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Gesellschaft

Warum die Familie lebt und überlebt

Die traditionelle Familie ist dramatisch auf dem Rückzug. Die Zahl der Ehepaare mit mindestens einem minderjährigen Kind ist binnen zehn Jahren um mehr als eine Million auf jetzt noch 6,5 Millionen zurückgegangen. Dagegen gibt es immer mehr Alleinerziehende. Ist das das Ende der Familie?

Es ist unbestreitbar: Lebensformen und Werte haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Der Normalarbeitstag ist inzwischen so wenig normal und die Regel wie die dauer¿hafte, auch schwere Krisen ¿überdauernde Vater-Mutter-Kind-Familie. Auf diesen Befund gibt es zwei Reaktionen, die einander diametral gegenüberstehen. Der einen zufolge höhlt dies das Wertefundament der Gesellschaft aus, aus Ordnung werde Anarchie. Der anderen zufolge steckt darin ein Fortschritt: Endlich gehe es der Familie, diesem Hort von Untertanengeist und Seelenverkrüppelung, an den Kragen.

Die apokalyptische Deutung ist so wenig angemessen wie die triumphierende. Ein gutes Gegengift zu Übertreibungen dieser Art liefert der vom Statistischen Bundesamt durchgeführte Mikrozensus für das Jahr 2006 ab, der sich mit der Situation der Familien befasst. Er zeigt: Ja, es stimmt zwar, dass die Familie (hier verstanden als Ehepaar-Kind-Gemeinschaften mit mindestens einem minderjährigen Kind) weiter auf dem Rückzug ist – wäh¿rend alternative Familienformen entsprechend zunehmen. Doch immer noch machen Ehepaare mit Kindern knapp drei Viertel aller Familien aus. Eine Minderheitenveranstaltung ist das nicht. Deutschland ruht weit mehr im Herkömmlichen, als die Verfallspropheten unken.

Doch es gilt auch: Die Familie muss sich heute in einer Umwelt behaupten, die mit ihren Erfordernissen und Zumutungen das herkömmliche Funktionieren von Familien beträchtlich erschwert. Deswegen die Zunahme – erzwungener oder selbst gewählter – alternativer Familienformen, deswegen auch der besonders starke Rückgang der Familien im Osten.

Der Mikrozensus enthält eine einfache Botschaft. Die Familie wird gewollt, und sie ist – mit all der historischen Evidenz, die sie auf dem Buckel hat – strapazier- und überlebensfähig. Die moderne Lebens- und Arbeitswelt erschwert aber die Fortdauer dieser Überlebensgemeinschaften, die wie wohl nichts anderes Geborgenheit bieten können. Man muss also etwas tun, um der Familie eine gute Zukunft zu ermöglichen.



Erschienen am 28.11.2007

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