Berlin

DGB fordert Rückkehrrecht auf Vollzeit

Neues Gesetz könnte Gehaltslücke schließen

Berlin. Ein Rückkehrrecht auf Vollzeit für Arbeitnehmer, die in Teilzeit arbeiten, ist aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) längst überfällig. Bislang ist ein solches Recht nur geplant: Union und SPD haben es im Koalitionsvertrag stehen. Aber sie haben es nicht vorangetrieben.

Laut DGB aber wäre die Weiterentwicklung des Teilzeit- und Befristungsgesetzes ein wichtiger Schlüssel, um drei Probleme anzugehen: Sie würde, so erklärt es Abteilungsleiterin Anja Weusthoff, "Frauen und Männern den Einstieg in eine lebensorientierte Arbeitszeit ermöglichen, zur Sicherung des Fachkräftebedarfs beitragen und helfen, die Entgeltlücke zwischen Mann und Frau zu schließen". Die aktuell arbeitende Frauengeneration sei sehr gut ausgebildet, sagt Weusthoff. "Viele Frauen in Teilzeit wollen aufstocken, können es aber nicht. Das Recht auf befristete Teilzeit eröffnet die Chance, aus einem riesigen Fachkräftepotenzial zu schöpfen", so die Expertin. Dass dies für Unternehmen hohe Anforderungen an die Arbeitsorganisation stellen würde, sei unbestritten. "Es gibt aber viele geübte Modelle. Was bei der Elternzeit funktioniert, wird auch bei der befristeten Teilzeit funktionieren." Die Arbeitgeber jedenfalls seien damit auf der Gewinnerseite. Weusthoff: "Sie können Fachkräfte gewinnen und halten und profitieren von der hohen Effizienz der Teilzeitbeschäftigten."

Der Bundesregierung sind die Wünsche der Familien bekannt

Für Arbeitnehmer, die wegen Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen ihre Arbeitszeit reduziert haben, sollte die Rückkehr in die Vollzeit künftig gesetzlich gesichert werden. So zumindest schrieben es CDU, CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag zur 18. Legislaturperiode fest. "Dazu werden wir das Teilzeitrecht weiterentwickeln und einen Anspruch auf befristete Teilarbeitszeit schaffen (Rückkehrrecht)." So das Vorhaben, das im Dezember 2013 angekündigt wurde. Doch dieses Rückkehrrecht lässt bis heute auf sich warten.

Dabei antwortete die Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion zu diesem Thema Ende Juli erst: "Der Wunsch nach einer partnerschaftlichen Aufteilung des Familien- und Erwerbslebens von Eltern wird durch zahlreiche sozialwissenschaftliche Studien belegt." Gut 60 Prozent der Eltern, deren jüngstes Kind zwischen ein und drei Jahre alt ist, wünschen, dass beide Partner in gleichem Umfang erwerbstätig sind und sich um Haushalt und Familie kümmern. Allerdings trügen die Sorge um das finanzielle Auskommen, Karrierenachteile sowie berufliche Gründe dazu bei, dass sich Eltern nach der Geburt eines Kindes mehrheitlich für eine Konstellation entschieden, in der Väter weiterhin Vollzeit arbeiteten und Frauen einen Großteil der Familienarbeit übernähmen. Notwendig sei dafür die Möglichkeit, von Voll- in Teilzeit zu wechseln. Das Teilzeitrecht solle durch Anspruch auf befristete Teilzeitarbeit weiterentwickelt werden.

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