Islam
Merkez-Moschee – ein Prachtbau, der Angst macht
Montag, 3. November 2008 12:49 - Von Kristian FrigeljIm ehemaligen Bergbaugebiet Nordrhein Westfalens haben sich viele Deutsche und Türken unter Tage kennengelernt. Begonnen hat die Freundschaft in den 60er Jahren. Jahrzehnte später tritt die türkische Gemeinde mit einem Prachtbau ans Licht der Öffentlichkeit. Nicht jeder ist begeistert.
Als Gisela und Werner Dedner die Moschee an der Warbruckstraße betreten, müssen sie sich trennen. Die 55-Jährige geht die Treppe zur Empore hinauf, in den Frauenbereich. Ihr Ehemann steht im Erdgeschoss mit Socken auf dem roten Teppich des Gebetssaals und schaut nach oben. Die kleinen Fenster in den Kuppeln leuchten türkisblau, selbst wenn der Himmel grau ist. „Das ist bombastisch“, sagt Gisela Dedner. Sie blickt die Balustrade hinunter und sieht den goldenen Leuchter in der Saalmitte, die Koranverse auf Arabisch, die türkische Kaligraphen an die Kuppeldecke gemalt haben.
Die Dedners sind aus Bochum zur Einweihung einer der bundesweit größten
Moscheen gekommen, die bis zu 2000 Gläubigen Platz bietet. „Wir finden das
toll. Jeder Mensch hat seinen Glauben. Die Türken haben ein Recht darauf, in
einer Moschee zu beten“, sagt Frau Dedner, als sie wieder draußen steht.
Am Sonntagmittag sind mehrere Tausend Menschen zur Merkez-Moschee nach
Duisburg-Marxloh gepilgert. Das 34 Meter hohe Minarett weist den Weg. Die
Polizei hat Sperren errichtet. „Merkez“ heißt auf Türkisch „Zentrum“. Es
offenbart den Anspruch des fast acht Millionen Euro teuren Bauwerks. Die
Dedners sind Gleichgesinnte der überwiegend türkischen Schaulustigen. Viele
Frauen tragen Kopftuch. In ihrem Sinne sagt der Vorsitzende der
Moscheegemeinde, Mehmet Özay: „Weil wir hier zu Hause sind und sein wollen,
bauen wir eine richtige Moschee, denn wir leben nicht provisorisch.“ Die
Moschee sei „kein Symbol der Ausgrenzung, sondern ein Symbol der
menschlichen, religiösen und gesellschaftlichen Zuwendung.“
Natürlich, die Moschee sei wunderschön, sagt Christa Thelen. „Aber ich fühle
mich unbehaglich. Es ist alles so fremd geworden, türkisch. Ich bin froh,
dass ich hier nicht mehr wohne.“ Ihre Mutter hat es bis 1992 in
Duisburg-Marxloh an der Weseler Straße ausgehalten, gar nicht weit weg von
der Moschee. Dann sei sie weggezogen, weil immer mehr türkische Geschäfte
eröffnet hätten. Die 57-Jährige würde hier nicht abends allein durch die
Straßen laufen.
Die frühere rot-grüne Landesregierung hat das Moschee-Projekt einmal als
„Wunder von Marxloh“ bezeichnet, weil hier die Entwicklung fast reibungslos
verlief. In einem Moschee-Beirat wurde über Jahre auf den Bau der
Gebetsstätte hingearbeitet. Vertreter der Moscheegemeinde, christlicher
Kirchen, Nachbarn, Stadtverwaltung einigten sich auf ein Begegnungszentrum,
in dem unter anderem Sprachkurse angeboten werden sollen. Die Sprecherin des
Beirates, Gitti Schwankes, erzählt, dass die älteren türkischen Einwanderer
meist als Bergleute gearbeitet hätten und dadurch ein besonderer
Zusammenhalt entstanden sei. „Unter Tage haben sich Deutsche und Türken
gefunden“, sagt Frau Schwanke.
Am Tage der Einweihung betont Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU): „Es ist ein kleines Wunder“. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) wagt als gläubiger Christ eine rhetorische Gratwanderung. „Wir brauchen mehr Moscheen in unserem Land, nicht in den Hinterhöfen, sondern sichtbar“, sagt er. Rüttgers wirkt verständnisvoll, weist aber auch auf Probleme hin. „Wir müssen die Frage nach der Vereinbarkeit von Demokratie und Islam stellen. Wir brauchen eine Antwort, klar, eindeutig, unzweifelhaft.“ Und mildert ab: „Für unsere Demokratie, für unser Land, für unsere Heimat ist es am Ende nicht entscheidend, ob jemand Christ ist, Jude oder Muslim. Für unser Land ist entscheidend, was Zukunft gibt.“
Andere Städte mit kontroversen Moschee-Projekten wie Köln oder München zeigen, dass sich das gelobte Duisburger Modell nicht so einfach exportieren lässt. Im Moschee-Beirat sagt man, es hänge letztlich alles von den Menschen ab, die miteinander sprächen. Der Präsident des Amtes für religiöse Angelegenheiten der Türkei, Ali Bardakoglu, schwärmt, Duisburg sei beispielhaft für die Menschheit und die Religionsfreiheit müsse auf der ganzen Welt voranschreiten. Er sagt aber nichts über Christen und Juden in der Türkei.
Erschienen am 26.10.2008






Stellenmarkt
Wohnungen
Branchenbuch
Kleinanzeigen
Veranstaltungen
Kinoprogramm










Versicherungen
Gesundheitstests
Hotelsuche
Abo
Stadtplan
epaper
Archivsuche
Zeitung Heute
RSS
Newsticker
Video
TV-Programm
Wetter
Gehaltsrechner
Börse
Kredit und Zinsen
Europa
Krankenkassen
Hilfe
Handelsregister
Leserbrief
Kontakt
Mobilportal
iPhone-/iPad-Apps
Heizölvergleich