CDU
Angela Merkel hat einen neuen Strippenzieher
Montag, 26. Juli 2010 16:06 - Von Mariam LauHermann Gröhe ist der Neue im Team von Angela Merkel. Er wird sich im Kanzleramt um die Beziehungen zwischen Bund und Ländern kümmern. Gröhe ist laut Selbstauskunft ein "gut gelaunter Familienmensch", doch er kann auch anders: Im BND-Untersuchungsausschuss fühlt er Frank-Walter-Steinmeier (SPD) auf den Zahn.

Nun ist es also amtlich: Hermann Gröhe, 47-jähriger Justiziar der Unionsfraktion, wird neuer Mann im Kanzleramt für die Beziehungen zwischen Bund und Ländern. Der aus Neuss stammende Abgeordnete, der auf sein Direktmandat stolz ist, "freut sich riesig". Gröhe wird den Platz der Staatsministerin und Merkel-Vertrauten Hildegard Müller einnehmen, die zum 1. Oktober in den Vorstand des Bundesverbands Energie- und Wasserwirtschaft wechselt.
Der nordrhein-westfälische Landesverband der CDU - mit rund 167 900 Mitgliedern der weitaus stärkste der Partei - sieht sich stets als unterrepräsentiert in der Bundespolitik. Es galt deshalb als ausgemacht, dass nach Hildegard Müller wieder jemand aus NRW das Amt bekleiden würde.
Der Jurist Hermann Gröhe gehört, trotz seiner starken Verankerung im
Landesverband, zu den CDU-Politikern, die verhindern möchten, dass man sich
in einzelnen Fragen wie der Bildungspolitik in den Ländern wieder "in
den Schützengräben verschanzt".
Das Amt wird als "Verbindungsoffizier" zwischen Kanzleramt und
Fraktionen, vor allem der CDU-Fraktion, betrachtet. Gröhe selbst will sich
unter anderem auch dem Bürokratieabbau widmen. Der Abgeordnete, dessen
Eltern 1958 aus der DDR geflohen waren, ist am 3. November 1989 in Erlangen
zum JU-Vorsitzenden gewählt worden. Nach einer Diskussion mit Helmut Kohl
zog man mit Kerzen in der Hand durch die Erlanger Innenstadt - ein Moment,
der ihn prägte, wie Gröhe sagt.
Er gehörte zu den Gründern der "Pizza-Connection" - eines
inoffiziellen Treffens grüner und schwarzer Abgeordneter, das in den
Neunzigerjahren noch "den Reiz des Verbotenen hatte", so Gröhe. Er
hört es aber nicht gern, wenn man ihn als "Mann für Schwarz-Grün"
bezeichnet, geschweige denn in seine Besetzung eine politische Präferenz der
Kanzlerin für eine Jamaika-Koalition interpretiert.
"Wir haben mit den Treffen damals doch eigentlich nur so eine Art
Normalität hergestellt, wo vorher völlige Funkstille herrschte",
so Gröhe im Gespräch mit Morgenpost Online. Damals habe es einfach eine relativ
große Gruppe junger Abgeordneter gegeben, die "die gleichen Filme
sahen und die gleichen Bücher lasen".
Bei den Grünen, die aus religiösen Milieus kamen - Christa Nickels aus dem
Linkskatholizismus oder Katrin Göring-Eckardt aus dem protestantischen Osten
-, da fiel dem EKD-Mitglied Gröhe eine Verständigung leicht. Ein "wertegebundener
Idealismus" und dass man "Freiheit nicht als Ego-Trip sieht"
- das habe die Abgeordneten damals verbunden.
Eine Koalition auf Bundesebene hält er gleichwohl derzeit kaum für
vorstellbar. Und während die Abgeordneten von der CDU-Seite, die damals
dabei waren, fast alle politische Karrieren gemacht haben, sind viele von
den Grünen Gründungsmitgliedern, wie Matthias Berninger oder Margareta Wolf,
heute nicht mehr dabei.
Gröhe freut sich, dass seine Frau, Heidi Oldenkott-Gröhe, und seine vier
Kinder im Alter zwischen 8 und 15 Jahren seinen Wechsel ins Kanzleramt
unterstützen. "Ich glaube, dass ich ein gut gelaunter
Familienmensch bin", meint Gröhe über sich. Schließlich werde die
Familie im Wahlkreis ja auch so eine Art Repräsentanz.
Als Protestant hat Gröhe in seiner überwiegend katholischen Nachbarschaft, wie
er sagt, keinerlei Schwierigkeiten gehabt. "Gerade engagierte
Katholiken schätzen es, dass ich in der EKD aktiv bin." Seit 20
Jahren ist der Abgeordnete auch im Schützenverein aktiv. Das Schlendern über
den Marktplatz seiner Heimatstadt, das Kleinstädtische, Leute treffen
unterwegs, das "ist für mich Heimat".
Aber Gröhe kann auch anders. Im BND-Untersuchungsausschuss gehört er zu
denjenigen, die den Angriff auf den frisch gekürten Kanzlerkandidaten
Frank-Walter Steinmeier vorbereiten.
Erschienen am 23.09.2008






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