Spendenwesen
Schwere Vorwürfe gegen Deutsche Kinderhilfe
Samstag, 25. Oktober 2008 17:25 - Von Kristian FrigeljDie Deutsche Kinderhilfe gerät zunehmend unter Druck. Der Hilfsorganisation werden zu hohe Personalkosten, fehlende Bilanzprüfungen und Unklarheiten im Umgang mit Spendengeldern vorgeworfen. Und jetzt sind der Deutschen Kinderhilfe auch noch die Datenschützer auf den Fersen.
Nach dem Unicef-Skandal um dubiose Beraterhonorare gerät im nationalen Spendenwesen die Deutsche Kinderhilfe (DKH), früher Deutsche Kinderhilfe Direkt, immer stärker unter Druck. Mittlerweile ist fraglich, ob die DKH noch Mitglied im Deutschen Spendenrat, einem Dachverband transparenter gemeinnütziger Organisationen, bleiben kann.
Wie Morgenpost Online erfuhr, weigerte sich der Spendenrat-Vorstand am Wochenende in Berlin, den Status einer ruhenden Mitgliedschaft aufzuheben. Ein Wirtschaftsprüfertestat der Jahresabschlussbilanz 2006, das der DKH-Vorsitzende Georg Ehrmann um Monate verspätet nachgeliefert hatte, konnte den Vorstand nicht umstimmen, weil das Vertrauensverhältnis massiv gestört ist.
Im Juni wird über die Zukunft der DKH entschieden
Der Schiedsausschuss des Spendenrates moniert Satzungsverstöße, Intransparenz beim Umgang mit Spenden- und Fördermitteln sowie eine heikle Nähe der DKH zu privatwirtschaftlichen Unternehmen. Beklagt wird zudem, dass die Bilanzen bisher nur erstellt und nicht geprüft wurden. „Da gibt es einige dicke Pferdefüße“, sagte ein Spendenexperte, der mit den Aktivitäten der DKH im Schiedsausschuss befasst war. Über die öffentliche Darstellung des Vereins sagt der Insider: „Es grenzt an Irreführung, aber es ist nicht justiziabel.“ Nun muss die Mitgliederversammlung des Spendenrates im Juni ein Votum über den Verbleib der DKH fällen.
Bisher war die Bundeszentrale maßgeblich auf den Landesverband angewiesen. „Aktuell besteht eine finanzielle Abhängigkeit des Bundes von NRW“, heißt es im Protokoll einer Mitgliederversammlung im April 2007, das Morgenpost Online vorliegt. Recherchen ergaben, dass die DKH einen ungewöhnlich hohen Personalkostenaufwand betreibt. Beim Landesverband NRW entfielen 2006 von 2,66 Millionen Gesamterlös fast 1,6 Millionen Euro auf Löhne, Gehälter und Altersversorgung
Intransparenz bei der Verwendung von Fördermitteln
Nur rund 287.000 Euro wurden gespendet, und zwar an die eigene Bundeszentrale. Dort schlagen die Personalkosten immerhin mit rund einem Drittel zu Buche, nimmt man die vorläufige Fördermittelverteilung 2007 zum Maßstab. Zwar entfielen rund 190.000 Euro auf das „Frühchenprojekt“, das Eltern früh geborener Babys psychosoziale Hilfe vermittelt. Bei den Recherchen von Morgenpost Online stellte sich aber heraus, dass die DKH ihr Engagement bei diesem Projekt und anderen inzwischen deutlich verringert hat.
Zudem erweist sich die DKH entgegen ihrer Darstellung teilweise als intransparent. Ein Posten in der Fördermittelverwendung trägt die Bezeichnung „Aufwandsentschädigung Vorstandsmitglieder“ und schlägt mit 55.877,52 Euro zu Buche. Auf Nachfrage sagte Ehrmann, es handele sich um sein „Bruttogehalt“. Er sei hauptamtlich als geschäftsführender Vorsitzender tätig.
Auch Datenschützer erheben Vorwürfe
Die DKH ist auch der Landesbeauftragten für Datenschutz in Nordrhein-Westfalen ins Visier geraten. Bei den Datenschützern erregt ein Bonus-Angebot für Mitglieder des nordrhein-westfälischen DKH-Landesverbandes Anstoß. Für das Bonus-Angebot Myfam, das von einer verbandseigenen DKD Service GmbH vertrieben wird, ist eine Vielzahl privater Daten etwa für eine „Gesundheitsdatenbank“ erforderlich, die im Zusammenhang mit einer Versicherung steht.
Nach Informationen von Morgenpost Online konzentrieren sich die Prüfungen auf die 3W GmbH aus Bielefeld, die Myfam mitentwickelt hat. Recherchen ergaben auffällige Zusammenhänge. Die beiden 3-W-Geschäftsführer waren Gründungsvorsitzende der DKH vor acht Jahren. 3W kümmert sich um den Datenschutz bei Myfam. Die Datenschützer verlangen von dem Unternehmen Auskunft darüber, was mit den Daten geschieht. Die 3W GmbH war früher schon mit einem anderen Angebot aufgefallen: Damals hatten sich Kunden über unzulässige Kontoabbuchungen beschwert. Die Staatsanwaltschaft wurde damals tätig, doch sie stellte die Ermittlungen wieder ein.
Erschienen am 10.03.2008






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