Anschlagsgefahr

Vorsichtige Entwarnung nach dem Terroralarm in München

Eine Terrorwarnung reißt München aus der Silvesterlaune. Die Polizei räumt zwei Bahnhöfe und warnt die Bevölkerung. Ein Überblick.

München.  Nach dem konkreten Hinweis auf einen Terroranschlag in der Silvesternacht in München haben die Ermittlungen bisher keine neuen Erkenntnisse über die mögliche Gefahr gebracht. Die Fahndung habe "keinerlei Konkretisierung" ergeben, erklärte der Münchner Polizeichef Hubertus Andrä am Freitagmittag bei einer Pressekonferenz. Der Großalarm in München sei aufgehoben.

Am Silvesterabend hatte die Polizei den Münchner Hauptbahnhof sowie den Bahnhof in Pasing gesperrt. Sie rief die Bevölkerung außerdem dazu auf, Menschenansammlungen zu meiden. Ein Überblick über das, was wir bisher wissen:

Was war passiert?

Laut Andrä ging am Silvesterabend um 19.40 Uhr in München ein Hinweis der Bundesbehörden ein: Es gebe einen konkreten Verdacht auf einen Selbstmordanschlag um Mitternacht. Als Ziele seien der Hauptbahnhof sowie der Bahnhof Pasing genannt worden. "Es war nicht zu verantworten, auf eine Entwarnung zu warten", erklärte Andrä zu dem Hinweis.

Am späten Abend alarmierte die Polizei die Bürger in der bayerischen Landeshauptstadt. "Aktuelle Hinweise, dass in #München ein Terroranschlag geplant ist. Bitte meidet Menschenansammlungen und die Bahnhöfe Hauptbahnhof + Pasing", schrieb die Polizei auf Twitter.

Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte das Bundeskriminalamt (BKA) am Donnerstagabend die Bundespolizei über einen entsprechenden Hinweis informiert. Daraufhin hatte die Polizei in München kurz vor Mitternacht den Hauptbahnhof sowie den Bahnhof im Stadtteil Pasing geräumt.

Wie konkret sind die Hinweise auf möglich Täter?

Polizeichef Andrä sprach in seiner Pressekonferenz am Freitag von Hinweisen auf fünf bis sieben Täter. Bei den Verdächtigen handle es sich um Syrer und Iraker. Teilweise seien die Männer in dem Hinweis namentlich genannt worden. Eine Überprüfung dieser Namen habe aber bislang "keine Erkenntnisse" erbracht. "Vielleicht gibt es diese Personen auch gar nicht", so Andrä. Von einem Fehlalarm wollte der Polizeipräsident jedoch nicht sprechen.

Laut Medienberichten kamen erste Hinweise über die Anschlagspläne bereits am Donnerstagmittag vom amerikanischen, später auch vom französischen Geheimdienst. Polizeichef Andrä sprach von Hinweisen "befreundeter Geheimdienste".

Wie reagierte die Polizei?

Die Polizei informierte die Bürger schnell, vor allem über ihre Website und soziale Netzwerke. Die Tweets wurden in mehrere Sprachen übersetzt, unter anderem ins Englische und Französische, Türkische und Italienische. Der Facebook-Post wurde die ganze Nacht mit aktuellen Hinweisen ergänzt.

Mit einem Großaufgebot kontrollierte und patrouillierte die Polizei in der Stadt. Laut Polizeipräsident Andrä waren in der Nacht 550 Polizisten im Einsatz. Unterstützung gebe es von Einsatzkräften aus ganz Bayern. Am Freitagmittag waren noch rund hundert zusätzliche Beamte im Einsatz.

Innenminister Herrmann rechtfertigte den Einsatz in der Nacht auf der Pressekonferenz: "Ich habe diese Entscheidung für richtig gehalten, weil ich der Meinung bin, dass wir hier angesichts solcher konkreter Drohungen, konkreter Orte, konkreter Zeit nicht unnötige Risiken eingehen können." Polizeipräsident Andrä lobte die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden. Man könne "stolz sein", wie reibungslos die Maßnahmen binnen weniger Stunden gegriffen hätten.

Wie ist die Lage derzeit?

Die beiden abgeriegelten Bahnhöfe in München wurden am frühen Freitagmorgen wieder freigegeben. Der Hauptbahnhof in der Innenstadt und der Bahnhof im Stadtteil Pasing seien wieder offen, teilte die Polizei mit. Die Polizei ist aber weiterhin vor Ort, der Bahnverkehr laufe wieder planmäßig.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Münchner Polizei bleibt in erhöhter Bereitschaft. "Die Kollegen der Kriminalpolizei sind weiter an der Arbeit, um festzustellen, was an den Hinweisen dran ist und sie gegebenenfalls zu konkretisieren", sagte eine Polizeisprecherin. Die Beamten würden vereinzelt Menschen kontrollieren. Eine Reihe besorgter Bürger habe sich in der Nacht mit verdächtigen Beobachtungen bei der Polizei gemeldet, bei der Überprüfung habe sich aber nichts ergeben.

Gibt es Trittbrettfahrer?

Münchens Polizeichef Andrä berichtete am Freitag von zwei Fällen, in denen Anrufer mit Bombenanschlägen gedroht hätten. Es handle sich in beiden Fällen um Trittbrettfahrer. Die Fahndung nach den Verantwortlichen laufe. "Die müssen sich warm anziehen", kündigte Andrä an – wer Angst und Schrecken unter der Bevölkerung verbreiten wolle, dem stehe eine "intensive Behandlung" durch die Polizei bevor. (sdo/W.B.)

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