18.01.2012, 13:01

Nordkorea Kim Jong-uns Bruder fürchtet Ende des Regimes

Kim Jong-nam, ältester Sohn des verstorbenen Staatschefs Kim Jong-il, fordert Reformen für Nordkorea. An der Führungsfähigkeit seines Bruders hat er Zweifel.

Der älteste Sohn des verstorbenen nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong-il hält einem Buch zufolge einen Zusammenbruch des kommunistischen Regimes für möglich. Das Buch des japanischen Journalisten Yoji Gomi stützt sich auf Interviews und einen langjährigen E-Mail-Wechsel mit Kim Jong-nam.

Darin soll dieser gesagt haben, ohne Reformen und Liberalisierung stehe ein Zusammenbruch der Wirtschaft kurz bevor. Allerdings könne die Öffnung des Landes auch eine Gefahr für das Regime darstellen.

Gomi zitiert Kim Jong-nam in "Mein Vater, Kim Jong-il, und ich" damit, dass der designierte Nachfolger seines Vaters, sein jüngerer Bruder Kim Jong-un , nur repräsentiere, aber keine Macht habe. "Ich habe meine Zweifel, ob ein Mann mit nur zweijähriger Führungserfahrung regieren kann".

Sein Mitte Dezember verstorbener Vater hatte Kim Jong-un zu seinem Nachfolger auserkoren. Der älteste Sohn war in Ungnade gefallen, nachdem er 2001 versucht hatte, mit einem gefälschten Pass nach Japan einzureisen. Damals gab er an, das Disneyland Tokio besuchen zu wollen. Bis dahin galt er als wahrscheinlichster Nachfolger.

Experten halten Kim Jong-nams Aussagen für wenig aussagekräftig, da er einen Großteil seiner Zeit im Ausland verbringt und nur wenig Kontakt zu seiner Familie hält. Er lebt vor allem in China und der autonomen Region Macao, die wegen ihrer zahlreichen Kasinos als Las Vegas des Ostens bezeichnet wird. Das Buch von Yoji Gomi wurde dennoch mit Spannung erwartet, weil es Einblicke in das nach außen hin abgeriegelte Nordkorea und die Herrscherfamilie bietet.

(dapd/ks)
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