Grubenunglücke
In China wird mit toten Bergleuten Geld verdient
Es ist eine makaberes Zweckbündnis aus verschworenen Grubenbesitzern, korrrupten Aufsichtsbeamten und zwielichtigen Journalisten: Fast drei Monate wurde der Tod von 35 Bergleuten in Yuxian erfolgreich vertuscht. Denn Grubenunglücke sind in China zu einem lukrativen Geschäft geworden.
Von Johnny Erling
Fast drei Monate hielt der gigantische Vertuschungsskandal. Dann ließ sich der Tod der 35 Bergleute nicht mehr leugnen. Verschworene Grubenbesitzer, korrrupte Aufsichtsbeamte und lokale Funktionäre hatten die Folgen der Bergwerksexplosion am 14. Juli bis tief in den Oktober hinein verschweigen können. Fünf Tonnen illegal beschafften und unverantwortlich gelagerten Sprengstoff waren in der Liujiawa-Kohlemine im Kreis Yuxian der nordchinesischen Provinz Hebei explodiert. Die meisten der 35 Opfer waren Bauern aus den entfernten Provinzen Sichuan und Chongqing. Ihr Tod fiel erst nach Tagen auf. Ihre Leichen wurden heimlich weggeschafft und Verwandte mit Geld und Drohungen zum Stillhalten gebracht.
Der Skandal flog auf, als zu viele Angehörige im Internet Fragen stellten und Zentralbehörden Ermittlungen starteten. Anfang der Woche schickte nun der Pekinger Staatsrat ein Untersuchsteam vor Ort in die Dörfer. Dort hatten drei Brüder ihre illegale Kohlegrube mit primitivsten Gerätschaften und Maultieren betrieben. 63 Personen wurden festgenommen oder auf andere Weise bestraft, 25 Funktionäre aus der Region abgesetzt.
Tief im chinesischen Inland herrschen oft noch immer unvorstellbare Arbeits-und Lebenszustände, die das pure Gegenteil der von Pekings Führern gepredigten sozialen Harmonie widerspiegeln. Beherzte Journalisten fordern Freiheit für die Presse, um solche Verbrechen rechtzeitig aufdecken zu können. Doch in einem Land, wo Profitgier, Korruption und Schlamperei ursächliche Gründe dafür sind, warum China die meisten Bergwerkstoten der Welt zählt – 2007 starben bei Unfällen 3786 Kumpel – ist auch auf viele Reporter kein Verlass.
Dies zeigt die dreiste Erpressung des Besitzers der Huobaoganghe-Kohlengruben in der Provinz Shanxi durch eine Schar korrupter Journalisten, nachdem er den Tod eines seiner Grubenarbeiter verheimlicht hatte. Der Fall erschüttert ebenso Chinas Medien, wie der verheimlichte Tod der Kohlearbeiter in Hebei. In der Kohlegrube erstickte im September wegen Sicherheitsmängeln ein 41-jähriger Bauernarbeiter. Der Grubenbesitzer hätte den Unfall innerhalb drei Tagen melden müssen. Er verheimlichte ihn, um der Strafe von einer Millionen Yuan pro Unfalltoten zu entgehen, und um die Grube nicht für die Zeit der Untersuchung schließen zu müssen.
Gerüchte über das Unglück kursierten rasch. Statt Polizei zogen sie "Dutzende echter und unechter Journalisten an. Die wollten nicht über den Unfall berichten, sondern Schweigegeld kassieren", schrieb "China Daily". Nach dem Unglück sprachen 28 angebliche Journalisten von 23 Medien bei der Unglücksgrube vor, darunter Reporter der Fernsehstationen "Chinas Erziehung", "Shanxi-TV", "Shanxi-Wissenschaftsbote", "Grünes China" und "Shanxi-Rechtswesen". Sie hätten für ihr Stillschweigen Summen zwischen umgerechnet 220 Euro bis 5000 Euro kassiert. Der Grubenbesitzer soll umgerechnet fast 14.000 Euro an Journalisten und Trittbrettfahrer gezahlt haben.
Ein Reporter der Wochenzeitung "Xibu" deckte nun den Skandal in einem Blog auf. Die Jugendzeitung beschrieb unter dem Titel " Schlangestehen für Schweigegeld", wie kriminelle Bergwerksbetreiber mit korrupten Journalisten gemeinsame Sache machen.
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