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11.12.08

Integration

Was die Führerscheinprüfung auf Deutsch bringt

Eine Zuschauerreaktion sorgte in der ARD-Sendung "Hart aber Fair" für Aufsehen. Zu der Frage, wie man Anreize schaffen könne, damit junge Migranten besser Deutsch lernen, regte ein Rentner an: Man solle einfach die Führerscheinprüfung auf Deutsch abhalten. Auf Morgenpost Online erklärt Stoll, wie er auf die Idee kam.

© dpa
Was die Führerscheinprüfung auf Deutsch bringt?

Als der Rentner Hans Georg Stoll sich am Mittwochabend vor den Fernseher setzte, um wie gewöhnlich Frank Plasbergs Sendung, "Hart aber Fair" zu schauen, ahnte er noch nicht, dass seine Idee wesentlich zum Gelingen der Sendung beitragen würde. Denn das Thema Integration und wie man Anreize schaffen könnte, sodass Zuwanderer die deutsche Sprache lernen wollen, ließ ihn aktiv werden.

Der 72-jährige setzte sich kurz entschlossen an seinen PC und formulierte folgende Frage: Warum sorgt man nicht dafür, dass die deutsche Führerscheinprüfung statt in elf Sprachen nur in Deutsch abgehalten wird? Oder dass die Fahrerlaubnis nur diejenigen bekommen, die einen Hauptschulabschluss vorweisen können? "Das fiel mir einfach so ein", sagt er zu seinem Geistesblitz.

Die E-Mail war schnell geschrieben, erreichte das Redaktionsteam von Frank Plasberg, und als sich Hans Georg Stolls Ehefrau zu ihm in Wohnzimmer gesellen wollte, fiel im Fernseher sein Name. "Ich war einigermaßen überrascht, weil ich diese E-Mail erst um 21.33 Uhr geschickt habe", sagt Stoll. Und gefreut habe er sich, weil seine Idee unverfälscht wiedergeben wurde. Die Zuschauer im Studio applaudierten.

Seine Anregung sorgte auf auch Morgenpost Online für großen Zuspruch. 83 Prozent von über 1000 Lesern stimmten bei der Umfrage: "Sollte der Führerschein in Deutschland nur nach einem bestandenen Hauptschulabschluss vergeben werden?" mit "Ja" ab. Auch das freut den Rentner. Nur die Reaktion der Fachgelehrten in der Sendung, die seine Idee sofort als "undurchführbar" ablehnten, ärgerten ihn.

"Typisch für Deutschland, dass bei neuen Ideen nicht gefragt wird, wie können wir es machen, sondern sofort die Reaktion kommt, warum die Neuerung nicht funktionieren werde." Das kennt der pensionierte Schlafwagenschaffner noch zu gut aus seiner Zeit bei der Deutschen Bahn. Hans Georg Stoll war im Zuge seiner Karriere Direktor der Mitropa Swiss, die Speisewagen der Bahn betreibt, Personalführung inklusive.

Arne Böhne, Geschäftsfeldleiter Führerschein beim Tüv-Rheinland und gelernter Jurist findet die Idee des Zuschauers zumindest "nachdenkenswert." Sicherlich könne man mit so einer Aktion zehn Mal mehr für die sprachliche Integration erreichen, als mit kostenlosen Sprachkursen. "Unserer Erfahrung nach ist der Mobilitätswunsch so groß, dass die Führerscheinanwärter große Anstrengungen unternehmen, um die Prüfung zu bestehen." Doch gibt er zu bedenken: "Die Bundesregierung sagt, dass es noch wünschenswerter ist, dass Migranten mobil sind, damit sie am Wirtschaftsleben teilnehmen können."

Böhne schlägt einen Kompromiss vor: "Bestimmt könnte man sieben bis acht Sprachen streichen. Aber Englisch, Russisch, Französisch oder Türkisch sollten erhalten bleiben". Es wäre wohl auch ungerecht, jemanden von der Führerscheinprüfung auszuschließen, nur weil er nicht sprachbegabt sei.

Rentner Stolle vertraut lieber auf seinen gesunden Menschenverstand. "Jemand, der die deutsche Sprache lernen soll, braucht ein Ziel", sagt er. "Und einen Führerschein will schließlich jeder haben." Da stünden meist auch die Eltern dahinter.

Mit seinen Ideen will Hans Georg Stoll auch künftig nicht hinterm Berg halten. Den CDU-Vorstoß, die deutsche Sprache durch das Grundgesetz schützen zu wollen, hält er überflüssig. "Bringen tut das nichts", sagt er, und sofort schießt ihm die nächste Idee durch den Kopf: "Ist wenigstens der Einbürgerungstest nur auf Deutsch?", fragt er. Doch auch die Antwort, dass dem so sei, beruhigt den Rentner keineswegs. Forsch entgegnet er: "Das war die Führerscheinprüfung zu meiner Zeit auch."

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