Spendenskandal
Kirchen-Hilfswerke lassen Korruption in Afrika zu
Wirtschaftsprüfer haben schwere Korruptionsfälle bei Hilfswerken der evangelischen Kirche aufgedeckt. In tansanischen Projekten des evangelischen Hilfswerks "Mission Eine Welt", des Nordelbisches Missionswerks und der sächsischen Kirchenprovinz wurden Spendengelder veruntreut – im Wissen der deutschen Träger.
Die "Frankfurter Rundschau" dokumentiert anhand von Berichten von Wirtschaftsprüfern, wie rund 300.000 Euro deutscher Spendengelder für Hilfsprojekte in Tansania verschwanden.
Betroffen seien das evangelische Hilfswerk "Mission Eine Welt", das Nordelbische Missionswerk (NMZ) und die sächsische Kirchenprovinz (KPS). Sie finanzieren gemeinsam Projekte in der Südzentraldiözese des ostafrikanischen Landes und hätten die Korruptionsfälle bestätigt.
"Das ist ein Riesenproblem", sagt Michael Martin, Oberkirchenrat der bayerischen Landeskirche. "Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber den Spendern." Für die Kirchenoberen in Afrika sei es "eine Riesenversuchung, wenn sie plötzlich Projektmittel in Millionenhöhe erhalten". Oft würden Summen abgezweigt, um Bekannte zu versorgen. Doch nach Recherchen der Zeitung soll auch eine deutsche Entwicklungshelferin des Nordelbischen Missionswerks Geld veruntreut haben.
Die Deutschen Werke "wussten spätestens seit Frühjahr 2006 von diesen Veruntreuungen, ohne dass rechtliche Konsequenzen gezogen wurden", sagt Gottfried Mernyi, Geschäftsführer des Arbeitskreises für Weltmission in Österreich. Wegen der mangelnden Bereitschaft der deutschen Hilfswerke, die Korruption zu bekämpfen, arbeite man in Tansania nicht mehr zusammen, sagt Mernyi. "Die Öffentlichkeit in Tansania und Deutschland und vor allem die Spender wurden über die kriminellen Machenschaften und das Ausmaß der systemischen Korruption nicht informiert", bedauerte Mernyi.
Da die deutschen Kirchen einen korrupten Bischof stützten, seien sogar Bedürftige gestorben, sagt der österreichische Arzt Rainer Brandl dem Blatt. Er selbst sei mit Waffengewalt aus seiner Station im Krankenhaus Bulongwa vertrieben worden, nachdem er den Bischof kritisiert habe. "Durch die Schließung der Aids-Station sind Patienten gestorben, weil sie nicht mehr angemessen behandelt werden konnten", sagte Brandl.
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