Duisburg
Mahnende Stimmen zur Eröffnung der Moschee
Montag, 27. Oktober 2008 16:10In Duisburg hat Ministerpräsident Jürgen Rüttgers zur Eröffnung der größten Moschee Deutschlands Muslime dazu aufgerufen, sich aktiv um ihre Integration zu bemühen. Das Grundgesetz lade dazu ein. Die türkischstämmige Frauenrechtlerin Seyran Ates warnte indes vor neuen Großmoscheen.
Nach gut dreijähriger Bauzeit hat in Duisburg Deutschlands größte Moschee eröffnet. Zur Feier war auch NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) als Redner geladen.
Rüttgers forderte in seinem Redemanuskript die Muslime in Deutschland auf, sich in wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen einzubringen. „Das Grundgesetz ist eine wunderbare Einladung“, so Rüttgers. Diese Einladung anzunehmen könne aber niemandem abgenommen werden.
In diesem Zusammenhang warnte Rüttgers vor Vorurteilen gegenüber dem Islam. „Nicht jeder, der ein Fundament hat, ist ein Fundamentalist“. Trotzdem müssten die in Deutschland lebenden Muslime eine „ebenso klare wie eindeutige und unzweifelhafte Antwort auf die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie geben.“
Der Ministerpräsident sprach sich auch für den Bau weiterer Moscheen aus. Gleichzeitig rief er die Muslime in Deutschland zur öffentlichen Unterstützung für christliche Kirchenbauten in Kleinasien auf.
Im Gegensatz zu anderen Städten gab es in Duisburg keine Proteste gegen den Neubau, der auf einem ehemaligen Zechengelände liegt. Das Gebäude hat eine Fläche von 40 mal 28 Metern und ein 34 Meter hohes Minarett.
Die Moschee bietet 1400 Menschen Platz und ist im traditionell osmanischen Stil errichtet. Der Bau kostete 7,5 Millionen Euro. Die EU und das Land NRW haben das Projekt im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ mit 3,2 Millionen Euro gefördert. Die übrigen Kosten übernahm der Moscheeverein der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB). Die Gemeinde hat nach eigenen Angaben 740 Mitglieder. In Duisburg leben 60.000 türkische Muslime.
Die türkischstämmige Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates hat warnte vor überzogenen Erwartungen an die integrationsfördernde Wirkung der neuen Großmoschee in Duisburg-Marxloh gewarnt. Sie habe Zweifel bei allen großen Moscheeprojekten, die neben dem sakralen Bereich noch einen Anbau hätten, der interkulturelles Leben fördern solle, sagte Ates gestern im Deutschlandradio Kultur.
Der interkulturelle Dialog sehe meistens so aus, dass man sich ein- oder zweimal im Jahr begegne: „Es wird so getan, als ob da heile Welt wäre. Das ist nicht richtig. Ich finde, wir müssen ganz einfach aufhören, dass uns Leute da was vorlügen und wir das einfach so hinnehmen“, sagte Ates. Zugleich äußerte sie die Befürchtung, dass das Gemeindeleben zu einer „Zementierung der Parallelgesellschaft“ beitragen werde und „kein Austausch mit Deutschen“ stattfinde.
Die Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin bekräftigte ihre Unterstützung für den Moscheebau-Kritiker Ralph Giordano, der in Großmoscheen ein Zeichen schleichender Islamisierung sieht. Die Kritik sei „nicht übertrieben und nicht falsch“, sagte Ates. Sie betonte jedoch, sie sei nicht grundsätzlich gegen den Bau von Moscheen: „Es ist sehr wichtig, dass wir schöne Moscheen haben, die ansehnlich sind, die Menschen auch selbstbewusst mit ihrem Glauben auftreten.“KNA/dpa/AP/lk






















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