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Betriebe

Handwerk will Lehrlinge aus Osteuropa holen

Deutsche Handwerker sollen auch Lehrlinge aus Osteuropa ausbilden dürfen. Nur so sei der drastische Rückgang der Schulabgänger in Deutschland aufzufangen, sagt der Handwerkspräsident Otto Kentzler. Der Arbeitsminister ist gegen den Plan. Er will Absolventen deutscher Hauptschulen mehr Chancen geben.

Lehrling
Foto: dpa

Deutsche Handwerksbetriebe sollen auch Lehrlinge aus Osteuropa ausbilden dürfen. Nur so sei der drastische Rückgang der Schulabgänger in Deutschland aufzufangen, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler, der "Bild“-Zeitung. „Unsere Betriebe brauchen Nachwuchs. Und wir brauchen Facharbeiter“, begründete Kentzler sein Anliegen. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) wies die Forderung zurück.

Wenn die Einschränkungen in der EU für den Zuzug auf den deutschen Job-Markt 2009 nicht aufgehoben würden, sollte es zumindest „Ausnahmen für Lehrlinge“ geben, verlangte Kentzler weiter. Bemühungen, junge, bereits in Deutschland lebende Migranten für die Handwerksberufe zu gewinnen, bezeichnete der Handwerkspräsident als „gescheitert“. „Die Bildungspolitik der vergangenen zehn Jahre ist gescheitert, auch weil die Integrationspolitik gescheitert ist.“ Vielfach würden die Abgänger von den Haupt- und Realschulen nicht einmal die deutsche Sprache beherrschen. Anwerben möchte Kentzler nun stattdessen Bewerber aus Polen, Tschechien und Ungarn.

„Da mache ich nicht mit“, sagte Scholz dazu der „Passauer Neuen Presse“. „Uns fehlen pro Jahr 100.000 bis 200.000 Ausbildungsverträge. Wir brauchen also mehr Ausbildungsplätze – und nicht mehr Zuwanderung in den Arbeitsmarkt“, argumentierte der Arbeitsminister. Viele Altbewerber „warten schon zu lange auf ihre Lehrstelle“. Gerade denjenigen, die es beim ersten oder zweiten Mal nicht geschafft hätten, müsse man aber Chancen geben.

Hintergrund sind Erwägungen der großen Koalition, die Einschränkungen für die Zuwanderung von Arbeitskräften auch den osteuropäischen neuen EU-Mitgliedern bis 2011 zu verlängern. Bislang würden diese 2009 auslaufen, eine Verlängerung gilt aber als wahrscheinlich.AFP/ras



Erschienen am 08.07.2008

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