Inspiriert durch Ahmadinedschad
In Thüringen soll ein neues Israel entstehen
Montag, 23. Juni 2008 08:52 - Von Robin AlexanderIn Weimar startet eine Bewegung für einen jüdischen Staat in Deutschland. Sie geht zurück auf eine Idee von Mahmud Ahmadinedschad. Irans Präsident hatte gefordert, dass Deutschland sein Gebiet für Juden zur Verfügung stellt. Der Initiator des Projekts will den Nahost-Konfikt lösen und deutsche Schuld heilen.
Am Sonntag wird in Weimar öffentlich eine Bewegung für einen jüdischen Staat in Thüringen gegründet: „Medinat Weimar“, ein Anklang an den offiziellen Staatsnamen „Medinat Israel“. Die bizarre Veranstaltung, die aus einer genehmigten Demonstration vor dem Weimarer Nationaltheater und einer anschließenden Diskussion im repräsentativen Palais Dürkheim besteht, wurde ausgerechnet vom Antisemiten Mahmud Ahmadinedschad inspiriert.
"Es ist ein politisches Ereignis"
Pikant ist das deutsche Forum, das er jetzt für seine Aktionen gefunden hat: Eidelman macht seinen „Master of Fine Arts“ an der Bauhaus-Universität in Weimar. „Medinat Weimar“ ist seine Abschlussarbeit. Als reines Kunstprojekt will Eidelmann seine Aktion jedoch explizit nicht verstanden wissen: „Es ist ein politisches Ereignis.“
Der jüdische Staat in Thüringen könne „das jüdische Trauma heilen, die deutsche Schuld heilen und den Nahostkonflikt lösen.“ Weimar sei als Ort ausgewählt worden, weil es als schrumpfende ostdeutsche Stadt mit demographischen Problemen und mangelnder Wirtschaftskraft besonders von jüdischer Einwanderung profitieren könne. Eidelman erklärt den Sinn solcher Thesen so: „Ich möchte provozieren und die Absurdität von antisemitischen, neoliberalen, nationalistischen und zionistischen Argumente zeigen, in dem ich sie zu Ende denke.“
Neben dem Verweis auf Ahmadinedschad hat vor allem diese Aufzählung viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Thüringen und darüber hinaus erbost. Sie möchten, ebenso wie die israelische Botschaft in Berlin, die Eidelman zur Gründung seiner Bewegung eingeladen hat, das Projekt nicht durch eine öffentliche Stellungnahme aufwerten. Unterschwellig ist die Empörung jedoch groß: Als die israelische Zeitung Ha’aretz über die Pläne berichtet, war die Geschichte für mehrere Tage der meistkommentierte Beitrag auf der Internetseite des Blattes. In Deutschland debattieren Rechtsradikale in ihren Internetforen, ob sie gegen die Gründung der Bewegung am Sonntag demonstrieren wollen.
Für die Freiheit der Kunst
Eidelman ficht das nicht an: Auf der Kundgebung am Sonntag – bei der die Behörden mit 100 Teilnehmern rechnen – werden neben ihm auch ein arabisch-jüdisches Paar und diverse linke Aktivisten sprechen. Eine Hymne für den neuen Staat wird ebenfalls vorgetragen. Für gute Bilder hat Eidelman Plakate vorbereitet, auf denen in Hebräisch, Englisch und Deutsch: „Kommt zurück! Jetzt ist es sicher“ steht, aber auch „Koschere Bratwurst, jetzt!“ Auch ein Pappmodell eines Jeeps der israelischen Armee in Originalgröße hat Eidelman vorbereitet.
Die Universität hat spät erkannt, welche Wirkung eine solche Aktion entfalten könnte, in der Hauptstadt der deutschen Klassik, wenige Kilometer vom Standort des Konzentrationslagers Buchenwald entfernt. Ursprünglich hatten Eidelman und seine betreuenden Professoren geplant, ein Büro für "Medinat Weimar" in den Universitätsräumen zu beziehen. Dies wurde ihm nach langen Debatten schließlich verweigert. „Diese Leute sind Feiglinge. Ich sehe das als Zensur“, schimpft Eidelman.
Allerdings wurde "Medinat Weimar“ bereits Anfang April in der neuen Universitätsgalerie „Marke.6“ öffentlich vorgestellt. Die betreuende Professorin Liz Bachhuber verteidigt das Projekt bis heute: „Ich bin für die Freiheit der Kunst“. Bachhuber, die Amerikanerin ist, aber seit 15 Jahren in Weimar arbeitet, meint: „Ich habe die deutschen Empfindlichkeiten unterschätzt.“ Eine antisemitische Provokation Ahmadinedschads weiterzuspinnen, findet sie nicht problematisch: „Das ist Ronen Eidelmans jüdischer Humor."
Die Universitätsleitung sieht – aufgeschreckt durch die Öffentlichkeit – die Gründung eines jüdischen Staates in Thüringen mittlerweile kritischer. In einer Erklärung des Rektors heißt es: „Als deutsche Universität sehen wir uns in der Pflicht, besondere Sorgfalt im Umgang mit allen Aspekten der deutsch-jüdischen Beziehungen zu pflegen und jegliche Fehldeutungen zu vermeiden.“
Erschienen am 20.06.2008






Stellenmarkt
Wohnungen
Branchenbuch
Kleinanzeigen
Veranstaltungen
Kinoprogramm










Versicherungen
Gesundheitstests
Hotelsuche
Abo
Stadtplan
epaper
Archivsuche
Zeitung Heute
RSS
Newsticker
Video
TV-Programm
Wetter
Gehaltsrechner
Börse
Kredit und Zinsen
Europa
Krankenkassen
Hilfe
Handelsregister
Leserbrief
Kontakt
Mobilportal
iPhone-/iPad-Apps
Heizölvergleich