Entführung
Drei deutsche Staatsbürger im Jemen verschleppt
Im Jemen haben bewaffnete Stammesangehörige drei Deutsche entführt. Nach offiziellen Angaben handelt es sich bei den Geiseln um eine Mitarbeiterin der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und deren Eltern, die dort Urlaub machten. Offenbar wollen die Täter Verwandte freipressen, die sich in Polizeigewahrsam befinden.
Wie ein Sprecher der jemenitischen Regierung mitteilte, wollen die Täter vermutlich Verwandte freipressen, die von der Polizei festgenommen wurde. Hintergrund der Tat sollen Streitigkeiten zwischen rivalisierenden Stämmen sein. Dabei gieht es offenbar um Landbesitz.
Nach Angaben aus Sicherheitskreisen riegelte die Polizei am Montag ein unwegsames Gebiet ab, in dem die Geiseln möglicherweise festgehalten werden. Zugleich bemühten sich Clanchefs des angeblich beteiligten Bani-Dhabian-Stammes darum, Kontakt zu den Kidnappern aufzunehmen, um die Freilassung der Deutschen zu erwirken. Angehörige des Clans der drei inhaftierten Jemeniten hatten ohne Erfolg gegen die Festnahme ihrer Stammesbrüder demonstriert und nun möglicherweise das Kidnapping veranlasst, um mehr Druck auf die Behörden ausüben zu können.
Die Deutschen wurden den jemenitischen Angaben zufolge rund 130 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Sanaa entführt und anschließend in die Bergregion Bani Dhabjan verschleppt, die rund 60 Kilometer östlich von Sanaa liegt. Sie sollen sich in der historischen Stadt Radaa an einer Exkursion beteiligt haben, als die Kidnapper zuschlugen.
Das Auswärtige Amt bestätigte, dass im Jemen seit Sonntagnachmittag drei Bundesbürger vermisst werden. "Wir müssen davon ausgehen, dass die drei in der Nähe von Sanaa verschleppt wurden", sagte Ministeriumssprecher Jens Plötner. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes stehe in engem Kontakt mit den jemenitischen Behörden.
Das Auswärtige Amt erklärte zudem, der Jemen sei ein komplexes Land, in dem die Gegensätze zwischen den Volksgruppen die Gesellschaft prägten Es berge immer ein gewisses Risiko, sich in einer solchen Umgebung zu bewegen.
In den vergangenen 15 Jahren wurden im Jemen mehr als 200 Ausländer von unterschiedlichen Stämmen entführt. Oft geht es dabei um Auseinandersetzungen mit der Regierung in Sanaa. Im Juli 2001 nahmen bewaffnete Stammesangehörige in Sanaa einen deutschen Diplomaten als Geisel. Ende 2005 wurde kurz nach seiner Pensionierung der Deutsche Jürgen Chrobog, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, mit seiner Frau und seinen drei Söhnen entführt. Chrobog war lange Zeit Unterhändler der Bundesregierung bei Geiselnahmen.
Die gesamte Familie kam nach wenigen Tagen wieder frei und traf nach einem Empfang beim jemenitischen Staatspräsidenten Ali Abdallah Saleh wieder wohlbehalten in Deutschland ein.
Zuletzt waren im September ein Kanadier und sein syrischer Kollege in der südlichen Provinz Abjan verschleppt worden.
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