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01.07.08

Obamas Playlist 2008

Stevie Wonder, Rock, HipHop – Obamas iPod-Liste

Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Barack Obama, ist ein Musikfreund. Jetzt hat er seinen iPod geöffnet und die Playliste erklärt. Obama verehrt vor allem den Soul-Star Stevie Wonder, aber auch Bob Dylan. Überraschend ist die Vorliebe für rüden HipHop – obwohl Obama mit einer Sache Probleme hat.

© dpa
Barack Obama mit Gitarre.

Die Popmusik stand lange im Verdacht, labile Menschen auf den falschen Weg zu führen. Heute wirkt sie als vertrauensbildende Maßnahme. Das herkömmliche Wahlversprechen fällt inzwischen deutlich ab hinter der feierlichen Öffnung eines iPods. Dass Barack Obama seinen Präsidentschaftskanditaten-iPod für den Wahlkampf nutzt, ist keine Überraschung. Auch der Inhalt nicht. Die Wiedergabelisten stellt Obama nun im "Rolling Stone" vor. Schon im März zeigte das Magazin den Hoffnungsträger auf dem Titel und sprach damit eine dringende Wahlempfehlung für den Herbst aus.

Auch Bob Dylan und Bruce Springsteen hat Obama nicht vergessen. Beide haben sich bereits als Wahlhelfer geäußert. "Er hat nie geleugnet, wo er herkommt", sagt Obama über Springsteen. Bei Bob Dylans "Maggie’s Farm" lobt der Senator die politische Rhetorik und die Botschaft, nicht auf andere zu hören und sich selber treu zu bleiben.

Obama lobt Dylan und Springsteen

Etwa 30 Stücke von Bob Dylan finden in Obamas iPod Obdach. Dazu das entschlossene Schutzversprechen "Gimme Shelter" von den Rolling Stones. Das ist das schöne an der Popmusik: Die Lieder fallen immer auf den Hörer selbst zurück. Die Sänger ebenfalls. "Sie sind Ikonen", stellt Obama zu Bob Dylan und Bruce Springsteen fest.

Also: Wer ist Obamas Held? Er legt sich fest auf Stevie Wonder. Von klein auf hat Stevie Wonder mit den Zuständen Amerikas gerungen aber nie den Glauben aufgegeben an ein friedfertiges Miteinander. Im Gespräch mit Jann S. Wenner, der den "Rolling Stone" vor 41 Jahren gründete, betet Obama Stevie Wonders Alben ehrfürchtig herunter. Selbstverständlich führt der Mann der Zukunft auch die Klassiker von Charlie Parker, John Coltrane sowie Miles Davis mit sich. Ohne Tradition kein Fortschritt.


Ohne Jazz und Soul gäbe es keinen HipHop, lehrt Barack Obamas iPod. Dass der HipHop bei Obama einigen Speicherplatz belegt, sorgt für den nötigen Gesprächsstoff. Es geht hauptsächlich um Jay-Z, einen ehemaligen Gangster-Rapper. Allerdings arbeitet Jay-Z heute als Geschäftsführer der liberalen Plattenfirma Def Jam, und er kämpft für besseres Trinkwasser für Afrika, das ist vom Ghetto mit seinen rüden Umgangsformen denkbar weit entfernt.


"Er ist jemand, der zweifelhafte Lebenseinstellungen in eine positive Richtung lenken kann", erklärt Obama. Er beschreibt Jay-Z als ernsthaften, verantwortungsbewussten und brillanten Mann. Musik von Beyoncé, Jay-Zs Gemahlin, hört Obama als Familienmensch gleich mit.


Nicht durchweg vorbildlich wirken die Rapper Ludacris und Q-Tip, den Obama angeblich demnächst beim Rappen unterstützen wird. Sie sind noch nicht so weit wie Jay-Z. Aber sie erlauben dem Politiker auch Aussagen wie diese: "Ich bin manchmal bekümmert über Frauenfeindlichkeit und Materialismus in der Rap-Lyrik." Er wünschte sich, die eigene Tochter unbefangener dem HipHop überlassen zu können. Sorgen zählen auch zu den vertrauensbildenden Maßnahmen.

"Ganz schön eklektisch", schätzt Obama selbst den eigenen iPod ein. "Alles von Howlin’ Wolf über Yo-Yo Ma bis Sheryl Crow." Mit Sheryl Crow hat er die weiße Unterschicht zumindest nicht vergessen. Aber ob ihm diese nicht ganz unwichtige Wählergruppe den Verzicht auf sauberen Country, ungewaschenen Heavy Metal und Kid Rock verzeihen können, wird der 4. November zeigen. George W. Bush verließ sich übrigens auf einen ausschließlich mit weißem Klassikrock und Country abgefüllten Präsidenten-iPod.

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