Demo in Berlin

Berlins Russen unterstützen Freunde zu Hause

Auch in Berlin demonstriert die russische Gemeinde gegen die ihrer Meinung nach gefälschten Duma-Wahlen vom 4. Dezember. Von der Russischen Botschaft, Unter den Linden, ging es zum Brandenburger Tor.

Foto: dpa / dpa/DPA

Von Moskau bis Wladiwostok sind sie auf die Straße gegangen, um gegen das Wahlergebnis der russischen Parlamentswahl vom 4. Dezember zu demonstrieren. Und auch in Berlin protestiert die russische Gemeinde. Es ist die größte Kundgebung (Motto "Für freie Wahlen in Russland") dieser Art in Deutschland – auch in Köln, Hamburg und Frankfurt/Main gab es Demonstrationen. Die Teilnehmer demonstrieren, weil sie Wahlmanipulationen zugunsten der Partei von Regierungschef Wladimir Putin vermuten.

Die Veranstalter in Berlin haben mit mindestens 400 sowohl russischen als auch deutschen Teilnehmern gerechnet. Zudem haben verschiedene Amnesty-Gruppen ihr Kommen zugesagt. Um fünf Uhr nachmittags versammeln sich die Demonstranten vor der Russischen Botschaft, Unter den Linden, um von dort aus zum Brandenburger Tor zu marschieren.

Die russische Botschaft wollte die Kundgebung auf Anfrage nicht kommentieren. Einer der Organisatoren, Konstantin Sherstjuk, sagt, viele der Teilnehmer hätten Freunde in Russland, die bei ersten Protesten Anfang der Woche in Moskau festgenommen worden wären: "Wir wollen uns mit ihnen solidarisieren und die Demonstrationen diesen Sonnabend in Russland unterstützen."

Ende der Zensur

Ursprünglich ist die Kundgebung für zwei Uhr nachmittags offiziell genehmigt worden, sodass sie parallel zur größten Demonstration Russlands in Moskau stattgefunden hätte. Die Polizei verschob die Demonstration Unter den Linden aber nachträglich auf fünf Uhr, weil gleichzeitig eine andere Demonstration beim Brandenburger Tor geplant war.

"Wir gehen für ein anderes Russland auf die Straße", sagt Sherstjuk. Trotz der persönlichen Bindungen nach Russland stehe man nicht in Kontakt mit Oppositionsgruppen oder Parteien. Die Demonstranten fordern Neuwahlen, das Ende der Pressezensur und die Freilassung aller politischen Häftlinge. Zudem rufen sie die Bundesregierung auf, sich stärker für die Einhaltung der Menschenrechte in Russland einzusetzen und ihr Verhältnis zur Putin-Regierung zu überdenken.

Dass die merkwürdigen Vorgänge bei der Wahl auch in Berlin lebende Russen und Russland-Sympathisanten empören, zeigt sich bei Facebook. Fast 900 Nutzer haben auf die Demonstrationsankündigung reagiert und ihre Teilnahme zugesagt. Auf der offiziellen Internetseite wird bis kurz vor Beginn der Demonstration diskutiert, welche Losungen und Plakate man verwenden wolle.

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