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23.10.08

CNN-Interview

Sarah Palin lästert über Barack Obama

Was finden die Republikaner an Sarah Palin? Auf diese Frage gibt sie selbst eine ausführliche Antwort. Im Interview mit Drew Griffin in der CNN-Sendung "The Situation Room" betont sie die politische Erfahrungen, die sie Barack Obama voraus habe. Und auch sonst hat sie eine ganze Menge an dem Demokraten auszusetzen.

© dpa
Sarah Palin musste sich auch für eine umstrittene Aussage im Wahlkampf entschuldigen.

Drew Griffin : Zu Ihren Wahlkampfveranstaltungen kommen sehr viele Menschen, sogar mehr als zu John McCain. Sie scheinen da in Ihrem Element zu sein. Warum ist das so?

Sarah Palin : Ich glaube wegen der Dinge für die ich stehe und wegen meiner Botschaft einer echten, wirklich notwendigen Regierungsreform und weil ich jemand bin, der bereits gezeigt hat, dass man das auch machen kann, man kann reformieren. Die Regierung kann sich wieder auf die Seite der Menschen schlagen. Man kann Korruption bekämpfen. Man kann sogar wirklich Schritte unternehmen, die unser Land in der Energieversorgung unabhängiger machen. Und – viele dieser Dinge über die wir reden – ich glaube, dass mehr und mehr Amerikaner merken, dass wir eine Kandidatin haben, die diese Dinge auch tatsächlich gemacht hat. Sie redet nicht nur drüber.

Griffin : Sie haben zuletzt über Amerika gesprochen, bestimmte Gegenden Amerikas die möglicherweise amerikanischer sind als andere Gegenden in den USA?


Palin : Ich möchte das nicht missverstanden wissen. Wenn ich zu diesen Wahlkampfveranstaltungen gehe und wenn ich dort den Patriotismus aufblitzen sehe, die Gesichter der Menschen, die Vietnamveteranen die so stolz ihre Mützen tragen und Tränen in den Augen haben, wenn wir unsere Nationalhymne singen – das ist so beeindruckend. Und ich sage, das ist das echte Amerika. Dann kapiert man es, man begreift wie wichtig es ist, in den nächsten vier Jahren einen Anführer zu haben, der für einen kämpft. Ich möchte das nicht in dem Sinn interpretiert wissen, als gäbe es Gegenden die patriotischer oder amerikanischer sind, als andere. Wenn das so 'rübergekommen ist, entschuldige ich mich.

Griffin : Frau Gouverneurin, ist Barack Obama ein Sozialist?


Palin : Ich würde ihn nicht als Sozialisten bezeichnen. Aber wie es 'Joe der Klempner’ angedeutet hat – eigentlich hat er es geradeheraus gesagt – es hört sich für ihn schon nach Sozialismus an. Und er spricht da für so viele Amerikaner, die ziemlich besorgt sind, jetzt nachdem sie endlich gehört haben, was wirklich Barack Obamas wahre Absichten in der Steuer- und Finanzpolitik sind. Und zwar geht es darum, den Kleinunternehmern und den Familien mehr abzunehmen und es dann gemäß seiner eigenen Prioritäten weiterzuverteilen. Das ist für den Unternehmergeist, der dieses großartige Land aufgebaut hat, nicht gut. Das ist nicht gut für unsere Wirtschaft.


Griffin : Wenn Sie gewinnen, müssen Sie wahrscheinlich mit einem von den Demokraten dominiertem Kongress zusammenarbeiten. Das wird ein ganz zähes Ringen. Was ich von Ihnen und John McCain wissen möchte: Was passiert am ersten Tag Ihrer Regierung. Die Menschen wünschen sich, dass sich angesichts stark schwankender Börsenkurse und platzender Immobilienkredite etwas tut.


