08.04.12

Osterbotschaft

Papst fordert Ende des Blutvergießens in Syrien

Auf dem Petersplatz in Rom spendet der Papst den traditionellen Ostersegen "Urbi et Orbi" und spricht über die Opfer von Terror und Gewalt. Andere christliche Würdenträger mahnen zu Gerechtigkeit.

Quelle: Reuters
08.04.12 1:31 min.
Zum traditionellen Ostersegen haben sich Zehntausende Menschen auf dem Petersplatz in Rom versammelt. Im Anschluss spendete Papst alles das "Urbi et Orbi" - der Stadt und der Welt - seinen Segen.

Christen in aller Welt haben am Sonntag das Osterfest gefeiert. Papst Benedikt XVI. spendete in Rom vor mehr als 100.000 Menschen den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" ("Der Stadt und dem Erdkreis"). In seiner Osterbotschaft forderte das fast 85-jährige Kirchenoberhaupt ein unverzügliches Ende des Blutvergießens in Syrien sowie internationale Hilfe für syrische Flüchtlinge.

Der Papst sprach auch von dem jüngst von einem Militärputsch getroffenen Staat Mali und von Nigeria, wo sowohl Christen als auch Muslime Opfer von Terroranschlägen geworden waren. Im Norden des Landes waren bei einer Explosion nahe einer Kirche während des Ostergottesdienstes zahlreiche Menschen getötet worden.

"Möge der auferstandene Christus dem Nahen Osten Hoffnung geben und alle ethnischen, kulturellen und religiösen Gruppen in dieser Region befähigen, zusammenzuarbeiten, um das allgemeine Wohl und den Respekt für die Menschenrechte voranzutreiben", sagte der Papst.

Zugleich richtete Benedikt XVI. Ostergrüße in 65 Sprachen in alle Welt. Auf Deutsch sagte er: "Euch allen ein gesegnetes und frohes Osterfest! Der Friede und die Freude des auferstandenen Herrn sei mit euch."

Verantwortungsvoller Umgang mit Freiheit

In Jerusalem lobte der Lateinische Patriarch Fouad Twal in seiner Osterpredigt die Aufbrüche in der arabischen Welt. "Eine enthusiastische Jugend hat den Staub einer dunklen, armseligen und totalitären Geschichte abgeschüttelt", sagte das Oberhaupt der Katholiken im Heiligen Land. Trotz Gefahren und Bedrohungen setzten sich die jungen Menschen für eine Reform ein."

Zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Freiheit riefen die Kirchen in Deutschland auf. Evangelische und katholische Bischöfe appellierten an die Christen, die Gesellschaft mitzuprägen. Die Bischöfe warnten zugleich vor wachsender sozialer Spaltung in der Bundesrepublik.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erinnerte an die Freiheitsbewegungen des arabischen Frühlings und betonte, immer mehr Menschen ließen sich nicht mehr in Diktaturen zwingen. Aus christlicher Sicht sei aber die Osterbotschaft die "größte Freiheitsbewegung der Weltgeschichte". Denn Gott habe in der Auferstehung Jesu den Menschen vom Tod befreit.

"Seien wir auf der Hut vor farblosen Stimmungsmachern, die gefangen sind im schier endlosen Wettlauf um Quote, Auflage oder Wählerstimmen", mahnte Zollitsch. Kritisch setzte er sich auch mit Entwicklungen im Internet auseinander: "Es muss uns nachdenklich stimmen, wenn manche Zeitgenossen im Schutz der Anonymität Meinungsfreiheit im Internet als Freibrief für Hetze, Diffamierung und Mobbing missverstehen."

Botschaft von der Überwindung des Todes

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, rief zu mehr Gerechtigkeit auf. Die Gerichtigkeit Gottes diene nicht nur dem Seelenheil des Einzelnen, sondern solle sichtbar werden im Zusammenleben der Menschen, betonte er. Auch der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki warnte vor einem sozialen Auseinanderdriften der Gesellschaft. Er bezeichnete Berlin als "Hartz-IV-Hauptstadt". Dort werde "sehr deutlich, dass die soziale Schere zwischen Reich und Arm in unserer Gesellschaft weiter auseinanderzugehen droht."

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx kritisierte eine zunehmende Ökonomisierung und Konsumorientierung. Die Kirche müsse verhindern, dass der Glanz von Ostern durch die vergänglichen Lichter der Lifestyle- und Wellness-Werbung ersetzt werde. Für den Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat Ostern die menschliche Vorstellung vom Tod grundlegend verändert. Gleichzeitig verbiete sich aber jede "schwärmerische Ausdeutung" der christlichen Botschaft von der Überwindung des Todes, so der Kardinal. Auch heute bleibe die "zerstörerische Macht" von Sünde, Ungerechtigkeit oder Krankheit bestehen.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner betonte, der Glaube an die Auferweckung Jesu sei konstitutiv für das Christentum. "An Ostern hängt für uns alles", so der Erzbischof. "Wer nicht an diese Auferstehung glaubt, ist kein Christ".

Der evangelische Landesbischof in Baden, Ulrich Fischer, bezeichnete ökologisches Engagement und Eintreten gegen den Klimawandel als "direkte Konsequenz aus dem Glauben an die Auferstehung Christi zum Leben". Darum sei es keine nebensächliche Frage, ob sich die Kirche in der Energiewende engagieren wolle oder nicht.

Zur christlichen Begleitung von Kranken und Sterbenden rief der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July auf. Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge sprach sich gegen die Abschaffung von Babyklappen aus. Es sei immer noch besser, ein Kind wachse auf, ohne seine Herkunft zu kennen, als dass eine verzweifelte Mutter es sterben lasse.

Quelle: KNA/dpa/dapd/smb
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Kristall Sauna Therme   Ludwigsfelde in Brandenburg bei Berlin   das grov¸e Angebot fv r Baden Wellness und Sauna vor. FKK und Sportbad.
23.05.13Ludwigsfelde
Freizeitbad vor den Toren Berlins warnt vor Sextätern

Die Kristall Saunatherme in Ludwigsfelde geht nach sexuellen Übergriffen in dem FKK-Bad in die Offensive: In Zusammenarbeit mit der Polizei installierten die Verantwortlichen Videokameras. mehr...


Rammstein-Frontman Till Lindemann auf der Bühne in Moskau
23.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Freitag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Freitag, den 24. Mai. mehr...


In Häusern aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieben die Mietpreise relativ stabil. Im Durchschnitt stiegen die Mieten in Berlin um mehr als sechs Prozent
23.05.13Kommentar
Warum Berlin die hohen Mieten nicht hinnehmen darf

Die Berliner Durchschnittsmiete ist im Mietspiegel um mehr als sechs Prozent gestiegen. Vor allem Normalverdiener leiden darunter. Noch können und sollten wir aber gegensteuern, findet Jachim Fahrun. mehr...


Im Olympiastadion steht ein weiteres Sporthighlight bevor: das Champions-League-Finale 2015
23.05.13Fußball
Finale 2015 der Champions League im Olympiastadion

Dieses Jahr bekommt Berlin die Fanmeile zum Champions-League-Finale – in zwei Jahren wird das Spiel hier im Olympiastadion stattfinden. Berlins Fußball-Präsident verspricht: "Wir können Fußball". mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
USA Bär spaziert durch Vorort von Los Angeles
London Islamisten töten britischen Soldaten
Deutsche Welle In Norditalien kommt die Erde nicht zur Ruhe
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote