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01.11.07

Elektronisches Dokument

Fingerabdrücke kommen jetzt in den Reisepass

Der elektronische Reisepass der zweiten Generation ist eingeführt. Das Besondere: Neben den persönlichen Daten und einem digitalen Passfoto werden auf dem Chip künftig zusätzlich zwei Fingerabdrücke gespeichert. Die Daten seien sicher, sagen die Behörden. Doch es gibt auch Zweifel.

© DDP
Der Fingerabdruck kommt in den Reisepass
Wer einen Reisepass beantragt, muss ab sofort zwei Fingerabdrücke abgeben

Wer einen Reisepass beantragt, muss ab sofort zwei Fingerabdrücke abgeben. Die Daten werden auf einem Chip im Pass elektronisch gespeichert. Gebühren und Geltungsdauer des Passes ändern sich nicht. Regierung und Behörden betonten, der neue ePass sei fälschungssicher und erschwere Kriminellen so ihr Handwerk erheblich. Experten und Opposition fürchten genau das Gegenteil: Kriminelle könnten die Daten auslesen und missbrauchen.

Beim neuen ePass müssen die Antragsteller in der Regel ihre beiden Zeigefinger auf einen Scanner drücken. Die Daten sollen nicht zentral oder in Ämtern gespeichert werden. Die Bundesdruckerei versicherte, die "Vertraulichkeit der Daten" sei gewährleistet. Der Chip ist nach offiziellen Angaben immun gegen Attacken von außen – auch gegen unberechtigtes Auslesen der Daten. Grund: Die Chipdaten sollen nur von Geräten gelesen werden können, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik dazu berechtigt wurden.

Für sechs Euro gibt es Alu-Schutzhüllen

Die Stadt Lübeck und das unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein bieten dennoch für sechs Euro Aluminium-Schutzhüllen an. Sie sollen verhindern, dass Kriminelle die Daten doch per Funk aus geringer Entfernung auslesen, wenn der Pass irgendwo liegt. Alexander Dix, der Berliner Datenschutz-Beauftragte, sagte dem Sender n-tv, selbst der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, trage seinen Pass in einer Aluminiumfolie.

Für Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sind die Fingerabdrücke vor allem eine Hilfe für den Staat, "Kriminellen technologisch einen Schritt voraus zu sein". Einreise mit falschem Pass und Missbrauch von Pässen ähnlich aussehender Personen würden unmöglich.

"Fingerabdrücke – früher nur von Verbrechern"

Die FDP-Fraktions-Innenexpertin Gisela Piltz bemängelte: "Früher wurden Fingerabdrücke nur von Verbrechern genommen." Es sei "nur eine Frage der Zeit", bis Hacker die Kontrollen überwinden. Die Grünen- Fachpolitikerin Silke Stokar sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: "Die Sicherheit der Daten kann vom Staat nicht garantiert werden." Der Fraktionsexperte der Linken, Jan Korte, sagte, aus Sicherheitsgründen gebe es bei Diplomatenpässe keine Funkchips.

Der Bundes-Datenschutzbeauftragte Peter Schaar warnte die Koalition vor der Realisierung ihres Vorhabens, 2009 auch den Personalausweis mit digitalen Fingerabdrücken einzuführen. Sonst gebe es "eine flächendeckende Erfassung", sagte er am Donnerstag im RBB- Inforadio.

Für Schaar ist der neue Pass "unnötig", weil die seit zwei Jahren bereits vorgeschriebenen Fotos mit neutralem Gesichtsausdruck und Frontalperspektive die Pässe bereits sicher gemacht hätten, wie er dem Sender N24 sagte. Konrad Freiberg, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sagte dem Sender MDR Info hingegen, Fälschungen seien nun "weitestgehend ausgeschlossen". Beim Menschenhandel sei Pass-Missbrauch vorgekommen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft lobte, der Bund habe Vorgaben der EU zügig umgesetzt.

Alte Pässe bleiben gültig. Ein zehn Jahre gültiger ePass kostet weiter 59 Euro. Menschen unter 24 bekommen einen sechs Jahre gültigen Pass für 37,50 Euro. Kinder können nicht mehr bei den Eltern eingetragen werden. Für Kinder unter 12 Jahren werden ePässe ausgestellt. Kinder unter 6 müssen keine Fingerabdrücke geben. Jährlich werden im Schnitt 2,5 Millionen Pass-Anträge gestellt.

Quelle: dpa/heg
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