27.05.08

Nach dem Pisa-Schock

Länder schüren Wettbewerb zwischen Schulen

Nach dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler bei der Pisa-Studie haben die Bildungspolitiker ihre Hausaufgaben gemacht und die Schulgesetze der Bundesländer reformiert. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft lobt die Bildungspolitik der Länder. Zwei westdeutsche Bundesländer sind demnach spitze.

Von David Deissner
Foto: DDP
Pisa-Studie Bildung Länder Reformen Erfolg
Der Pisa-Schock hat gewirkt: In einer neuen Studie schneiden deutsche Schulen erstaunlich gut ab

Bei Vergleichsstudien zum Thema Bildung erwartet man in Deutschland seit dem "Pisa-Schock" für gewöhnlich wenig Erbauliches. Glaubt man hingegen der in Berlin vorgestellten Studie "Politik-Check Schule" haben die Bildungspolitiker ihre Hausaufgaben vorbildlich erledigt. Inzwischen – so das positive Fazit der Studie – hätten die Bundesländer eine ganze Reihe wegweisender Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht.

Im Auftrag der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" hatte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln untersucht, welche Reformen zur Verbesserung der Schulbildung bisher in den einzelnen Bundesländern realisiert wurden. Das Ergebnis überrascht: Allen 16 Ländern wird zumindest ein befriedigendes Zeugnis ausgestellt.


Zudem schneiden in der Studie jene Bundesländer besonders gut ab, die in den Pisa-Studien der vergangenen Jahre nicht gerade zu den Spitzenreiter gehörten: Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern. Sie alle erhielten im Ranking von den Wissenschaftlern des IW ein glattes "gut".

Die Länder haben ihre bildungspolitischen Ziele erreicht

"Unsere Studie belegt, dass alle Landesregierungen die aus Expertensicht notwendigen bildungspolitischen Ziele in ihren Schulgesetzen inzwischen klar formuliert haben", sagte DW-Direktor Michael Hüther.


Für ihre Studie untersuchten die IW-Experten nach eigenen Angaben fünf schulpolitische Handlungsfelder. Bewertet wurden unter anderem die Qualitätssicherung des Unterrichts, beispielsweise durch landesweite Schulinspektionen, Vergleichsarbeiten und zentrale Prüfungen.


Unter dem Stichwort "Systemmanagement" wurde des Weiteren untersucht, welches Maß an Selbstständigkeit den Schulen von der jeweiligen Landesregierung eingeräumt wird, wie viele Kompetenzen etwa einem Schulleiter zugestanden wird. Vorbild sei hier Mecklenburg-Vorpommern mit der Note 1. Denn dort liege die Verantwortung für den Unterrichtserfolg ebenso wie für die Lehrereinstellung weitgehend in den Händen der Schulleiter.


Bayern kassiert in derselben Kategorie dagegen nur ein befriedigend. Hier funktioniere die Personalrekrutierung ganz konventionell durch Zuweisung des Kultusministeriums. DW-Direktor Hüther betonte, eine stärkere Selbständigkeit der Schulleiters sei ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zu besseren Lernerfolgen.


"Schulleiter, die keine Disziplinar- und Budgetrechte haben, können ihr Unterrichtsteam nicht nach Leistung bezahlen und haben damit ein Motivationsproblem. Das muss sich ändern", so Hüther. Defizite sehe er außerdem bei der Ganztagsbetreuung. Noch gebe es bundesweit zu wenige Ganztagsschulen mit verpflichtendem Angebot. Man stünde vor einem "Kulturwandel hin zur selbstständigen Schule", so Hüther.

Motivationsschub für die deutsche Bildungspolitik

Insbesondere Nordrhein-Westfalen – überraschender Spitzenreiter im IW-Ranking – bemüht sich, nachdem es im Ländervergleich der Pisa-Studie in fast allen Bereichen im unteren Mittelfeld landete, nun offenbar vorbildlich um die Einleitung dieses Kulturwandels. Sie begreife das gute Abschneiden als "Motivationsschub", sagte die sichtlich gut gelaunte Schulministerin Barbara Sommer in Berlin.


Ihr Land habe sich vor allem um eine Verbesserung der individuellen Schülerförderung bemüht. Zeichne sich eine Schule in diesem Bereich aus, erhalte sie ein Gütesiegel. Dies habe sich als geeignetes Mittel erwiesen, den Wettbewerbsgeist zwischen den Schulen zu beleben. Sie betonte zudem, dass eine ausreichende Zahl an Lehrkräften für die Reformfähigkeit eines Landes unerlässlich sei. Ihr Ziel sei es, bis Ende der Legislaturperiode in NRW mindestens 4000 Lehrer über Grundbedarf einzustellen.


Dass Länder wie Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen, deren Schüler nachweislich zu den leistungsstärksten zählen, in der IW-Studie allesamt mit der Note 3 abscheiden und somit als vergleichsweise reformfaul erscheinen, ist freilich nicht unproblematisch. Wie dringend hier der gesetzliche Reformbedarf wirklich ist und ob die untersuchten "Handlungsfelder" auch zwingend zu besserer Leistung führen – darüber gibt der "Poltik-Check Schule" keine abschließende Antwort.

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