SPD
Kurt Beck wütet gegen Schröder und die Genossen
Mittwoch, 24. September 2008 18:07Der zurückgetretene SPD-Vorsitzende Kurt Beck geht erneut mit der Parteiführung hart ins Gericht. Parteifreunden wirft er mangelnde Loyalität vor und Alt-Kanzler Gerhard Schröder bringt er in einen direkten Zusammenhang mit seinem Sturz. Er verstehe jetzt, dass Politik krank machen könne.

Foto: AP
Der frühere SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat erneut den Umgang in seiner Partei scharf kritisiert. "Wir duzen uns, wir nennen uns Genossen, aber wir verhalten uns nicht so“, sagte Beck in einem vorab veröffentlichten Interview des Hamburger Magazins "Stern“. Dies müsse wieder anders werden.
Über seinen Sturz von der Parteispitze sagte er, dass dieser wohl kalkuliert gewesen sei. "Ich weiß nicht, ob mein Rücktritt beabsichtigt war, oder nur in Kauf genommen wurde.“ Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident bemängelt, manche Parteifreunde hätten ihm während seiner Amtszeit "Backsteine statt Brot in den Rucksack gepackt“. Am Ende habe er eine "unerfüllbare Mission“ gehabt.
In seinem Buch "Ein Sozialdemokrat“, das an diesem Donnerstag in Berlin vorgestellt wird, schreibt Beck, über die "Kandidatenfrage“ sei vor der offiziellen Verkündung in Einzelheiten berichtet worden, "die neben Beteiligten auch auf Gerhard Schröder verwiesen“.
Im Gespräch mit der "Zeit“ wundert sich Schröder über diese Darstellung und verweist auf einen an ihn gerichteten Brief Becks vom 10. September. Von einer Spur, die auf ihn verweise, sei darin nicht die Rede. Vielmehr habe Beck "für die Unterstützung und den Rat“ gedankt.
Auch das Verhältnis zwischen Beck und seinem designierten Nachfolger Franz Müntefering ist offenbar auch nach der Aussprache vom vergangenen Freitag schwer beschädigt. "Mehr als dass man miteinander anständig und ordentlich reden kann, hat es nicht gebracht“, sagte Beck. Er werde voraussichtlich auch nicht am SPD-Parteitag am 18. Oktober teilnehmen, auf dem Müntefering zu seinem Nachfolger gewählt werden soll: "Ich will vor allen Dingen nicht für irgendwelche geheuchelten Bilder herhalten.“
Seinen Rücktritt aber bezeichnete der frühere SPD-Vorsitzende generell als richtig. Er hätte es sich nicht vorstellen können, „mal an die Grenzen der psychischen Kraft“ zu kommen. Politik könne jedoch krank machen. Er habe in der SPD-Führung keine Freunde gehabt.
Beck sagte, Politiker, die wie er aus der Provinz kämen, würden es künftig in der Bundespolitik sehr schwer haben: "Das Spektrum von Leuten, die neue Ideen und Sichtweisen einbringen, wird immer enger.“ Er frage sich manchmal, welche Chancen heute Herbert Wehner und Franz Josef Strauß noch hätten: „Ich fürchte: keine.“Reuters/AP/ddp/dpa/lk






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