Bundeszentrale für politische Bildung
Präsident vergleicht Evangelikale mit Islamisten
Darf man Evangelikale als christliche Fundamentalisten bezeichnen? Und gehen von Evangelikalen ähnliche Gefahren aus wie von Islamisten? Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, hat dies in einem Schreiben an Lehrer und Schüler in Deutschland behauptet – und sich jetzt davon distanziert.
Von Ansgar Graw
Bundeszentralen-Chef Thomas Krüger hatte in einem Begleitschreiben die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Q-rage" vorgestellt, die im Rahmen der Aktion "Schule ohne Rassismus" erscheint. Darin war unter der Überschrift "Die evangelikalen Missionare" kritisch über eine Veranstaltung von Evangelikalen in Bremen berichtet worden, in der es nach dem (später um diesen Punkt gekürzten) Programm auch um die "Heilung von Homosexuellen" gehen sollte. Krüger schrieb dazu: "In der Zeitung finden sich interessante Informationen, wie islamistische und evangelikale Gruppen, die wichtige Freiheitsrechte infrage stellen, Jugendliche umwerben."
Gegen diese Formulierung lief die Deutsche Evangelische Allianz Sturm. Es sei "unglaublich", dass der BpB-Präsident "Islamisten und Evangelikale auf eine Ebene" stelle. Damit würden in der von der Bundesregierung geförderten Publikation Evangelikale in Deutschland (laut "Q-rage" geht es um 1,8 Millionen Menschen) "in die Nähe von Verfassungsfeinden gerückt", schreibt Hartmut Steeb, Generalsekretär der Evangelischen Allianz.
Krüger hat sich in einem Brief an Steeb, einem Schreiben an die mit "Q-rage" belieferten Schulen und einer Pressemitteilung von dem Artikel "Die evangelikalen Missionare" distanziert. Er habe "die evangelikale Bewegung pauschalisierend als fundamentalistisch" dargestellt. Nicht distanziert hat sich der frühere Berliner SPD-Jugendsenator von seiner eigenen Gleichsetzung, nach der "islamistische und evangelikale Gruppen ... wichtige Freiheitsrechte" infrage stellen.
Morgenpost Online sagte Krüger, zwar gebe es "unter den Evangelikalen zweifellos einzelne Fundamentalisten, die Freiheitsrechte einschränken, aber sie bilden in dieser Gruppe neben Baptisten, freikirchlichen Gemeinden oder anderen evangelikalen Strömungen eine so kleine Minderheit, dass diese pauschale Gleichsetzung nicht in Ordnung ist". Dazu, dass dennoch ein Empfehlungsschreiben mit seiner Unterschrift für "Q-rage" warb, sagte Krüger: "Da ist in der Tat ein Fehler in meiner Verwaltung passiert." Er selbst habe vorher nicht jeden Artikel gelesen, "weil ich davon ausgegangen bin, das Heft sei von meinen Mitarbeitern gewissenhaft geprüft worden".
Aber warum zog Krüger nicht auch seinen Vergleich zwischen Evangelikalen und Islamisten zurück? "Für meine Begriffe bin ich von meinem Schreiben gänzlich abgerückt", so Krüger auf mehrfache Nachfrage. "Ich erhalte das gesamte Schreiben nicht aufrecht." Das Thema diskutiere er bei einem vorgesehen Treffen aber "gern mit den Verbandsvertretern. Denn klar ist, dass auch die Minderheit der christlichen Fundamentalisten Freiheitsrechte gefährdet." Und Gefahren gingen von "Fundamentalisten jeder Richtung aus". Gleichwohl wolle er christliche Fundamentalisten "in keinem Fall gleichsetzen mit islamistischen Fundamentalisten, die Bomben werfen". Evangelikalen-Generalsekretär Steeb bleibt aber empört: "Herr Krüger muss diesen Vergleich zurückziehen", sagte er Morgenpost Online.
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