09.06.12

Ilias Kasidiaris

Griechischer Nationalist gibt Prügel-Opfern Schuld

Der griechische Rechtsextremist Kasidiaris hatte in einer Talkshow vor laufender Kamera eine Kommunistin verprügelt. Jetzt beschuldigt der Politiker sein Opfer: Es hätte seine Reaktion provoziert.

Foto: DPA
Elias Kassidiaris
Im griechischen Privat-Sender Antenna schlug Elias Kassidiaris (2. von links) auf Liana Kanelli von der Kommunistischen Partei Griechenlands ein

In Griechenland hat der Skandal um den Fernsehauftritt eines rechtsextremen Politikers eine neue Wendung genommen. Der untergetauchte Sprecher der Partei Goldene Morgenröte, Ilias Kasidiaris, machte die Opfer seiner tätlichen Angriffe vor laufender Kamera für den Zwischenfall selbst verantwortlich.

Die beiden Linkspolitikerinnen hätten seine extreme Reaktion provoziert, erklärte Kasidiaris auf Facebook. Dies sei das einzige Ziel ihrer TV-Auftritte gewesen. Er werde diejenigen, die im Hintergrund dafür verantwortlich seien, verklagen. Der 31-Jährige hatte während einer hitzigen Wahldebatte einer linken Politikerin ins Gesicht geschlagen und einer anderen Wasser ins Gesicht geschüttet.

Kasidiaris äußerte sich nicht weiter zu seinen Plänen, und von seiner Partei war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Angekratztes Image der Partei

Dem ehemaligen Armee-Angehörigen drohen bis zu zehn Jahre Haft. Die Szene ist seit dem Vorfall ständig im griechischen Fernsehen wiederholt worden und hat das Image der Partei angekratzt.

Die Goldene Morgenröte war bei der Wahl am 6. Mai zum ersten Mal seit dem Ende der Militärdiktatur 1974 wieder ins Parlament eingezogen. Sie weist den Vorwurf zurück, eine Neonazi-Partei zu sein. Allerdings leugnet ihr Vorsitzender Nikos Mihaloliakos den Holocaust und zeigt den Hitlergruß. Die Partei fordert die Ausweisung aller Einwanderer.

Der Vorfall beschäftigt die Griechen, die am 17. Juni erneut zur Parlamentswahl aufgerufen sind. Im Mittelpunkt der Abstimmung steht der für die Bevölkerung schmerzhafte Sparkurs, den internationale Geldgeber dem hoch verschuldeten Land verordnet haben. Die Wahl gilt als Votum über den Verbleib des Landes in der Euro-Zone.

Quelle: Reuters/cl
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