"Du bist auf meiner Liste"
Polens Präsident Kaczynski droht Journalistin
Der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski soll einer Journalistin nach einem Interview während des jüngsten EU-Gipfels in Brüssel mit Konsequenzen gedroht haben. Sie stehe auf seiner "Liste", sagte Kaczynski – der sich später entschuldigte und als Geste der Versöhnung Rosen schickte.
Sein Verhalten sorgt wieder für Schlagzeilen. Wie die Zeitung "Gazeta Wyborcza" am Samstag berichtete, schrie Lech Kaczynski die polnische Fernsehjournalistin Monika Olejnik vom Sender TVN vor anderen Kollegen an. Sie werde es bereuen, er werde sie erledigen und nicht einmal die Geheimagenten würden sie schützen können. Sie stehe auf seiner "Liste", fügte Kaczynski hinzu. Ein Dutzend polnischer und belgischer Journalisten seien am Mittwochabend Zeugen des Zwischenfalls gewesen.
Olejnik gehört als hartnäckige Fragenstellerin zu den bekanntesten polnischen Journalisten. Den Zorn des Präsidenten zog sie mit Fragen nach Lech Walesa auf sich. Kaczynski, seit zwei Jahrzehnten mit dem früheren Arbeiterhelden und Ex-Präsidenten heillos zerstritten, hält Walesa für einen kommunistischen Geheimdienstagenten und lehnte seine Einberufung in den "Rat der Weisen" der EU ab.
"Gazeta Wyborcza" berichtete weiter, Kaczynski habe Olejnik am Freitag angerufen und sich entschuldigt. Er sei beim Interview verärgert gewesen, weil Ministerpräsident Donald Tusk versucht habe, ihm die Teilnahme am EU-Gipfel unmöglich zu machen, erklärte ein Präsidentensprecher. Als Zeichen der Versöhnung schickte das Staatsoberhaupt der Journalistin elf rote Rosen. Sie nahm die Entschuldigung an. Der Sender zog daraufhin ein beim Rundfunkrat eingereichtes Protestschreiben zurück.
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