen seiner zahlreichen Immobilien von seinen Kritikern auch der "Nastase der sieben Häuser" genannt wird, keineswegs. Die wundersame Vermehrung seines Privatbesitzes vermag er kaum glaubhaft zu erklären: Einen Großteil seines Immobilienbesitzes hatte er als Premier weit unter Marktwert erworben.
Nur wegen Mangels an Beweisen war er im Dezember 2011 in einem Korruptionsfall freigesprochen worden. Im März dieses Jahres wurde Nastase zu einer dreijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt: Er soll von der früheren Leiterin der Bau-Inspektion zwischen 2002 und 2004 insgesamt 630.000 Euro eingestrichen haben.
Die Genossen und Kritiker des Ex-Premiers zeigten sich gleichermaßen überrascht von dem Selbstmordversuch. Denn nach rumänischem Recht kann Nastase wegen seines hohen Alters bei guter Führung mit einer Verkürzung seiner Haftzeit um zwei Drittel rechnen. Sofern er nicht noch in weiteren Verfahren verurteilt wird, könnte Nastase also bereits in acht Monaten wieder ein freier Mann sein.
Möglicherweise war es die Furcht vor weiteren Verurteilungen, die Nastase zu seiner unerwarteten Tat trieb. Nach dem Selbstmordversuch wollen seine Verteidiger, die den Fall vor den Europäischen Gerichtshof bringen wollen, nun eine Aussetzung der Strafe aus "medizinischen Gründen" erreichen.