Palin : Also, am ersten Tag setzt man sich erst Mal zusammen. Man beteiligt die Führung des Kongresses und wir können davon ausgehen, dass da auch Demokraten dabei sind und das ist auch gut so. Wir müssen überparteiliche Ansätze verfolgen. Da ich hier in Alaska schon einmal ein Kabinett aus Demokraten, Republikanern und Unabhängigen gebildet habe, damit den Menschen die besten Ideen zugute kommen, verfüge ich über Erfahrung in der Exekutive. Genauso ist es mit John McCain, der dafür ist, sich auch mal mit seiner eigenen Partei anzulegen. Barack Obama war bisher nicht in der Lage so etwas zu tun. Er hat zu 96 Prozent nach den Vorgaben seiner eigenen Parteiführung abgestimmt, ohne den Willen oder Fähigkeit zu zeigen, mit der anderen Seite zusammenzuarbeiten.




Griffin : Die Presse hat sich über Sie lustig gemacht. Die Demokraten sind mit Ihnen auch hart ins Gericht gegangen, das gilt aber auch für einige Konservative. Der "National Review" brachte eine Geschichte in der stand: "Ich kann nicht genau sagen, ob Sarah Palin inkompetent, dumm, unqualifiziert, korrupt oder alles zusammen ist."


Palin : Wer hat das denn geschrieben? Ich würde gerne mit dieser Person reden.


Griffin : Es war im "National Review". Ich kenne den Autor nicht. Denen geht es darum, dass Ihre Erfahrung als Gouverneurin nicht deutlich wird. Fühlen Sie sich in Ihrem Wahlkampfteam gefangen, kommt Ihre Botschaft nicht an? Und wenn dem so sein sollte, wer trägt die Schuld daran?


Palin : Wissen Sie, ich bin offensichtlich kein Teil der Washingtoner Eliten und keine dieser altbekannten Mediengestalten, die das hier schon seit Jahren mitmachen.


Griffin : Ich muss Ihnen noch zwei Fragen stellen. Bei einer geht es um den Polizisten Wooten. Das ist eine Sache, die Sie verfolgt hat, die Ihnen geschadet hat?


Palin : Na klar - Taser-gate.


Griffin : Sie nennen das Taser-gate?


Palin : Aber sicher.


Griffin: ... 'Trooper-gate’, was auch immer, der Untersuchungsbericht kommt zu dem Schluss, dass Sie das Recht hatten Monegan, Wootens Vorgesetzten, rauszuwerfen.


Palin : Ganz genau.


Griffin : Er ist aber auch zu dem Schluss gekommen, dass Sie ethische Grundregeln verletzt haben. War es ein Fehler, Ihrem Ehemann zu erlauben, mit Hilfe ihres Büros die Polizei unter Druck zu setzen, Herrn Wooten zu entlassen?


Palin : Überhaupt nicht, weil der Polizist, der auf sein Kind mit einer Elektroschockpistole geschossen hat, wie Sie wissen, meine Familie mit dem Tod bedroht und gesagt hat, er werde die Gouverneurin stürzen und so weiter. Mein Ehemann hat, wie ich glaube, genau das getan, was jeder vernünftige Vater und Ehemann tun würde, der sich um die Sicherheit seiner Familie sorgt.


Griffin : Aber war es ein Fehler ihm zu erlauben das Büro der Gouverneurin in diesem Maße zu benutzen?


Palin : Nicht wenn man sich ansieht, was andere Gouverneure bisher so gemacht haben. Gouverneur Murkowskis Gattin war seine wichtigste Beraterin. Wissen Sie, irgendwie wird hier mit zweierlei Maß gemessen. Todd hat nur gemacht, was die Behörde für Öffentliche Sicherheit ihm gesagt hat. Sie haben Todd gesagt, wenn er ein Problem mit einem Polizisten hat und dieser eine Bedrohung darstellt, müssen sie zum Vorgesetzten der Behörde gehen. Genau das hat Todd gemacht und wurde dann natürlich dafür von den Medien verdroschen, weil die nicht verstanden haben, was er gemacht hat. Ich glaube, ich habe mein Amt nicht missbraucht. Und ich bin sehr froh, dass der Untersuchungsbericht mich in Sachen illegale Aktivitäten freigesprochen hat. Ich habe den Polizeichef ersetzt, weil er seinen Job, den Menschen da oben in Alaska zu dienen, nicht gemacht hat und das erwarte ich von den Mitgliedern meines Kabinetts.

Das Interview übersetzte Thilo Maluch.

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