28.04.12

Hotel-Affäre

Strauss-Kahn – in Falle getappt oder sexuell gestört?

Eine Woche vor Frankreichs Stichwahl erneuert Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn seine Vorwürfe gegen das Sarkozy-Lager: Seine Affäre mit einem Zimmermädchen im New Yorker Sofitel sei arrangiert gewesen.

Von Gesche Wüpper
Foto: AFP
Dominique Strauss-Kahn
Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn erhebt indirekt schwere Vorwürfe gegen Nicolas Sarkozy

Er galt als größter Hoffnungsträger der Sozialisten. Doch inzwischen wirkt er nur noch wie ein verbitterter alter Mann, der mit seinem Schicksal hadert.

Eine Woche vor der Endrunde der französischen Präsidentenwahl meldet sich Dominique Strauss-Kahn zurück – und macht seine Gegner verantwortlich für seinen Sturz.

Der Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) musste vor gut einem Jahr zurücktreten, nachdem ein New Yorker Zimmermädchen ihn wegen versuchter Vergewaltigung angezeigt hatte.

Seine Gegner hätten die Affäre so inszeniert, dass er seine Pläne für die Kandidatur habe fallen lassen müssen, sagte er in einem Gespräch mit dem amerikanischen Journalisten Edward Epstein, das die britische Zeitung "The Guardian" jetzt veröffentlichte. Er habe seine Kandidatur eigentlich am 15. Juni bekannt geben wollen, so Strauss-Kahn.

Es ist das erste Mal, dass der Mann mit dem berühmten Kürzel DSK selbst die These von einer möglichen Verschwörungstheorie vertritt. In dem Gespräch mit Epstein, der diesen Sonntag ein investigatives Buch über die Affäre veröffentlicht ("Drei Tage im Mai – Sex, Überwachung und DSK"), geht der französische Politiker zwar nicht so weit, zu behaupten, seine Begegnung mit dem Zimmermädchen Nafissatou Diallo sei als Falle arrangiert worden.

Vorfall wurde zum Skandal gemacht

Doch er sei überzeugt, dass der Vorfall "von denjenigen mit einer politischen Agenda" zu einem internationalen Skandal versuchter Vergewaltigung geformt wurde. Konkrete Namen nennt Strauss-Kahn nicht. Doch Epstein ist sicher, dass er mit "ihnen" die Entourage des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy meint.

Der Enthüllungs-Journalist, der im November erstmals die These eines Komplotts vertrat, glaubt, dass Strauss-Kahn bereits Wochen vor der Festnahme in New York von französischen Geheimdienstlern beschattet wurde.

"Sie wussten, was im Sofitel passierte, weil sie zwangsläufig jemanden im Hotel hatten, der ihnen Informationen lieferte", sagte Epstein der französischen Zeitung "Libération".

Strauss-Kahn habe ihm gegenüber den Verdacht geäußert, dass Diallo dazu gebracht worden sei, Anzeige wegen versuchter Vergewaltigung zu erstatten. "Vielleicht war ich naiv, aber ich konnte einfach nicht glauben, dass sie so weit gehen würden", habe der 63-jährige Politiker gesagt.

Was tatsächlich am 14. Mai 2011 in der Suite 2806 des New Yorker Sofitel geschah, wird möglicherweise nie ganz geklärt werden. Strauss-Kahn blieb gegenüber Epstein dabei, es habe sich um eine einvernehmliche Affäre gehandelt.

Der Fall spaltet in Frankreich die Geister

Diallo sei in ihrer Dienstmädchenuniform, aber ohne Putzutensilien in sein Zimmer gekommen, als er nackt aus der Dusche getreten sei. Sie habe ihm durch Gesten und Worte verständlich gemacht, ihm sexuelle Gefälligkeiten erweisen zu wollen.

Diallo dagegen gibt an, Strauss-Kahn habe sie zu Oralverkehr gezwungen. Das Strafverfahren gegen ihn wurde inzwischen eingestellt. Das Zimmermädchen hat jedoch auch Zivilklage eingereicht. Ein New Yorker Gericht soll am Dienstag darüber entscheiden.

Der Fall Strauss-Kahn spaltet in Frankreich noch immer die Geister. So glaubt ein Teil der Bevölkerung, darunter nicht nur Anhänger von Strauss-Kahn, dass dem Politiker bewusst eine Falle gestellt wurde, um seine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl zu verhindern.

Dagegen sehen andere in Strauss-Kahn einen sexuell Gestörten, der sich für unantastbar hielt und sich damit selbst zu Fall brachte.

"Seit fast einem Jahr sind wir die Geiseln der Libido unseres ehemaligen künftigen Präsidenten", schreibt sogar die linksliberale Internetzeitung Rue89.com über die neuen Anschuldigungen Strauss-Kahns.

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