Politik

USA sind wichtigster Handelspartner der Berliner Wirtschaft

Unternehmen exportieren Waren im Wert von 1,9 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten. Die angedrohten Handelsbeschränkungen würden die Stadt hart treffen

Sollte Donald Trump die Einfuhrbedingungen für sein Land erschweren, träfe dies Berlins Wirtschaft im Herzen. Der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) zufolge sind die USA das herausragende Export-Zielland für Berlin. 12,3 Prozent des Exports (1,9 Milliarden Euro) gehen in die USA. Die Summe aller Exporte an die 28 Mitgliedstaaten der EU ist zwar höher (41,5 Prozent/6,3 Milliarden Euro). Aber die USA sind das wichtigste Einzelland.

Matthias Borowski, Vize-Pressesprecher der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, sagte, mit diesem Volumen seien die Vereinigten Staaten der mit Abstand wichtigste Markt für Berliner Produkte. Die Exporte sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, von 2015 auf 2016 um 6,77 Prozent. Insofern sei die Berliner Wirtschaft in sehr hohem Maße vom Handel mit den USA abhängig. Richtet Donald Trump Handelsschranken ein, wären in Berlin etwa das BMW Werk Berlin in Haselhorst sowie Bayer Pharma in Wedding betroffen.

Pharmazeutische Erzeugnisse am stärksten gefragt

Laut UVB waren die fünf in den USA beliebtesten Produkte aus Berlin im vergangenen Jahr Pharmazeutische Erzeugnisse für 383 Millionen Euro, Fahrgestelle, Motoren und andere Teile für Kraftfahrzeuge (374 Millionen Euro), Geräte zur Elektrizitätserzeugung und­ -verteilung (156 Millionen Euro), medizinische Geräte und orthopädische Vorrichtungen (142 Millionen Euro) sowie Fahrzeuge (132 Millionen Euro). "Die Industrie hatte 2016 einen Exportanteil am Umsatz von 59 Prozent", sagte UVB-Sprecher Carsten Brönstrup.

Der Wert ausgeführter Waren lag 2016 deutlich über den Einfuhren. Laut Wirtschaftsverwaltung exportierten die Vereinigten Staaten Waren im Wert von rund 786 Millionen Euro nach Berlin. Nach den USA ist Polen das Land, in das die meisten Berliner Exporte gehen. Dort werden hiesige Produkte im Wert von 900 Millionen Euro geordert.

Trotz eines Politikwechsels in Washington war die Stimmung regionaler Unternehmen aber zuletzt noch zuversichtlich. Der Arbeitskreis der Industrie- und Handelskammern (IHK) Berlin und Brandenburg wies in "Konjunkturreport – die wirtschaftliche Lage Berlin-Brandenburgs zum Jahresbeginn 2017" einen "Geschäftsklimaindikator auf hohem Niveau" aus. Die Studie vom Februar sprach von einem stabilen und milden konjunkturellen Klima der Gesamtwirtschaft. Die Befragten aus den vier IHK der Region erwarteten weder "Überhitzungs- noch Abkühlungstendenzen".

Dies sei bemerkenswert, da wesentliche Wachstumsrisiken drohten, so die IHK-Studie. Im Rahmen der Ausgestaltung des Brexits Großbritanniens werde eine einfache Trennung von der EU unwahrscheinlicher. Explizit nennt der IHK-Bericht daneben "Unsicherheiten bezüglich der Handelspolitik des neuen US-Präsidenten" als Bremse der Geschäftsdynamik.

Produkte aus Berlin ganz oben auf der Einkaufsliste

Nach Ansicht der Unternehmer in Berlin und Brandenburg überwögen insgesamt aber positive Impulse, etwa eine positive Arbeitsmarkt- und Lohndynamik in der Region und die auch absehbar niedrigen Zinsen. Als schwerwiegendere Risiken sehen Berlin-Brandenburgs Unternehmer etwa Fachkräftemangel und eine Teuerung der Energie- und Rohstoffpreise.

Allgemein zu Exporten befragt, erklärte jedes vierte der 1451 befragten regionalen Unternehmen, man rechne 2017 mit steigenden Exportzahlen. Rund zwei Drittel der Befragten gehen von ähnlichen Ergebnissen wie 2016 aus. Lediglich zwölf Prozent der IHK-Unternehmen in Berlin und Brandenburg gaben an, man werde 2017 weniger Waren ins Ausland ausführen.

Der Berliner Hauptgeschäftsführer der IHK, Jan Eder, hatte zur Veröffentlichung des Konjunkturberichts erklärt, man blicke auf ein Jahr voller Ungewissheiten: "Wie sich der Zugang zum – vor allem für Berliner Unternehmen – bedeutenden US-Markt entwickeln wird, scheint unberechenbar", sagte Eder. Er geht von einem Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent in 2017 aus. Dabei sind Folgen aus einer Einschränkung des Handels mit den USA eingerechnet: Ohne diese lägen Eders Erwartungen bei 2,8 Prozent.

Angesichts einer drohenden Einschränkung des Handels seitens der USA sagte UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck: "Produkte und Dienstleistungen aus Berlin stehen in den USA ganz oben auf der Einkaufsliste und genießen einen guten Ruf." Amsinck unterstrich, dass vom Handel beide Seiten profitierten. "Wir setzen deshalb darauf, dass die Vereinigten Staaten auch in Zukunft auf Produkte aus der Hauptstadtregion nicht verzichten werden", so der UVB-Hauptgeschäftsführer.

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