19.05.08

Statistik

Auswandern liegt im Trend – Zuwandern auch

2007 gab es erstmals seit Jahren wieder mehr Zuwanderer. Die zieht es vor allem in die alten Bundesländer. Zugleich verlassen immer mehr Deutsche ihr Land: Zwischen 2006 und 2007 stieg die Zahl der Fortzüge um sechs Prozent. Beliebtes Ziel sind die USA – doch ein Nachbarland zieht deutlich mehr Deutsche an.

Von David Deißner

TV-Soaps mit Titeln wie "Goodbye Deutschland", "Mein neues Leben" und "Auf und davon" treffen zweifellos den Nerv der Zeit. Das belegen auch die aktuellen Statistiken zur Auswanderung: Die Zahl der Fortzüge stieg 2007 gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf 165.000, wie das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden mitteilte. Besonders die Deutschen aus dem früheren Bundesgebiet und Berlin zog es ins Ausland: Während von dort rund 151.000 Bundesbürger das Land verließen, waren es aus Ostdeutschland gerade einmal 14.000. Hauptzielländer waren die Schweiz (20.000 Personen), die USA (14.000) sowie Polen und Österreich (je 10.000).

Über die Beweggründe gibt die Statistik keinen Aufschluss. Christina Busch, Beraterin des Raphaels-Werks Berlin, welches Auswanderungwillige bei ihrer Planung unterstützt, weist auf eine Vielzahl möglicher Motive hin. "Bei vielen geht es um die existenzielle Frage: Arbeit haben oder nicht", sagte Busch Morgenpost Online. Andere planen hingegen nur einen temporären Auslandsaufenthalt zur Erweiterung ihrer beruflichen Perspektive, weil sie eine andere Arbeitsethik kennenlernen wollen oder weil sich ein Jahr in den USA oder anderswo einfach gut auf dem Lebenslauf macht, erläutert Busch.


Ein prominentes Beispiel während der vergangenen Jahre waren Ärzte, die wegen besserer Arbeitsbedingungen nach Großbritannien oder Skandinavien auswanderten. Aber auch zunehmend mobile Rentner, die ihren Lebensabend in wärmeren Gefilden verbringen wollen, treiben die Zahl der Abwanderer nach oben. Migrationsforscher berichten zudem von zahlreichen Russlanddeutschen, die in den vergangenen Jahren in den Osten zurückkehrten. Auch sie werden als Abwanderer geführt.


Erstmals seit 2001 zogen jedoch auch wieder mehr Ausländer in die Bundesrepublik: Mit 572.000 Personen waren es zwei Prozent mehr als im Vorjahr. In der Gesamtheit aller Zu- und Wegzüge von Bundesbürgern und ausländischen Personen ergibt sich damit ein sogenannter Wanderungsüberschuss von 48.000 Personen – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Insgesamt zogen 683.000 Personen nach Deutschland und 635.000 aus Deutschland weg. Das waren 21.000 Zuzüge mehr und 4000 Fortzüge weniger als 2006.


Zudem bleiben immer mehr ausländische Personen auch dauerhaft in Deutschland: Mit 470.000 Fortzügen kehrten drei Prozent weniger von ihnen Deutschland den Rücken als im Vorjahr. Damit stieg der Wanderungsüberschuss ausländischer Personen gegenüber 2006 um 36 Prozent auf 102.000. Vor allem das frühere Bundesgebiet und Berlin profitierten mit einem Plus von 94.000 Personen davon. In den neuen Bundesländern lag der Wanderungsüberschuss von Ausländern nur bei 8.000 Personen.

Auch unter den Deutschen stieg trotz vermehrter Auswanderungen die Zahl der Rückkehrer um acht Prozent auf 111.000. Darin enthalten sind die Zuzüge von Spätaussiedlern sowie von Deutschen, die aus dem Ausland wieder in die Bundesrepublik kamen. Dennoch bleibt die Abwanderung ein Problem: Unter dem Strich ergab sich bei den Bundesbürgern durch die vermehrte Abwanderung ein Verlust von 54.000 Personen. Während in den neunziger Jahren vor allem aus Osteuropa viele Deutsche ins Land kamen, kehrte sich 2005 der Trend um: Die Bevölkerung schrumpfte um rund 17.000 Personen. Seither lässt sich hierzulande ein negatives Wanderungssaldo verzeichnen.


Unter dieser Entwicklung leidet besonders Ostdeutschland. Denn im vergangenen Jahr zogen dort zusätzlich 138.000 Personen ins alte Bundesgebiet um.

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