Politik

Nur die Stadt hält sich raus

Alle Berliner Baustellen müssen in den Atlas hinein

Wir alle haben uns schon oft genug gewundert und geärgert, wenn die Straße, die doch gerade frisch gemacht worden war, gleich wieder aufgerissen wurde. Tatsächlich bestätigen sogar die Planer der großen Infrastrukturunternehmen, dass es in Berlin lange Zeit bei der Koordination der Baustellen nicht zum Besten stand. Selbst die größten Verursacher der Buddelei, die Betreiber von Gas- und Stromnetz, die BVG und die Wasserbetriebe reden von einem "gefühlten Baustellenchaos".

Guter Wille und moderne Technik können Abhilfe schaffen. Der digitale Baustellenatlas, den die Unternehmen in ihrem gemeinsamen Verein Infrest entwickelt haben und mit ihren Daten bestücken, bietet einen sehr guten Überblick, was wann wo von wem geplant wird. Diese Informationen sind jederzeit abrufbar. Es darf also eigentlich nie wieder vorkommen, dass erst die einen ihre Arbeit im Untergrund erledigen und wenig später die nächsten die frisch asphaltierte Straße wieder aufreißen. Für Nachbarn, Verkehrsteilnehmer und auch für die Kassen der oft öffentlichen Unternehmen kann es einen großen Fortschritt bedeuten, wenn die seit einem guten Jahr angelaufene Koordination in der Masse der Bauvorhaben tatsächlich funktioniert.

Die größte Lücke im System ist aber überhaupt nicht nachvollziehbar. Die Stadt hält sich in Gestalt ihrer Bezirksämter und bauenden Senatsverwaltungen noch raus aus dem Informationsaustausch. Wenn ein Bezirk eine Straße erneuert oder einen Radweg plant, dann taucht das eben nicht im Baustellenatlas auf. Der selbst gesteckte Anspruch, das gesamte Baugeschehen auf Berlins Straßen abzubilden, wird wegen der Trägheit der Politik verfehlt. Das kann so nicht bleiben. Seite 10

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